Bildung

Computer im Kinderzimmer bremst Erfolg in der Schule

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Hannover - Computer und Fernsehgerät sind aus dem Alltag Jugendlicher nicht mehr wegzudenken das bleibt nicht ohne Folgen: Jugendliche, die viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, haben oft Schwierigkeiten in der Schule.

Die Leuphana Universität Lüneburg untersuchte die Computernutzung im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Danach sitzt fast jeder fünfte Schüler täglich mehr als sechs Stunden vor dem Bildschirm. Dies gehe häufig mit Schulproblemen einher, teilten Forscher der Leuphana bei der Vorstellung ihrer Studie in Hamburg mit. Sie haben bundesweit rund 6000 Jungen und Mädchen zwischen elf und 18 Jahren befragt und dabei festgestellt: 15- und 16-Jährige verbringen am meisten Zeit vor Rechner und TV-Gerät. Mehr als jeder fünfte aus dieser Altersgruppe nutzt soziale Netzwerke, Computerspiele und das Fernsehen länger als sechs Stunden pro Tag. Diese "Intensivnutzer" klagen oft über Schulfrust und sind unzufrieden mit ihren Schulleistungen. Rund 40 Prozent gaben an, keine Lust auf Schule zu haben - wobei Mädchen deutlich selbstkritischer sind als Jungen.

"Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass übermäßiger Medienkonsum häufiger zu Schulproblemen führen kann", sagte Cornelius Erbe von der DAK-Gesundheit. Ein umgekehrter Wirkungszusammenhang sei allerdings auch denkbar: "Wer Schwierigkeiten in der Schule hat, versucht sich möglicherweise mit einem hohen Medienkonsum abzulenken." So überrascht es nicht, dass leistungsstärkere Schüler weniger Zeit vor dem Bildschirm verbringen als leistungsschwächere: Im Vergleich zu Gymnasiasten sitzen mehr als doppelt so viele Haupt- und Realschüler täglich mindestens drei Stunden vor dem Fernseher.

"Die Nutzung von Medien und sozialen Netzwerken ist für Kinder und Jugendliche ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens", sagte Ina Cramer von der Leuphana und hob die "besondere Rolle" von Schulen bei der Vermittlung von Medienkompetenz hervor. Lehrer sollten darin verstärkt geschult werden.

NiedersachsensLandesregierung sieht dagegen vor allem die Eltern in der Pflicht: "Sie sollten schon wissen, was im Kinderzimmer geschaut und gespielt wird", sagte Sozialministerin Aygül Özkan (CDU), die auch für den Jugendschutz zuständig ist. "In erster Linie obliegt es den Eltern, den Medienkonsum ihrer Kinder im Blick zu behalten", sagte eine Sprecherin von Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). Um Lehrer für den Medienkonsum von Jugendlichen zu sensibilisieren, biete das Land zahlreiche Fortbildungen an.

Die Studie birgt auch eine erfreuliche Nachricht: Die zunehmende Mediennutzung Jugendlicher geht nicht mit Vereinsamung einher. Im Gegenteil: Die Intensivnutzer treffen sich besonders oft mit Freunden - natürlich auch, um gemeinsam Computer zu spielen.

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