DKG, Spahn, Scholz

Ist die Corona-Inzidenz aussagekräftig? Forderung nach Mix von Indikatoren wird lauter

Die Corona-Inzidenzen in Deutschland steigen an. Sind sie überhaupt aussagekräftig? Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert einen Mix von Corona-Indikatoren.

Kassel - Mitte Juni hat sich die Bundesregierung auf die Sieben-Tage-Inzidenz als zentralen Faktor bei den Corona*-Maßnahmen festgelegt - jetzt stellte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) einen neuen Indikator-Mix vor. Doch wie groß sind die Chancen, dass dieser sich durchsetzt?

Spekulationen über einen Kurswechsel der Regierung in Sachen Corona-Pandemie haben sich schon mehr als einmal als falsch herausgestellt, deshalb bleibt auch die Reaktion auf den Vorschlag der DKG offen. Diese fordert neben den Inzidenzen elf weitere Indikatoren mit in die Überlegungen und Entscheidungen einzubeziehen.

DKG: Mehrere Indikatoren sollen das Corona-Geschehen in Deutschland einordnen

In dem Vorschlag der DKG werden mehrere Corona-Indikatoren genannt, anhand derer das Infektionsgeschehen eingeschätzt, die Gefahr einer Überlastung des Gesundheitssystems beurteilt und politische Maßnahmen geplant und festgelegt werden sollen. Darüber informiert die DKG in einer offiziellen Pressemitteilung.

Diese Indikatoren sollen den Umgang mit der Corona-Pandemie erleichtern:

  • Hospitalisierungsrate
  • Altersstratifizierte Impfquote
  • Belegung von Intensivkapazitäten
  • Positivrate an Tests
  • Steigerungsquoten der Inzidenzen
  • Steigerungsquoten der Hospitalisierungen
  • Quelle: DKG

„Aus unserer Sicht ist es zwingend erforderlich, diese Kennzahlen transparent und öffentlich darzustellen, um die notwendige Akzeptanz für bevorstehende politische Entscheidungen zu erreichen“, sagte Dr. Gerald Gaß, der Vorstandsvorsitzende der DKG.

DKG: Nicht mehr nur Inzidenz als Hauptfaktor für Corona-Maßnahmen in Deutschland

„Die Inzidenz war nie einziger Parameter, um das Pandemiegeschehen zu beurteilen. Aber sie ist und bleibt ein wichtiger Parameter“, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums Mitte Juni. Mit Blick auf die Maßnahmen der Bundesnotbremse scheint diese Aussage nur teilweise der Wahrheit zu entsprechen.

Schließlich richtete man die Einschränkungen während der Corona-Notbremse in Deutschland* fast ausschließlich an der Inzidenz als Hauptfaktor aus. Viele Menschen fragen sich, ob diese Art der Beurteilung auch in Zukunft weiterlaufen soll. Der DKG-Vorstandsvorsitzende Gaß sagte zu dem Thema: „Allein die Inzidenz noch als Maßgabe dafür zu nehmen, wann Beschränkungen von Grundrechten im Herbst erfolgen könnten, ist absolut nicht mehr ausreichend.“

DKG: Corona-Indikatoren für alle Menschen in Deutschland zugänglich machen

Die geforderten Indikatoren würden schon jetzt gesammelt und sollten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, erklärte die Krankenhausgesellschaft in ihrem Schreiben. Demnach erhielte das Robert Koch-Institut (RKI) nicht nur die Zahl der Neuaufnahmen in Krankenhäusern, sondern auch Alter und Impfstatus der Corona-Patienten.

„Die Veröffentlichung der von uns vorgeschlagenen Kennzahlen schafft Akzeptanz und begründet zukünftige Entscheidungen der Politik“, sagte Gaß. Er sprach auch davon, dass die politischen Entscheidungen nachvollziehbarer würden, wenn Bürgerinnen und Bürgern „öffentlich zugänglichen Daten“ zur Hand hätten. Corona-Maßnahmen hätten so konkrete Zusammenhänge zu Entwicklungen der Infektionslage und ließen sich dementsprechend besser einordnen.

Unter anderem Hospitalisierung und Impfquoten sollen die Inzidenz als Corona-Indikatoren ergänzen. Das fordert die DKG (Symbolbild).

Neben Inzidenz: Scholz und Spahn sprechen sich für Mix an Corona-Indikatoren aus

Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gemeldet wurden. Dabei wird die Schwere der Erkrankung und die Auslastung der betroffenen Region außen vor gelassen. Die Corona-Fallzahlen für Deutschland vom Sonntag (01.08.2021) zeigen aktuell einen Anstieg der bundesweiten Inzidenz an. Am Sonntag lag die Corona-Inzidenz bei 17,5. Am Vortrag betrug sie noch 16,9.

Seit Beginn der Pandemie fordern Menschen aus ganz Deutschland, unter anderem Persönlichkeiten aus Medizin, Kultur, Wirtschaft und Bildung die Einbeziehung weiterer Faktoren. So hatte sich SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gegen die Inzidenz als zentralen Faktor von Corona-Maßnahmen ausgesprochen. „Viele Fachleute verweisen richtigerweise darauf, dass wir neben den Inzidenzen auch die Situation in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen im Blick behalten müssen.“ Das sagte Finanzminister Scholz am Samstag (31.07.2021) gegenüber Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Neben dem Finanzminister sprach sich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die Berücksichtigung anderer Corona-Indikatoren als der Inzidenz zur Einschätzung der Lage aus. RKI und Regierung halten derzeit jedoch weiter an diesem Wert fest, da er aus ihrer Sicht der wichtigste Frühwarnwert ist. (jey/dpa)*hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Molter/dpa

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