Verteidigungsministerin von der Leyen im Bundeswehr-Lager

Albrechts Tod überschattet Afghanistan-Besuch

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Foto: Ursula von der Leyen hat bei einem Afghanistan-Besuch vom Tod ihres Vaters Ernst Albrecht erfahren.

Masar-i-Sharif - Traurige Nachricht bei der Afghanistan-Reise von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU): Ihr Vater Ernst Albrecht ist am Sonnabend verstorben. Unser Hauptstadt-Korrespondent Joachim Riecker berichtet aus Masar-i-Sharif.

Beim Besuch des Weihnachtsmarkts der Bundeswehr teilte sie in einer kurzen Ansprache mit, dass ihr Vater, der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, gestorben ist. Eine Stunde zuvor habe sie von seinem Tod erfahren. Von der Leyen war am Samstagmorgen in der nordafghanischen Stadt Mazar-i-Sharif eingetroffen und hatte dort unter anderem ein von Deutschen geleitetes Ausbildungscamp der afghanischen Armee besucht. Am Nachmittag traf sie sich mit Jura-Studentinnen im deutschen Konsulat der Stadt und besuchte am Abend den Weihnachtsmarkt.

In der kurzen Rede dankte sie zunächst den Soldaten für ihren Einsatz und erinnerte an die 55 Angehörigen der Bundeswehr, die in Afghanistan seit 2002 ums Leben gekommen sind. "Ich muss Ihnen jetzt etwas sagen, was mir schwer fällt", fuhr sie fort und berichtete davon, dass sie beim Besuch des gleichen Weihnachtsmarkts vor einem Jahr als frisch ernannte Verteidigungsministerin zahlreiche Stände besucht, dort Speisen probiert und mit den Soldatinnen und Soldaten auch viele Selfies gemacht habe.

"Ich habe vor einer Stunde erfahren, dass mein Vater gestorben ist", fuhr sie fort. "Und ich möchte deshalb um Verständnis bitten, dass ich heute Abend diese Fotos nicht machen kann." Den Soldaten wolle sie aber noch von Herzen eine gesegnete Weihnacht wünschen. "Kommen Sie gut ins neue Jahr, bleiben Sie behütet, und kommen Sie vor allem heile wieder nach Hause", beendete sie die Ansprache und verließ dann die Feier.

Angespannte Lage bei Besuch von der Leyens

Wie andere Besucher ist auch von der Leyen im Lager Marmal nahe Mazar-i-Sharif in einem recht spartanischen Container-Zimmer untergebracht. Am Sonntag wollte die Verteidigungsministerin nach Kabul fliegen, um dort unter anderem ihren afghanischen Amtskollegen und den neuen Präsidenten Ashraf Ghani zu treffen.

Als von der Leyen gerade auf dem Weg von dem Ausbildungscamp zum Konsulat war, erhielt ihr Tross die Nachricht, dass es nahe des Konsulats einen Anschlag gegeben habe, bei dem zwei afghanische Polizisten um Leben gekommen seien. Die Deleagtion stoppte und es wurde überlegt, den Programmpunkt zu streichen und ins sichere deutsche Lager am Stadtrand zurückzukehren. Schließlich setzte von Leyen das Programm dann aber doch wie geplant fort. Nach rund zwei Stunden stellte sich heraus, dass es sich bei dem angeblichen Anschlag um eine Falschmeldung gehandelt hatte.

Die Episode zeigte aber, wie angespannt die Lage in Afghanistan auch beim Besuch von Leyens ist. Ihr Besuch findet unter größten Sicherheitsvorkehrungen statt. Sie fliegt entweder im Hubschrauberoder oder fährt in einem schwer gepanzerten Jeep und unter starkem Militärschutz durch die Stadt. Die zahlreichen Journalisten, die sie begleiten, werden sogar in gepanzerten und fensterlosen Containern transportiert.

Zahl der Anschläge steigt sprunghaft

Vor allem im Süden des Landes und in der Hauptstadt Kabul ist die Zahl der Anschläge in den vergangenen Wochen sprunghaft angestiegen. Parallel dazu wurden die Kampftruppen der Nato fast vollständig abgezogen. Das westliche Militärbündnis will sich nur noch auf die Ausbildung der afghanischen Armee beschränken. Zunächst bis Ende 2015 wird auch die Bundeswehr im Norden Afghanistans ein Ausbildungskontingent von 850 Soldaten stationieren.

Von der Leyen warnte aber in Mazar-i-Sharif, man dürfe den Einsatz am Hindukusch "nicht abrupt beenden". Auf keinen Fall will sie die Fortschritte gefährden, die seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 erreicht wurden. Afghanistan sei "nicht mehr die Brutstätte des Terrors", die Zahl der Schülerinnen und Schüler habe sich verzehnfacht und zum ersten Mal in der Geschichte des Landes sei der demokratische Übergang von einem Präsidenten zum nächsten gelungen.

Vor allem aber liegt der ehemaligen Familienministerin das Schicksal der Frauen am Herzen, wie sich bei dem Treffen mit den Studentinnen im Konsulat zeigte. Die Begegnung dauerte mit knapp zwei Stunden länger als geplant und von der Leyen schwärmte im Anschluss: "Ich habe heute Nachmittag die Zukunft Afghanistans gesehen!" Die jungen Frauen seien mutig und entschlossen, für sich durch Bildung "das Tor zur Welt aufzustoßen".

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