Oberlandesgericht Celle

Anklage gegen zwei Wolfsburger IS-Kämpfer

Celle - Die Bundesanwaltschaft hat gegen die beiden ehemaligen IS-Kämpfer Ayoub B. und Ebrahim H.B. aus Wolfsburg Anklage vor dem Oberlandesgericht Celle erhoben. Erstmals wird damit auch öffentlich, was genau den beiden Deutsch-Tunesiern vorgeworfen wird, die im November und Januar in Wolfsburg verhaftet worden sind.

Die Bundesanwaltschaft hat gegen die beiden ehemaligen IS-Kämpfer Ayoub B. und Ebrahim H.B. aus Wolfsburg Anklage vor dem Oberlandesgericht Celle erhoben. Erstmals wird mit der Anklageschrift öffentlich, was genau den beiden deutsch-tunesischen Syrien-Rückkehrern vorgeworfen wird, die im November und Januar in Wolfsburg verhaftet worden sind. Einer der beiden habe ein Selbstmordattentat im Irak geplant, teilte die Behörde am Donnerstag in Karlsruhe mit.

Beide Männer waren in Wolfsburg für den Kampf der Terror-Miliz IS angeworben worden und hatten sich im Frühjahr 2014 entschlossen, ins Kriegsgebiet in Syrien und dem Nordirak zu reisen. Dort angekommen seien die beiden Rekruten vom IS überprüft worden, sie mussten ihre Mobiltelefone sowie 5000 bis 6000 Euro an Bargeld an die Terrororganisation abgeben, heißt es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft. Der 27-jährige Ayoub B. soll danach in Syrien an der Waffe ausgebildet worden sein und an Kampfeinsätzen im Irak teilgenommen haben. Zunächst habe er Tote und Verletzte vom Schlachtfeld geborgen.

Selbstmordanschlag verhindert

Ab August habe er sich auch an Offensiven des IS beteiligt, unter anderem in der syrisch-irakischen Grenzstadt Bukamal, heißt es weiter. Der 26-jährige Ebrahim H.B. soll sich schon kurz nach seiner Ankunft im Kriegsgebiet bereit erklärt haben, einen Selbstmordanschlag begehen zu wollen. Im August sei er deshalb mit anderen IS-Kämpfern nach Bagdad gereist. Weil aber ein Teil seiner Gruppe dort verhaftet worden sei, habe das Attentat nicht stattgefunden.

Den Angeklagten wird darüber hinaus vorgeworfen, über Internet-Chats versucht zu haben, Mitglieder für die Terror-Organisation zu gewinnen. In mindestens einem Fall soll Ayoub B. damit auch Erfolg gehabt haben.

Ayoub Bs Anwalt Dirk Schoenian bezweifelt die Darstellung der Bundesanwaltschaft. „Unstreitig ist alleine die Ausreise und dass er eine militärische Ausbildung erhalten hat“, sagte Schoenian der HAZ. Alles weitere sei die Hypothese der Bundesanwaltschaft, die in der Hauptverhandlung überprüft werden müsse. Schoenian nimmt seinen Mandanten in Schutz. „Der IS hat ihn getäuscht.“ Nachdem er das erkannt habe, sei Ayoub B. „unter Mühe die Flucht gelungen“.

Wann das Verfahren gegen die beiden Wolfsburger eröffnet wird, steht noch nicht fest. Der Senat des Oberlandesgerichts in Celle muss darüber entscheiden, ob er die Anklage annimmt und ein Verfahren eröffnet. Das wird vermutlich in den nächsten zwei bis drei Wochen geschehen. Dann könnte der Prozess noch vor den Sommerferien beginnen.

Ayoub B. und Ebrahim H.B. sind die einzigen Rückkehrer aus dem Kriegsgebiet, die bislang verhaftet worden sind. Die Behörden gehen davon aus, dass insgesamt 680 Menschen aus Deutschland ausgereist sind, ein Drittel davon ist wieder zurück. Aus Niedersachsen sollen bislang 50 Personen ausgereist sein, 20 sind wieder hier. Mindestens acht Niedersachsen sind wohl im Kriegsgebiet ums Leben gekommen. Wolfsburg gilt als eine Art Hochburg der Salafistenszene in Niedersachsen. Insgesamt soll es dort rund 50 junge radikale Islamisten geben.

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