Brandstiftung nach Räumung?

Vermummte werfen Brandsätze: Meterhohe Flammen an „Liebig 34“ - Staatsschutz ermittelt

Ein Tatortfotograf der Kripo fotografiert nach einem Brand vor dem geräumten Hausprojekt "Liebig 34" in Berlin.
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Ein Tatortfotograf der Kripo fotografiert nach einem Brand vor dem geräumten Hausprojekt «Liebig 34» in Berlin.

Vor zwei Wochen wurde das Haus „Liebig 34“ in Berlin geräumt. Nun warfen nach Polizeiangaben Vermummte Brandsätze auf das Haus.

  • Spezialeinheiten der Polizei räumten am 9. Oktober in Berlin-Friedrichshain ein bekanntes Haus-Projekt.
  • 1500 Beamte waren im Einsatz, zahlreiche Demonstranten vor Ort.
  • Knapp zwei Wochen später brannte es in „Liebig 34“.

Update vom 22. Oktober: Mindestens ein Dutzend Vermummte haben am Mittwochabend mehrere Brandsätze auf das ehemals besetzte Haus „Liebig 34“ in Berlin geworfen und so das Feuer an dem Gebäude ausgelöst. Das teilte die Berliner Polizei am Donnerstagmittag mit. Zuvor hatten die Beamten bereits auf Twitter geschrieben, dass bei dem Brand im Stadtteil Friedrichshain von einer vorsätzlichen Tat ausgegangen werde. Nach Angaben aus der Mitteilung befanden sich zum Zeitpunkt der Attacke drei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma in dem Gebäude. Sie konnten unverletzt vor den Flammen fliehen.

Laut Polizei ereignete sich die Attacke gegen 21.15 Uhr. Die Angreifer warfen die Brandsätze in einen umzäunten Bereich vor dem Haus. Ein Brandsatz soll das Gebäude getroffen haben. Fensterrahmen des Hauses und Sperrmüll auf dem Gehweg fingen Feuer. Die Flammen schlugen demnach meterhoch.

Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz im Landeskriminalamt ermittelt wegen schwerer Brandstiftung, versuchten Totschlags und schweren Landfriedensbruchs.

Brisante Räumung in Berlin: 1500 Beamte treffen auf Demonstranten - Polizei findet Sprengstoff-Attrappen

Update vom 9. Oktober, 10.21 Uhr: Beim Eindringen in das besetzte Haus „Liebig 34“ in Berlin ist die Polizei auf eine Vielzahl von Hindernissen gestoßen. Türen und Fenster mussten am Freitagmorgen mit Werkzeugen aufgebrochen werden, wie ein Polizeisprecher vor Ort im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sagte. Auch Mauerreste und Beton seien aufgetürmt worden.

Die Berliner Polizei räumt das besetzte Haus „Liebig 34“. Über eine Drehleiter verschaffen sich die Beamten Zugriff.

Metall sei aufgeflext, ausgelegte Balken seien weggeräumt worden. Zudem seien Feuerlöscher vorgefunden worden, die zumindest den Eindruck erweckt hätten, es handle sich um Brand- und Sprengvorrichtungen, so der Sprecher. Spezialisten der Polizei hätten sie aber schnell als ungefährlich eingestuft.

Bislang wurden 17 Bewohner herausgebracht. Laut Polizei werden sie überprüft, aber nicht festgenommen. Es sei noch unklar, ob Ermittlungen etwa wegen Hausfriedensbruchs eingeleitet werden.

Update 9. Oktober, 8.30 Uhr: Mit einem Großeinsatz der Polizei wird seit Freitagmorgen in Berlin-Friedrichshain das besetzte Haus „Liebig 34“ geräumt. Beamte drangen auf einem Gerüst und mit Trennschleifern über ein Fenster im ersten Stock in das Innere vor. Dort stießen sie offenbar auf weitere Hindernisse. Durch das Fenster wurden Bretter und Bohlen herausgebracht.

Es kam zu teils heftigen Rangeleien zwischen Polizisten und schwarz vermummten Demonstranten. Es flogen Flaschen. Der Anwalt des Bewohner-Vereins Moritz Heusinger kritisierte, dass er nicht zu seinen Mandanten vorgelassen worden sei, um zu deeskalieren. Es sei „völlig unverständlich“, dass geräumt werde und niemand wisse, wer im Haus sei. 

Berlin: Polizei räumt besetztes Haus „Liebig 34“

Erstmeldung vom 9. Oktober, 7.30 Uhr: Berlin - Ein Räumfahrzeug der Polizei fuhr am Freitagmorgen (9. Oktober) vor den Eingang, mehrere Beamte untersuchten die verbarrikadierte Tür und versuchten mit Brecheisen in das Innere zu kommen. Die Polizei ging davon aus, dass noch Bewohner im Haus sind.

„Liebig 34“ gilt als eines der letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in der Hauptstadt, die inzwischen zum Corona-Risikogebiet erklärt worden ist. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Auf Hausdächern waren Beamte postiert. Laut Polizei sollten am Freitag rund 1500 Beamte aus acht Bundesländern im Einsatz sein. Darunter seien auch technische Spezialeinheiten wie etwa Höhenretter. Ein Räumfahrzeug sowie Leitern standen bereit.

Die Polizei leiste Amtshilfe bei der gerichtlich angeordneten Übergabe des Hauses, twitterte die Behörde. Der Gerichtsvollzieher wollte das leere Haus dem Eigentümer übergeben.

Schon Stunden zuvor versammelten sich hunderte Demonstranten hinter Absperrgittern vor dem Eckhaus. Die meist jungen, überwiegend schwarz gekleideten Menschen skandierten laute Sprechchöre wie „Häuser denen, die drin wohnen“ oder „Ganz Berlin hasst die Polizei“. Die Kreuzung vor dem Haus war mit Scheinwerfern ausgeleuchtet.

Polizei-Einsatz in Berlin: Wütende Demonstranten vor Ort

Ein Polizeisprecher sagte, mehrfach seien in dem weiträumig abgeriegelten Bereich Beamte mit Flaschen beworfen worden. Auch Feuerwerk sei abgebrannt worden. Vereinzelte seien Gegenstände auf die Straße gebracht worden. Dabei seien zwei Störer gestellt worden.

An verschiedenen Stellen in der Stadt brannten laut Polizei in der Nacht Autoreifen, Müllcontainer sowie ein Abfertigungsgebäude im S-Bahnhof Tiergarten. Der Einsatz von Wasserwerfern zur Unterstützung der Feuerwehr beim Löschen von Kleinstfeuern sei freigegeben worden, twitterte die Polizei.

„Liebig 34“ in Berlin wird geräumt - Eigentümer setzt sich nach Gerichtsstreit durch

In der „Liebig 34“ war bereits vor zwei Jahren ein zehnjähriger Gewerbemietvertrag für den Bewohner-Verein ausgelaufen, der sich selbst als „anarcha-queer-feministisch“ bezeichnet. Der Eigentümer setzte in einem langen Gerichtsstreit durch, dass die Bewohner das Haus verlassen müssen.

Im politischen Berlin gibt es derweil Zündstoff zwischen CSU und SPD. Schuld trägt ein unrühmlicher Trump-Söder-Vergleich.

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