Germanwings-Flug 4U9525

Zweite Blackbox bestätigt Absturz-Absicht

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Foto: Der französische General David Galtier zeigt ein Foto der gefundenen zweiten Blackbox.

Paris - Eine erste Auswertung des zweiten Flugschreibers hat bestätigt, dass der Copilot das Germanwings-Flugzeug bewusst in den Sinkflug brachte. DerAutopilot sei von dem Anwesenden im Cockpit so eingestellt worden, dass die Maschine auf 100 Fuß sinkt, teilte die französische Untersuchungsbehörde Bea am Freitag mit.

Die Auswertung der zweiten Blackbox bestätigt den Verdacht: Der Copilot der Germanwings-Maschine hat den Airbus bewusst in den Sinkflug gebracht und dabei beschleunigt, wie die Analyse des Flugdatenscheibers ergab. Dies teilte die französische Untersuchungsbehörde Bea am Freitag mit. DerAutopilot sei von dem Anwesenden im Cockpit so eingestellt worden, dass die Maschine auf 100 Fuß - umgerechnet etwa 30 Meter - hinuntergeht. Während des Sinkflugs sei die Maschine zudem mehrfach beschleunigt worden. Das Flugzeug war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt.

Die Erklärung der französischen Luftverkehrs-Untersuchungsbehörde Bea vom Freitag im Wortlaut:

"Der Flugdatenschreiber (FDR, Flight Data Recorder) ist am gestrigen Abend in die Räumlichkeiten der Bea gebracht worden. Die Teams der Bea haben gleich nach der Ankunft mit den Arbeiten zur Öffnung begonnen. Eine erste Auswertung zeigt, dass der im Cockpit anwesende Pilot den Autopiloten genutzt hat, um das Flugzeug in einen Sinkflug auf eine Höhe von 100 Fuß zu bringen, dann hat der Pilot während des Sinkflugs mehrfach die Einstellungen des Autopiloten geändert, um die Geschwindigkeit des sinkenden Flugzeugs zu erhöhen. Die Arbeiten werden fortgesetzt, um den präzisen faktischen Ablauf des Flugs festzustellen."

Unter den 150 Toten waren laut Auswärtigem Amt 72 Deutsche. Der zweite Flugschreiber war am Donnerstag an der Unglücksstelle in den französischen Alpen gefunden worden. Er war von Geröll verschüttet. Der Rekorder zeichnet Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel auf. Staatsanwalt BriceRobin hatte sofort gesagt, das Gerät lasse sich vermutlich auswerten - darauf lasse der Zustand hoffen. Die erste Blackbox - den Sprachrekorder - des Flugs 4U9525 hatten Bergungskräfte bereits am Unglückstag gefunden.

Der deutsche Copilot Andreas Lubitz wird verdächtigt, den Kapitän aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine absichtlich in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler in Düsseldorf suchte Lubitz kurz vor dem Todesflug im Internet nach Suizid-Möglichkeiten und Infos über die Sicherheit von Cockpittüren. Das ergab die Auswertung eines Computers, der in der Düsseldorfer Wohnung des Copiloten gefunden wurde. Bereits seit kurz nach dem Absturz war bekannt, dass Lubitz die Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa mehrere Monate unterbrach.

Lufthansa hatte mitgeteilt, der Copolit habe die Schule 2009 in einer E-Mail über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert. Er wurde danach aber als flugtauglich eingeschätzt. Bei der Identifizierung der Opfer werden den französischen Ermittlern zufolge die gefundenen DNA-Profile mit Proben von Angehörigen abgeglichen. Die Arbeit soll Anfang kommender Woche losgehen. Die Angehörigen sollen bei einer Übereinstimmung rasch informiert werden.

Nach dem Absturz ist dem ARD-"Deutschlandtrend" zufolge nur eine Minderheit der Flugpassagiere in Deutschland sorgenvoller. 81 Prozent der Flugreisenden machen sich demnach beim Fliegen keine größeren Sorgen, 17 Prozent machen sich mehr Sorgen, wie die repräsentative Umfrage unter Menschen über 18 Jahren ergab. Dementsprechend wollten 89 Prozent der Flugreisenden das Flugzeug wie bisher nutzen.

So sind Cockpit-Türen gesichert

Nach dem Crash des Germanwings-Airbus steht auch die Frage im Fokus, ob der Mechanismus für die Totalverriegelung der Cockpittür wieder abgeschafft werden soll. Cockpittüren waren nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 verstärkt und zusätzlich mit einem elektronischen Zugangscode gesichert worden, um ein unerlaubtes Eindringen unbefugter Personen zu verhindern. Die schusssicheren Türen können von der Crew nur mit einem bestimmten Code geöffnet werden - jede Airline hat dabei spezielle Regelungen. Über eine Video-Kamera sieht die Besatzung zudem, wer gerade Einlass begehrt. Bei einer Bedrohung können die Piloten die Tür aber auch dann blockieren, wenn außen der korrekte Code eingegeben wird.

In besonderen Notfällen besteht technisch zwar die Möglichkeit, auch von außen die Cockpittür zu öffnen - aus Sicherheitsgründen meist nach einer Zeitverzögerung, die je nach Programmierung Sekunden oder auch Minuten dauern kann. Sie versagt aber, wenn der Pilot im Cockpit den Zugang blockiert. Der Copilot der Germanwings-Maschine wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht zum Absturz gebracht zu haben. Um solche Fälle auszuschließen, soll künftig ein Mitglied der Kabinenbesatzung bei Abwesenheit eines der beiden Piloten im Cockpit anwesend sein.

dpa

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