Repair Cafés

Zweite Chance für den kaputten Toaster

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Foto: Jürgen (links) repariert zusammen mit Ulle im Repair Café in Hannover ein Bügeleisen.

Wolfenbüttel - Kaputte Alltagsgegenstände bringen sie zusammen: In Repair Cafés treffen sich Menschen, die gemeinsam reparieren. Sie wollen damit Müll vermeiden und Ressourcen schonen.

Fred Hichert hantiert mit einem Lötkolben an der Platine eines ziemlich angejahrten und nicht mehr startbereiten Staubsaugers. „Es gibt immer Dinge, die erhaltenswert sind“, meint der 70-Jährige. Der Ingenieur ist Stammgast im Repair Café Wolfenbüttel, weil er gern tüftelt und kaputte Dinge instand setzt. In Repair Cafés treffen sich meist einmal im Monat Menschen, um gemeinsam kaputte Alltagsgegenstände zu reparieren. Sie vermeiden damit Müll, schonen Ressourcen und haben - oft bei Kaffee und Kuchen - auch noch Spaß dabei.

Unter dem Motto „Reparieren statt Wegwerfen“ hat die Bewegung der Repair Cafés derzeit nicht nur in Deutschland großen Zulauf. Die Idee stammt von der niederländischen Journalistin Martine Postma, die 2009 im Amsterdam das erste Repair Café gründete. Inzwischen gibt es allein in Deutschland nach Angaben der offiziellen Koordinierungsstelle Anstiftung & Ertomis (München) mehr als 100 Repair Cafés. In Niedersachsen sind es zehn, eines wird gerade in Wolfsburg gegründet.

Dabei treffen sich die Leute nicht in richtigen Cafés, sondern in sozialen Einrichtungen, die meist auch Werkstätten oder Werkzeuge zur Verfügung stellen. „Wir sind eine Selbsthilfegruppe und kein kommerzieller Reparaturbetrieb“, betont Jürgen Hartmann. Er hat gemeinsam mit der lokalen Freiwilligenagentur das Repair Café in Wolfenbüttel gegründet. Es besteht fast ein Jahr und ist damit eines der ältesten im Lande.

Alles sei ehrenamtliche Arbeit, stellt Hartmann fest. Jederman sei willkommen. Er müsse aber bereit sein, das mitgebrachte defekte Gerät auch mit zu reparieren. Es sind fast immer Experten wie Elektriker oder Mechaniker anwesend, die helfen oder Tipps geben. „Manche Menschen müssen erst wieder lernen, etwas zu reparieren“, berichtet Hichert. Sie lernen dabei zugleich, Dinge wieder wertzuschätzen, die sie sonst einfach weggeworfen hätten.

Nicht alle Reparaturen gelingen. Zwei Drittel seien erfolgreich, weiß Velten Vilharm, der das Repair Café in der Stadt-Teil-Werkstat Hannover-Nord organisiert. Repariert werde alles, was kommt: Elektrische Haushaltsgeräte - vom Toaster bis zum Bügeleisen - Computer und Drucker, Stehlampen, Regenschirme, Bilderrahmen, Spielzeug, Gitarren oder Fahrräder. In manchen Cafés werden auch kaputte Textilien wieder zusammengenäht.

Zu den Treffen in Wolfenbüttel und Hannover kommen durchschnittlich 30 bis 50 Besucher aller Alters- und Bevölkerungsgruppen. Die Hälfe der Besucher kommt regelmäßig. „Unser jüngster Stammgast ist 14, der älteste 75“, sagt Hartmann. Manche bringen ihr eigenes Werkzeug mit. Kleine Ersatzteile wie Stecker oder Sicherungen müssen bezahlt werden. Es sind von den Besuchern auch kleine Spenden willkommen, um laufende Ausgaben zu finanzieren oder Werkzeuge anzuschaffen.

Jeder Reparaturversuch sei eine sportliche Herausforderung, meint Vilharm. Oft diskutierten und tüftelten die Gäste stundenlang, bevor sie eine Lösung finden. Vilharm: „Und wenn es nicht klappt, dann ist der Besitzer zumindest froh, dass er das Gerät nun guten Gewissens entsorgen kann“.

dpa

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