Inklusive neuem Lieblings-Inzidenzwert

Lockdown-Lockerungen: RKI erarbeitet eigenes Corona-Strategiepapier - Vier Stufen mit Orientierung an „NoCovid“

In einer Fußgängerzone ist eine Maske in roter Farbe auf die Steine gemalt.
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Deutschland debattiert über Lockerungen. Gleichzeitig warnen manche vor der dritten Corona-Welle.

Zahlen interessieren in der Corona-Krise besonders. Hauptsächlich auf Inzidenzwerte setzt auch das Robert-Koch-Institut in seinem neuen Strategiepapier.

München - Für Wissenschaftler gehen in der Corona-Krise* Inzidenzwerte über alles. Das zeigt sich nun auch an einem Strategiepapier, das vom Robert-Koch-Institut (RKI)* ausgearbeitet worden sein soll. Bild und Focus Online zitieren aus dem Plan der Behörde, die die Infektionszahlen täglich veröffentlicht.

Die Leitlinie, die das RKI vorgibt, lautet „ControlCovid“ und orientiert sich anscheinend an der kritisch beäugten „NoCovid“-Bewegung, die Deutschland erst frei von Sars-CoV-2 machen will, ehe breitflächige Lockerungen auf den Weg gebracht werden können. Ziele des Papiers seien die Reduzierung der Neuinfektionszahlen sowie die Verhinderung eines Wiederanstiegs, die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Infizierten sowie effektive Testungen, das Vorantreiben von Impfungen sowie der besondere Schutz von Risikogruppen, vor allem in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern.

Corona-Strategie des RKI: Schutzkonzepte sollen sich auf Innenräume konzentrieren

Klingt erstmal alles nicht wirklich neu. Zudem hätten bekannte Mediziner und Aerosol-Experten dazu geraten, die Schutzkonzepte „ganz klar auf Innenräume“ zu konzentrieren. Grund: Den vorliegenden Daten zufolge sei die Ansteckungsgefahr draußen sehr gering.

Heftig klingt aber der Zielwert, den das RKI empfiehlt: ein Inzidenzwert von 10 sei zu erreichen. Also: zehn Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Gerade angesichts der Mutationen* wirkt das wie ein feuchter Traum. Allerdings sei dieser Wert „führend bei der Eskalation“ von Maßnahmen. Nach der 50 lässt das RKI also auch die neuerdings von der Regierung propagierte 35 kalt.

Video: Laut Robert-Koch-Institut ist die Zahl der Neuinfektionen am 23. Februar leicht gesunken

Corona-Strategie des RKI: Auf Lockerungen kann immer wieder ein Lockdown folgen

Immerhin sollen aber auch schon bei Inzidenzwerten von mehr als 10 einige Öffnungsschritte umgesetzt werden. Wichtig seien dabei auch die Auslastung der Intensivbetten in Krankenhäusern durch Covid-Erkrankte oder die Infektionsrate bei den Über-60-Jährigen. Zudem stellt das RKI klar: Auch bei Lockerungen sei ein neuer Lockdown in Abhängigkeit von den geforderten Inzidenzwerten jederzeit möglich.

Vorgeschlagen wird eine Einteilung in vier Stufen: Bei einem Inzidenzwert* unter 10 - der sogenannten Basisstufe - dürften Schulen, Einzelhandel und Geschäfte, Universitäten, Bars und Restaurants, Theater, Museen und alle übrigen Einrichtungen mit entsprechenden Schutzkonzepten öffnen. Es würden jedoch auch hier allgemeine Maßnahmen gelten wie Maskenpflicht* in Senioren- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern, die Nutzung der Corona-Warn-App, Kontaktsuche und Quarantäne-Maßnahmen. Im Freien seien Zusammenkünfte mit bis zu 1000 Personen möglich, in Innenräumen lediglich mit 100 Menschen.

Corona-Strategie des RKI: Bars, Clubs und Gastronomie öffnen bei Inzidenz von unter 35

Die Intensitätsstufe 1 umfasst eine Inzidenz von 10 bis 35. Hier wären im Freien Zusammenkünfte mit bis zu 500 Personen erlaubt, in Innenräumen dürften sich bis zu 50 Menschen treffen. Darüberhinaus bleibt alles offen, was auch in der Basisstufe geöffnet ist.

Bei der Intensitätsstufe 2 - also einer Inzidenz zwischen 35 und 50 - dürften in Innenräumen maximal zehn Personen zusammentreffen, Bars, Clubs und Gastronomie blieben zu, im ÖPNV solle die Zahl der Personen pro Waggon durch Extra-Bahnen reduziert werden, weiterführende Schulen und Berufsschulen gingen in den Distanzunterricht.

Corona-Strategie des RKI: Bei Inzidenz von über 50 sind nur Treffen mit der Familie erlaubt

Bei einer Inzidenz von mehr als 50 wären wir in der Intensitätsstufe 3. Hier wären Zusammenkünfte nur innerhalb der eigenen Familie erlaubt. Einzelhandel, Restaurants, Theater und ähnliche Einrichtungen wären geschlossen, Zusammenkünfte im Freien wären nicht erlaubt. Geöffnet bleiben dürften Kitas und Grundschulen, eventuell mit speziellen Schutzkonzepten, dies gelte auch für Parks und Spielplätze.

Unklar bleibt jedoch, für wie viele Tage die jeweilige Inzidenzspanne erreicht sein muss, um auf eine niedrigere Stufe springen zu dürfen. Ein ewiges Hin und Her zwischen zwei Stufen würde wohl letztlich nur im Chaos enden. Auf jeden Fall sollen die Maßnahmen regional umgesetzt werden, sich entsprechend an lokalen Infektionszahlen orientieren. (mg) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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