Ehemaliger OB zu Pegida in Dresden

„In Dresden herrscht eine Wagenburg-Mentalität“

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Foto: Der ehemalige Oberbürgermeister von Dresden, Wolfgang Berghofer.

Hannover/Dresden - Dresdens ehemaliger Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer äußert sich zum Erfolg der Pegida: „In Dresden herrscht eine Wagenburg-Mentalität“. Außerdem spüre man eine „Skepsis gegenüber Eliten“.

Der frühere Dresdener Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer erklärt den Erfolg der Pegida-Demonstrationen mit einer eigentümlichen Mentalität: „Typisch für Dresden ist eine Wagenburgmentalität und Nabelschau. Man ist auf sich selbst fokussiert“, sagte Berghofer der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Montagausgabe). In Dresden spüre man „eine zunehmende Skepsis gegenüber den politischen und medialen Eliten“. Berghofer war von 1986 bis 1990 Dresdener Oberbürgermeister, er galt zum Ende der DDR als einer der wichtigen Reformkräfte in der SED, verließ aber bald nach der Revolution die Partei. Heute arbeitet er als Unternehmensberater, lebt in Berlin und ist noch öfter in Dresden tätig. „Es gibt hier ein selbstbewusstes, wertkonservatives und kleinbürgerliches Milieu. Viele Menschen reagieren ängstlich auf die sich schnell verändernde, komplexe und unsichere Welt. Sie leiden unter Orientierungslosigkeit“, erklärte Berghofer.

Er widersprach der Einschätzung, die Dresdener seien fremdenfeindlich. Vielmehr drücke sich Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik aus. Das Mittel der Demonstration liege daher nah: „Dresden hat eine lebendige Tradition: Die Menschen haben vor 25 Jahren gelernt, dass sie mit beharrlichen Demonstrationen in der Politik viel erreichen können – wenn sie nur konsequent genug auf die Straße gehen.“ Allmählich beginne die Pegida-Bewegung der Stadt auch wirtschaftlich zu schaden. „Beispielsweise werden Arbeitsverträge zwischen ausländischen Ingenieuren und Dresdener Firmen storniert“, sagte Berghofer der HAZ.

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