US-Wahl 2020

Startschuss in Iowa: Demokraten suchen Trump-Herausforderer

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Sechs demokratische Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur (von links nach rechts): Tom Steyer, Elizabeth Warren, Joe Biden, Bernie Sanders, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar.

Wer kann Donald Trump bei der US-Wahl 2020 schlagen? Die Vorwahlen der oppositionellen Demokraten beginnen am Montag im Bundesstaat Iowa.

  • Vorwahlen beginnen am 3. Februar in Iowa
  • Demokraten suchen Trump-Herausforderer
  • Wahl in Iowa hat große Bedeutung

Washington - Am Sonntag schaut ganz Amerika nach Florida. In Miami steht nämlich das in den USA wichtigste Sportereignis des Jahres auf dem Programm. Knapp 100 Millionen Menschen werden gespannt den Super Bowl verfolgen, das Football-Endspiel der NFL zwischen den San Francisco 49ers und den Kansas City Chiefs. 

Einen Tag später wird dann ein anderer Bundesstaat im Mittelpunkt des Interesses stehen. Und zwar einer, in dem nur wenig mehr als drei Millionen Menschen zu Hause sind. In Iowa, verloren im Mittleren Westen gelegen, beginnen traditionell die Vorwahlen für die US-Präsidentschaftswahl. In diesem Jahr ist es der Startschuss der Demokraten für die Suche nach dem Herausforderer von Donald Trump.

Iowa: Ein Caucus für die Kandidatenwahl

Das Kandidatenrennen der Demokraten startet mit einer urwüchsigen Form der Basisdemokratie: einem sogenannten Caucus. Dabei wird anders als sonst buchstäblich mit den Füßen abgestimmt. An knapp 1700 Orten - Schulen, Kirchen, Bibliotheken, Sporthallen oder sogar Wohnzimmern - kommen die Parteimitglieder zusammen. Sie stellen sich dann in eine Ecke, die mit dem Namen ihres Favoriten gekennzeichnet ist. Ein Wahlgeheimnis gibt es also nicht, im Gegenteil: Es wird lebhaft diskutiert, die Wähler können versuchen, andere auf ihre Seite zu ziehen.

Abgehalten werden zwei Wahlgänge. Gruppieren sich im ersten Wahlgang in einer Ecke weniger als 15 Prozent der Anwesenden, sind deren Stimmen ungültig. Sie können sich im zweiten Wahlgang aber einem anderen Lager anschließen oder versuchen, neue Bündnisse zu schließen. Die Wahlergebnisse aus allen Versammlungsorten werden letztlich über einen komplizierten Schlüssel in Delegiertenstimmen umgerechnet.

Iowa hat enorm viel Einfluss auf den weiteren Verlauf der Vorwahlen

Über die Vorwahl in Iowa werden lediglich 41 nationale Delegierte bestimmt - nur ein Bruchteil der landesweit 3979 Delegierten. Trotzdem kommt dem Caucus enorme Bedeutung zu: Er entscheidet maßgeblich über die Dynamik des weiteren Vorwahlverlaufs. Wer in Iowa gut abschneidet, bekommt Aufwind für die nächsten Vorwahlen. Das war unter anderem 2008 bei Barack Obama so.

Start in Iowa: Eine umstrittene Tradition 

Die große Bedeutung Iowas ist nicht unumstritten, vor allem auch deshalb, weil der Bundesstaat eine überwiegend weiße Bevölkerung hat und landwirtschaftlich geprägt ist. Repräsentativ für die USA ist er damit nicht. Die Vorrangstellung für den Bundesstaat hat aber eine lange Tradition und geht auf das Jahr 1972 zurück, als die demokratische Partei in Iowa erstmals ihre Vorwahlen im Januar abhielt. Die Republikaner zogen vier Jahre später nach. Später schrieb das Parlament von Iowa gesetzlich fest, dass in dem Bundesstaat die erste Vorwahl für Präsidentschaftskandidaten abgehalten werden soll.

Kandidatenfeld der Demokraten 

  • Michael Bennet, Senator aus Colorado 
  • Joe Biden*, früherer US-Vizepräsident 
  • Michael Bloomberg, früherer Bürgermeister von New York 
  • Pete Buttigieg, Bürgermeister von South Bend, Indiana 
  • John Delaney, Kongressabgeordneter aus Maryland 
  • Tulsi Gabbard, Kongressabgeordnete aus Hawaii 
  • Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota 
  • Deval Patrick, ehemaliger Gouverneur von Massachusetts 
  • Bernie Sanders, Senator aus Vermont 
  • Tom Steyer, Hedgefund-Manager 
  • Elizabeth Warren*, Senatorin aus Massachusetts 
  • Andrew Yang, Unternehmer

Kandidatenfeld der Republikaner 

Der Kandidat der Republikaner steht im Grunde schon lange fest, US-Präsident Donald Trump hat bereits am Tag seiner Amtseinführung 2017 seine Kandidatur bekanntgegeben. Später fügte er dann noch sein neues Wahlkampfslogan hinzu: „Keep America Great“, auf Deutsch in etwa: Sorgt dafür, dass Amerika großartig bleibt. In die Wahl 2016 war Trump mit dem Slogan „Make America Great Again“ gezogen („Macht Amerika wieder großartig“). Trump nannte dies den besten Wahlkampfslogan der Geschichte.

Trumps erneute Kandidatur bedeutet aber nicht, dass er nicht auch von republikanischer Seite herausgefordert werden könnte. Gegenkandidaten gibt es tatsächlich, und zwar:

  • Roque de la Fuente, Geschäftsmann aus Kalifornien
  • Joe Walsh, ehemaliger Kongressabgeordneter von Illinois 
  • Bill Weld, Ehemaliger Gouverneur von Massachusetts

Vorwahlen in den USA

Vor der Wahl zum US-Präsidenten steht zunächst die Vorausscheidung an. Ein Kandidat benötigt eine absolute Mehrheit an Delegiertenstimmen für die Nominierung beim Parteitag. Delegierte werden proportional auf Kongresswahlbezirksebene (65 %) und auf Bundesstaatsebene (35 %) mit einer Sperrklausel von 15 % vergeben. Erreicht kein Kandidat die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang so sind in den folgen Wahlgängen zusätzlich etwa 771 sogenannte Superdelegierte (DNC-Mitglieder, Parteiführer, Gouverneure, Senatoren und Abgeordnete) wahlberechtigt. 

Termine der US-Vorwahlen für 2020

  • 3. Februar 2020: Vorwahl in Iowa (41 Delegierte)
  • 11. Februar 2020: New Hampshire (24)
  • 22. Februar 2020: Nevada (36)
  • 29. Februar 2020: South Carolina (54)
  • 3. März 2020: Super Tuesday: Alabama (52), American Samoa (6), Arkansas (31), Colorado (67), „Demokraten im Ausland“ (13, Kalifornien (416), Maine (24), Massachusetts (91), Minnesota (75), North Carolina (110), Oklahoma (37), Tennessee (64), Texas (228), Utah (29), Vermont (16), Virginia (99)
  • 10. März 2020: Idaho (20), Michigan (125), Mississippi (36), Missouri (68), North Dakota (14), Washington (89)
  • 14. März 2020: Northern Marianas (6)
  • 17. März 2020: Arizona (67), Florida (219), Illinois (155), Ohio (136)
  • 24. März 2020: Georgia (105)
  • 29. März 2020: Puerto Rico (51)
  • 4. April 2020: Alaska (15), Hawaii (24), Louisiana (54), Wyoming (14)
  • 7. April 2020: Wisconsin (84)
  • 28. April 2020: Connecticut (60), Delaware (21), Maryland (96), New York (273), Pennsylvania (186), Rhode Island (26)
  • 2. Mai 2020: Guam (7), Kansas (39)
  • 5. Mai 2020: Indiana (82)
  • 12. Mai 2020: Nebraska (29), West Virginia (28)
  • 19. Mai 2020: Kentucky (54), Oregon (61)
  • 2. Juni 2020: Montana (19), New Jersey (126), New Mexico (34), South Dakota (16), Washington, D.C. (20)
  • 6. Juni 2020: Jungferninseln (7)

(cs/afp)

Der Super Bowl wird zur Schlacht zwischen Donald Trump und Michael Bloomberg: Das Mega-Football-Event ist nur ein Beispiel für die massive Politisierung des Sports*. Mit dessen Unabhängigkeit, die der US-Präsident lange beschwor, ist es vorbei.

Die Demokraten sind in die Vorwahlen der USA gestartet. In Iowa scheint sich Pete Buttigieg gegen Bernie Sanders durchgesetzt zu haben.  

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