Feier zum Kriegsende in Moskau

Gauck und Merkel wollen Sowjetsoldaten würdigen

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Foto: „Wir schulden den Völkern der Sowjetunion Dankbarkeit und Respekt“, sagt Bundespräsident Joachim Gauck zur Befreiung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Berlin - Der Westen brandmarkt Russland wegen des Ukraine-Konflikts als Aggressor. Das darf Deutschland aber nicht daran hindern, an den Beitrag der Roten Armee zur Befreiung 1945 zu erinnern, meint Bundespräsident Joachim Gauck. Auch die Kanzlerin handelt danach.

Bundespräsident Joachim Gauck will bei den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes besonders an die Leistungen und Leiden der sowjetischen Soldaten erinnern - unabhängig von ihrer späteren Rolle als Besatzungsmacht. „Am 8. Mai sind wir befreit worden - nicht nur, aber auch durch die Völker der Sowjetunion. Deshalb schulden wir ihnen Dankbarkeit und Respekt“, sagte das Staatsoberhaupt der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). „Und das gilt ungeachtet der Tatsache, dass die sowjetischen Befreier nach dem Krieg als Besatzer im Osten Deutschlands für Unfreiheit, Unterdrückung und Verfolgung gesorgt haben.“

Die Erinnerung an die Sowjetarmee sei ambivalent. Die Soldaten seien bis 1945 Befreier und nach 1945 Garanten der Diktatur gewesen. „Wir können und müssen Letzteres höchst kritisch betrachten, zugleich aber für die Rolle dieser Soldaten bei der Befreiung genau so deutlich Respekt, ja Dank bezeugen“, sagte Gauck, dessen Vater die Sowjets nach Sibirien verschleppt hatten.

Das gemeinsame Gedenken an das Kriegsende ist in diesem Jahr vom Zerwürfnis mit Russland in der Ukraine-Krise überschattet. Die meisten Staats- und Regierungschefs der EU sowie US-Präsident Barack Obama boykottieren die großen Feiern in Russland am 9. Mai zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland - darunter eine Militärparade. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reist aber einen Tag später nach Moskau und legt gemeinsam mit Präsident Wladimir Putin am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz nieder.

Moskau-Reise für Merkel „sehr wichtig“

Für sie werde es „ein sehr wichtiger Moment sein“, wenn sie am 10. Mai nach Moskau fahre, sagte Merkel am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. „Wir haben mit Russland im Augenblick sehr tiefgehende unterschiedliche Meinungen gerade auch über die Fragen dessen, was in der Ukraine abläuft“, erklärte sie. „Und trotzdem ist es mir wichtig, am 10. Mai dort gemeinsam mit dem russischen Präsidenten einen Kranz am Mahnmal des unbekannten Soldaten niederzulegen, um der Millionen Toten zu gedenken, die Deutschland aus dem Zweiten Weltkrieg heraus zu verantworten hat.“

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reist am 7. Mai nach Wolgograd (früher Stalingrad), um gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow an eine der blutigsten Schlachten des Kriegs zu erinnern. Bei einer Gedenkstunde zum Kriegsende im Berliner Abgeordnetenhaus sagte er am Samstag: „Gerade wir müssen heute, vielleicht noch mehr als andere, Verantwortung übernehmen für den Erhalt einer friedenserhaltenden Ordnung.“

Gauck regte in seinem Interview auch eine Wiedergutmachung für deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland an. „Es ist richtig, wenn ein geschichtsbewusstes Land wie unseres auslotet, welche Möglichkeiten von Wiedergutmachung es geben könnte“, sagte er mit Blick auf Athen - ausdrücklich, ohne sich von der Haltung der Bundesregierung zu distanzieren, die griechische Reparationsforderungen ablehnt.

Merkel sagte dazu: „Wir Deutschen haben hier schon eine besondere Verantwortung, aufmerksam, sensibel und auch kundig mit dem umzugehen, was wir in der Zeit des Nationalsozialismus angerichtet haben.“ Sie fügte hinzu: „Es ist natürlich auch wichtig, dass wir zum Beispiel nicht nur die Diskussion mit Griechenland haben, sondern wir haben sie ja auch mit vielen anderen.“

dpa

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