Da hat er sich wohl vertan

Mega-Fauxpas: AfD-Politiker beklagt „Gendergaga“ - und tritt ganz tief ins Fettnäpfchen

AfD-Politiker Gunnar Lindemann im Jahr 2016 im Berliner Abgeordnetenhaus
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Gunnar Lindemann (Archivbild) echauffiert sich über „Gendergaga“.

Im Streit um den Erhalt der Schönheit der deutschen Sprache hat ein AfD-Politiker jetzt den Duden hervorgeholt. Das ging nach hinten los.

  • Gunnar Lindemann, AfD-Politiker im Berliner Abgeordnetenhaus, hält vom Gendern der Sprache nicht viel.
  • Nun kritisierte er in dem Zusammenhang die Ausdrucksweise einer lokalen Hauptstadtzeitung.
  • Er unterlag dabei aber offenbar einem Irrtum - streitet aber dennoch weiter.

Berlin - Sprache hat Macht. Über das Binnen-I oder die Abwandlung von etwa „Studenten“ (nur männlich) zu „Studierenden“ (schließt nicht nur den weiblichen Teil der Bevölkerung, sondern auch LGBT ein), wird sicherlich auch deshalb erbittert gestritten. Für die Kritiker bedeuten sie eine lästige Umstellung (ganz unabhängig davon, dass sie einen Versuch darstellen, weite Teile der Gesellschaft zumindest sprachlich zu integrieren). Zu ihnen gehört Gunnar Lindemann, der sich nun in der Debatte aber zum Gespött gemacht hat.

AfD-Politiker wütet über „täglichen Genderwahnsinn“ : „Links-grüne Ideologien“

Ein Tweet des Berliner AfD-Politikers hat nämlich ordentlich Schaum vorm Mund: „Der tägliche Genderwahnsinn: Jetzt werden sogar Fahrspuren gegendert. Wie wäre es mal mit der guten alten Duden-Rechtschreibung anstatt mit diesem links-grünen Ideologien liebe @bzberlin ? Dann verstehen Euch vielleicht auch die Leser wieder.“

Lindemann erregte sich dabei über eine Schlagzeile der Berliner Zeitung (B.Z.), die geschrieben hatte „Frau übersieht Fahrspurende und fährt in Baustelle“. Sein selbst-kreierter Hashtag zu dem Thema: #Gendergaga. Der Gedankengang Lindemanns war beim Lesen vermutlich etwa so: „Warum schreiben die nicht einfach ‚Fahrspuren‘? Erst nehmen sie das Wort ‚Studenten‘ auseinander, und jetzt das. Die Linken und Grünen haben sie ja nicht alle...“

Allerdings meinte die B.Z. tatsächlich die „Fahrspur“ - und ihr Ende. Fahrspurende. Keine Gender-freundliche Form von Fahrspur.

„Genderwahnsinn“-AfD-Politiker holt den Duden hervor - „Gendergaga" steht nicht in dem Sprach-Werk

Gut einen Tag später unterhalten sich auf Twitter schon mehr als 2800 Menschen über die Anekdote, über die die Tagesschau zuerst berichtete. Sie sorgt für massive Erheiterung - obwohl gegenderte Sprache für andere Politiker schon ernsthafte Konsequenzen hatte, wie es in dem Bericht heißt. Etwa für die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt oder einen ÖVP-Politiker, die vermeintlich von „Kinderinnen“ sprachen - und deshalb einen Shitstorm über sich ergehen lassen mussten.

Hat Lindemann derweil eingesehen, dass er sich im Eifer des Gender-Gefechts verlesen hat? Scheint nicht so. Er retweetete inzwischen einen Post der AfD Berlin, der so lautet: „Die #Gendergaga-Sprache muss weg. Gebärende, Studierende, Zufußgehende, #Stauende, kein normaler Menschen spricht so.“

„Stauende“ meint, ähnlich wie „Fahrspurende“, ein Stau-Ende, ist also nicht gegendert. Vielleicht würde es der AfD Berlin helfen, wenn mehr deutsche Wörter gekoppelt würden.

„Gendergaga“-Shitstorm: AfD-Politiker legt nach - „Wem das nicht gefällt, der suche sich ein anderes Land“

Lindemann zieht aus der Aufmerksamkeit rund um seinen „Gendergaga“-Rant offenbar etwas. Denn auf Facebook legte er nach: „Wenn linksgrüne Spinner, die sich mangels sinnvoller Beschäftigung den ganzen Tag nur mit ‚sexueller Identität‘ und vermeintlicher ‚Gleichberechtigung‘, wie sie diese verstehen, beschäftigen, ist es das Eine. Wenn jedoch von politisch Verantwortlichen unsere wunderbare Sprache wegen dieser Spinner verunstaltet und verstümmelt wird, hört der Spaß auf.

Die Mehrzahl von ‚Mitarbeiter‘ ist nicht ‚Mitarbeitende‘, sondern ‚Mitarbeiter‘. Die Mehrzahl von ‚Student‘ ist nicht „Studierende“, sondern ‚Studenten‘. Die Mehrzahl von ‚Radfahrer‘ ist nicht ‚Radfahrende‘, sondern ‚Radfahrer‘.“

Lindesmanns Fazit lautet: „Ja, die Mehrzahl ist ‚männlich“. Das war sie schon immer. Wem das nicht gefällt, der suche sich ein anderes Land mit einer anderen Sprache. Auf jeden Fall wird dieser gegenderte Unfug in Schulen, in Verwaltungen und im medialen Sprachgebrauch rückgängig gemacht werden. Kein normaler Mensch spricht so – oder wird jemals so sprechen.“

Mag sein, dass sich Lindemann mit diesem Fazit irrt. Die Stadt Berlin fordert in ihrem „Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache in der Verwaltung“ schon seit 2012 die „Bildung geschlechtsneutraler Personenbezeichnungen durch Substantivierung von Adjektiven oder Partizipien im Plural. Beispiel: die Anwesenden, die Beschäftigten, die Lehrenden, die Auszubildenden.“ Der Begriff „Studierende" wäre demnach korrekt. (frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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