USA

Hillary? Logo.

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Foto: Hillary Clinton zeigt bei ihrem Look Mut zur Sachlichkeit. Doch was soll ihr Wahlkampflogo ausdrücken?

- Das Signet einer Speditionsfirma vom Basteltisch eines Fünfjährigen? Oder etwa die kubistische Variante der kubanischen Flagge? Der absichtlich schlichte Kampagnenstart der US-PräsidentschaftsanwärterinHillary Clinton irritiert Hobbydesigner.

Hillary Clinton will also US-Präsidentin werden. Man kann nicht sagen, dass diese Nachricht die Welt elektrisiert hätte. Sie kam ungefähr so überraschend wie Schnee im Winter. „Ach“, hätte Loriot gesagt. Die Welt kennt Hillary Clinton – jedenfalls ihre öffentliche Ausgabe – in allen Lebenslagen, in Hochs und Tiefs, in Krisen und Triumphen und mit jeder nur denkbaren Frisur. Es gibt sogar diese Szene von 2008, in der sie sich, als „Maschine“ verschrien, öffentlich ein paar Tränchen abpresste.

Von Obama lernen heißt siegen lernen

Wie also erregt man Aufmerksamkeit zum Kampagnenstart, wenn man so bekannt ist wie der Papst und ebenso wie dieser von einem Hauch Gestrigkeit umweht wird? Man geht viral. Im Netz. Youtube und so. Von Obama lernen heißt siegen lernen. Und so startete Hillary Clintons Kampagne nicht mit einer pathetischen Schwulstrede vor falschen Säulen, Feuerwerk und Fähnchenkindern, sondern mit einem perfekt ausbalancierten 138-Sekunden-Wahlkampfvideo, das so politisch korrekt ist, so überausgewogen, dass sich außer „Fox News“-Kommentatoren und Tea-Party-Kolumnisten einfach niemand unberücksichtigt fühlen kann: schwarz, weiß, schwul, latino, asiatisch, italo, alt, jung, schwanger, jung und schwarz und schwanger – alles drin.

Dazu wählte sie ein asketisches Logo, auf das sich Millionen Hobbydesigner bei Twitter und Facebook stürzten wie Wespen auf einen Erdbeerkuchen. Ein blaues H. Ein roter Pfeil nach rechts. Was ist das? Das Signet einer Speditionsfirma vom Basteltisch eines Fünfjährigen? Ein Fantasieemblem auf einer Aldi-Outdoorjacke aus den Neunzigern? Die kubistische Variante der kubanischen Flagge?

Das blaue „H“ soll Fortschritt, Dynamik und Klarheit symbolisieren. Und tatsächlich ist „Flat Design“ ohne Pomp und Glitzer, 3-D-Effekte, Weißkopfseeadler und stilisierte Stars-and-Stripes ein ungewöhnlicher Ansatz für amerikanische Wahlkämpfer. Genau das dürfte das Kalkül der Wahlkampfstrategen sein. Den Mut zur Sachlichkeit spiegelt auch die optische Neuausrichtung der Kandidatin in spe: ein sanfter Merkel-Bob, dazu ein Blazer und ein verschmitztes Lächeln um die nicht übertrieben hochgerissenen Mundwinkel. Fehlt nur noch die Raute.

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