Edward Snowden auf der Cebit

„Ich habe mein Leben verbrannt“

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„Cebit-Besuch? Lassen Sie uns erst Angela Merkel fragen“: Snowden in Hannover.

Hannover - Der US-Whistleblower Edward Snowden wird entgegen den jüngsten Gerüchten wohl doch nicht so bald in seine Heimat zurückkehren. Die aktuellen US-Gesetze stünden einem fairen Prozess im Weg, sagte er auf der Cebit. Snowden war aus seinem russischem Exil per Video nach Hannover geschaltet.

Er hat nicht nur den Blick auf diese Welt verändert. Edward Snowden hat auch geschafft, was sich einige der abgedrehtesten Futuristen aus dem Silicon Valley schon so lange wünschen. Der US-Whistleblower auf der Flucht vor US-Behörden hat sich gewissermaßen dematerialisiert und taucht seit nunmehr anderthalb Jahren öffentlich nur noch virtuell in Form von Pixelhaufen auf Konferenzleinwänden auf. Am Mittwoch ließ sich der von US-Behörden gejagte US-Whistleblower als Stargast aus seinem geheimen Exil in Russland auf die hannoversche Computermesse Cebit zuschalten. Vor schwarzem Hintergrund, mit schwarzem Shirt und Ohrsteckern, mahnte er die Computerbranche, mehr in Sicherheitstechnik zu investieren. „Massenhafte Überwachung durch Geheimdienste wäre nicht möglich, wenn die technische Infrastruktur sicher wäre“, sagte er.

Der 31-jährige ehemalige NSA-Mitarbeiter, der seit Sommer 2013 geheime NSA-Dokumente zur gigantischen Überwachung von Kommunikation auf der ganzen Welt durch den US-Geheimdienst publik gemacht hat, hat offenbar wenig Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die USA. Er würde sich zwar vor Gericht für seine Taten verantworten, betonte Snowden. „Aber nach aktuellen Gesetzen ist ein fairer Prozess nicht möglich. Das Spionagegesetz verbietet es sogar, der Jury zu erklären, warum ich die Dokumente veröffentlicht habe“, sagte er. Zuletzt war spekuliert worden, die US-Regierung verhandele über einen Deal, damit Snowden in die USA zurückkehren könnte. Snowden erklärte dazu lediglich, er habe keinen direkten Kontakt mit der US-Regierung. „Ich kann das Weiße Haus nicht anrufen.“

Nachdem Snowden 2013 dem US-Journalisten Glenn Greenwald und der Filmerin Laura Poitras zahlreiche Geheimdokumente zur Abhörpraxis des US-Geheimdienstes NSA übergeben hat, befindet er sich auf der Flucht in Russland. Mehrere westliche Länder, darunter Deutschland, haben seinen Antrag auf Asyl abgelehnt. Snowden wird von der US-Justiz Spionage und Hochverrat vorgeworfen.

Greenwald, der zur Videoschaltung nach Hannover gereist war, warf der Bundesregierung vor, eigene Werte zu verraten. „Es ist enttäuschend, dass die Länder, die von dem Risiko, das Snowden einging, am meisten profitiert haben, diejenigen waren, die ihm den Rücken kehrten“, sagte der Journalist. Immerhin sei auch das Handy von Kanzlerin Angela Merkel abgehört worden. Auch Snowden zeigte sich enttäuscht, dass Berlin ihm kein Asyl gewähre. „Deutschland ist stark. Ich glaube nicht, dass es ernsthafte Konsequenzen von den USA befürchten müsste.“

Energisch verteidigte der Computerspezialist seine Enthüllungen. Er habe dazu beigetragen, dass die Menschen besser verstehen, in was für einer Welt sie leben. „Ja, ich habe mit dem, was ich tat, mein Leben verbrannt. Aber ich würde es jedes Mal wieder genauso tun. Denn es liefert auch neuen, fruchtbaren Boden.“ Auf die Einladung des Moderators, persönlich gemeinsam mit Greenwald die Cebit zu besuchen, wenn er Russland verlassen dürfe, antwortete Snowden: „Gern.“ Dann fügte er hinzu: „Aber lassen Sie uns erst Angela Merkel fragen.“

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