Illegale Immobiliengeschäfte

Betrugsskandal erschüttert den Vatikan

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Der Engel mit den gierigen Händen: Bankmanager Angelo Caloia.

Vatikan - Es ist ein Skandal erster Güte im Vatikan: Bankmanager des Kirchenstaats veruntreuten Millionenwerte bei illegalen Immobiliengeschäften. Papst Franziskus hat eine radikale Reform verordnet.

Offiziell heißt die Vatikanbank „Institut für die religiösen Werke“, doch Angelo Caloia und Lelio Scaletti hatten offensichtlich vor allem ihre eigenen Werke im Sinn. Nach umfangreichen Prüfungen von Wirtschaftsexperten aus mehreren Ländern ist klar, dass Caloia, ehemaliger Präsident der Bank, und ­Scaletti, früherer Generaldirektor des Instituts, mit dubiosen Immobiliengeschäften rund 60 Millionen Euro in die eigenen Taschen gewirtschaftet haben. Nach Medien­berichten sollen etwa 17 Millionen Euro von der Staatsanwaltschaft Rom sichergestellt worden sein; weitere Beträge, so die Fahnder, lagern wohl auf geheimen Konten in der Karibik. Die Vatikanbank hat Strafanzeige gegen ihre beiden früheren Manager erstattet. Auch gegen einen römischen Anwalt, der bei der Abwicklung der Immobiliendeals half, wird ermittelt.

Der Betrug lief nach zwei recht schlichten Maschen ab. Zum einen wurden Immobilien aus dem Besitz des Vatikans zu günstigen Preisen an Briefkastenfirmen verkauft, die dem Trio gehörten. Später dann wurden die Häuser oder Wohnungen zu marktgerechten Preisen veräußert, der Gewinn wurde an die Bankmanager und den Anwalt verteilt. Zum anderen fand auch ein Immobilienverkauf - meist aus exzellenter Lage in Rom und Mailand - weit unter Wert an dubiose Unternehmen statt, die ihrerseits den früheren Vatikanbesitz zum wahren Wert verhökerten. Den Gewinn in diesen Fällen teilten sich das Unternehmen und das Vatikan-Trio. Von 2001 bis 2008 sollen auf diesen Wegen 29 Immobilien des Heiligen Stuhls verramscht worden sein.

Vor allem Caloia galt eigentlich als Mann mit sauberen Händen. Er, der Christdemokrat, war Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Casteano Primo und ein renommierter Wirtschaftsprofessor der Mailänder „Katholischen Universität vom Heiligen Herzen“ - ausgerechnet im Fachgebiet „Ethik in der Finanzwelt“. Als er 1989 schließlich den Karrieresprung zum Präsidenten der Vatikanbank schaffte, galt er als Aufräumer des damals finanziell angeschlagenen Instituts. Dieser Engel, schrieb die italienische Presse in Anlehnung an den Vornamen Caloias, heile die durch und durch kranke Bank. Das tat er auch - aber nicht ohne sich eine gute Provision in die eigene Tasche zu stecken.

Benedikt XVI. ordnete Überprüfung an

Die Vatikanbank selbst steht schon seit gut zwei Jahren unter Druck. ­Anfang 2013 verbot die italienische Zentralbank, die Aufsichtsbehörde der Vatikanbank, ihr das Geld- und Kreditkartengeschäft. Touristen im Vatikan konnten damit zunächst nicht einmal mehr mit Kreditkarten bezahlen, weil der Staat vom internationalen Bankverkehr abgeschnitten war. Zuvor hatten die Aufsichtsbehörde Italiens und andere EU-Länder den Vatikan gedrängt, das Geldgebaren der Bank transparenter zu machen - ohne Erfolg. Geheime Nummernkonten, deren Inhaber auch bei Überweisungen oder Scheckeinlösungen unerkannt blieben, machten das Geldinstitut zu einer Steueroase.

Papst Benedikt XVI. ordnete eine Überprüfung der Finanzgeschäfte an, doch erst unter dem derzeitigen Papst Franziskus wurde mit einer starken Lampe in das Dunkel der Bankgeschäfte geleuchtet. Erstmals wurden externe Experten aus nicht kirchlichen Institutionen mit der Prüfung der etwa 19 000 Konten beauftragt; in der Vergangenheit hatten dies Kirchenfürsten getan und die Ergebnisse geheim gehalten.

Jetzt war alles anders - mit unerwarteten Ergebnissen. Nicht nur die Betrügereien von Caloia und Scaletti wurden aufgedeckt; auch große Geldbeträge, die in keinem Etat des Vatikanstaats auftauchten, wurden gefunden. Nach Angaben von „Spiegel Online“ soll es sich um mehrere Hundert Millionen Euro handeln. Warum das Geld verheimlicht worden war, blieb bisher unklar.

Papst fordert radikale Reform

Die Vatikanbank blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie wurde bereits 1887 von Papst Leo XIII. gegründet. Sie fungierte als Sammelstelle für das päpstliche Vermögen und die Entschädigungen des italienischen Staats nach dem Verlust des Staatsterritoriums des Kirchenstaats im Jahr 1870. Bis 1929, als der faschistische Diktator Benito Mussolini ein neues päpstliches Hoheitsgebiet anerkannte, zahlte Italien dem Papst sogar eine hohe jährliche Apanage, die der Bank zufloss. Bis etwa 1940 war die Bank direkt dem Papst unterstellt und ihre Existenz in der Öffentlichkeit kaum bekannt. In den siebziger Jahren wurde das Geldinstitut erstmals von einem Skandal erschüttert, als bekannt wurde, dass die Mafiaorganisation Cosa Nostra Geld bei ihr gewaschen hatte. Weitere Skandale um illegale Finanztransaktionen folgten; das böse Wort von der ­„Vatikan AG“ machte die Runde.

Damit soll Schluss sein; Papst Franziskus hat eine radikale Reform verordnet. Künftig soll die Bank nur noch Finanzberater und Zahlungsdienstleister für katholische Orden sein. Die milliardenschweren Wertpapierbestände indes werden vom „Vatican Asset Management“ verwaltet; die Immobilien von einer Art Schatzamt. Filmische Vorlagen, wie einst für den Mafiafilm „Der Pate III“, will Franziskus nicht mehr liefern.

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