Bevölkerungsrückgang

Deutschland schrumpft trotz Zuwanderung

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Die jährliche Geburtenrate in Deutschland liegt bei 1,4 Kindern je Frau.

Berlin - Die Alterung der Gesellschaft schreitet unaufhaltsam voran. Fachleute sind sich einig, dass die Republik ohne Zuwanderer aufgeschmissen ist.

Deutschland schrumpft langsamer als bisher angenommen. Das liegt auch an einer gewachsenen Zuwanderung. Der „Zuwanderungssaldo“ reicht allerdings nicht, um den Bevölkerungsrückgang langfristig aufzuhalten. Zu diesem Schluss kommt das Statistische Bundesamt in seiner aktuellen Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2060. Die deutsche Bevölkerung schrumpft voraussichtlich von heute knapp 81 Millionen Menschen auf 67,6 bis 73 Millionen im Jahr 2060.

Das Minus fällt damit nicht so deutlich aus wie bei der letzten Bevölkerungsprognose vor sechs Jahren erwartet. Damals waren die Statistiker noch davon ausgegangen, das 2060 nur noch 65 bis 70 Millionen Menschen in Deutschland leben. Das statistische Bundesamt berechnete in seiner aktuellen Bevölkerungsprognose die Bevölkerungsentwicklung auf Basis der Zensuszahlen von 2011 hoch. Vor allem die gestiegene Zuwanderung führt dazu, dass die Statistiker die Zahlen korrigierten.

Die neuen Zahlen ändern aber nichts am Gesamttrend: Die deutsche Bevölkerung wird den Prognosen zufolge insgesamt erheblich weniger und älter. Außerdem müssen immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner versorgen. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 64 Jahren wird bereits innerhalb der kommenden zwanzig Jahre von heute 49 Millionen auf 41 bis 43 Millionen schrumpfen. Bis 2060 sinkt sie auf 34 bis 38 Millionen. Die jährliche Geburtenrate hat sich gegenüber der Berechnung 2009 kaum verändert und liegt bei 1,4 Kindern je Frau.

Gegenwärtig erlebt Deutschland einen starken Anstieg der Zuwanderung, der auch der Krise in den europäischen Partnerstaaten geschuldet ist. Dreiviertel der Migranten kommt aus Europa, vor allem Ost- und Südeuropa. Künftig ist jedoch mit weniger Zuzug aus diesen Regionen zurechnen, weil auch dort die Bevölkerung altert. Der „Wanderungssaldo“ von derzeit 430 000 Menschen wird nach Erwartung des Bundesamts also sinken. Um die Bevölkerungszahl stabil zu halten, wäre eine jährliceh Netto-Zuwanderung von 450 000 Menschen notwendig.

Ein Gutachten des Sachverständigenrats für Integration und Migration zeigt indessen, dass das Image der Bundesrepublik als Einwanderungsland besser ist als es öffentlich wahrgenommen. Darin schneidet Deutschland im Vergleich zu klassischen Einwanderungsländern wie USA oder Kanada gut ab. „Deutschland reiht sich im internationalen Vergleich in die Riege fortschrittlicher Einwanderungsländer ein“, sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Christine Langenfeld. Sie lobte die Regelungen zur Anwerbung von Fachkräften und Akademikern. „Wir sind besser als wir glauben.“ Brennende Asylheime seien allerdings ein verheerendes Signal.

Von Frank Lindscheid

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