Plan der Bundesregierung

Impfberatung vor Kita-Besuch bald Pflicht?

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Einer Impfpflicht erteilte das Bundesgesundheitsministerium eine Absage.

Hannover - Eltern, die ihr Kind erstmals in eine Kindertagesstätte schicken wollen, sollen zuvor künftig eine Impfberatung absolvieren müssen. Eine Impfpflicht soll es jedoch nicht geben.

Die verpflichtende Impfberatung vor dem Kita-Besuch sieht ein Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor, der dieser Zeitung vorliegt. „Wir wollen damit die Eltern an die Impfempfehlungen erinnern und die Impfraten erhöhen“, sagte eine Sprecherin von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Trotz aufwendiger Aufklärungskampagnen ist es bislang nicht gelungen, Kinderkrankheiten wie Masern oder Mumps auszurotten. Kinderärzte sehen dies mit Sorge - vor allem, weil in Deutschland immer mehr sehr kleine Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden. Gerade für sie ist das Risiko, an Spätfolgen wie der tödlichen Maserngehirninfektion SSPE zu erkranken, deutlich erhöht.

Kinderärzte begrüßen die Ankündigung der Bundesregierung. „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, um die Impfquoten in Deutschland zu erhöhen“, sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann. Dem Verband gehen die Pläne allerdings nicht weit genug. Die Ärztevertreter fordern eine Impfpflicht für alle Kinder, die öffentlich finanzierte Kitas und Schulen besuchen. Nur so ließen sich die nötigen Impfraten mit Sicherheit erreichen.

Was meinen Sie? Eltern, die ihre Kinder in die Kita schicken, sollen nach einem Plan der Bundesregierung künftig eine Impfberatung absolvieren müssen. Was sagen Sie dazu? Eine gute Idee – Information schadet schließlich nie. Der Staat sollte sich bei diesem Thema nicht einmischen. Mir geht das nicht weit genug – eine Impfpflicht wäre besser. // set a new cookie with expiry ten minutes function setPollCookie() { expiry = new Date(); expiry.setTime(expiry.getTime()+(10*60*1000)); document.cookie = "LastURIPoll=;path=/;expires=" + expiry.toGMTString(); }

Einer solchen Impfpflicht erteilte das Bundesgesundheitsministerium jedoch eine Absage. „Das wäre ein erheblicher Eingriff in die Rechte der Eltern und Kinder“, erklärte Gröhes Sprecherin. Die letzte Entscheidung solle weiterhin bei den Eltern liegen. Man sei aber zuversichtlich, die nötigen Impfquoten auch mit der neuen Beratungspflicht zu erreichen. Diese Beratung sollen dem Gesetzesentwurf zufolge auf jeden Fall Ärzte vornehmen müssen. Wann genau vor dem Kita-Besuch die Beratung stattfinden muss, sollen die einzelnen Bundesländer selbst bestimmen. Verbandsvertreter Hartmann fordert eine ausdrückliche Formulierung in der Bescheinigung, wonach „keine medizinischen Gründe gegen eine Impfung des Kindes sprechen“. Die inhaltliche Ausgestaltung der Bescheinigung soll aber ebenfalls den Ländern vorbehalten bleiben. Die Impfberatungspflicht soll im Infektionsschutzgesetz verankert und zusammen mit dem neuen Präventionsgesetz voraussichtlich bereits am 17. Dezember im Bundeskabinett behandelt werden.

In Deutschland gelten zwischen drei und fünf Prozent der Eltern als strikte Impfgegner und weitere rund zehn Prozent als Impfskeptiker. Sie sind überwiegend Anhänger naturheilkundlicher Verfahren und halten insbesondere bestimmte Zusatzstoffe in den Impfpräparaten für schädlich. Die weit überwiegende Zahl der Kinder- und Jugendärzte sieht diese Bedenken als unbegründet an; die heute eingesetzten Präparate seien wissenschaftlich gründlich erforscht und böten als einzige einen sicheren Schutz vor Krankheiten, betont Hartmann.

Kein ausreichender Masernschutz

Zu niedrige Impfquoten: In Deutschland sind noch immer zu wenige Kinder gegen Masern geimpft. Zwar sind die Impfquoten der Schulanfänger in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – aber die Zahl sei noch immer zu niedrig, beklagen die Experten des Gesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts.

Im Bundesdurchschnitt sind inzwischen 92,4 Prozent der Schulanfänger mit zwei Impfungen gegen Masern geschützt. Nach Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss die Impfquote über mehrere Jahre mindestens 95 Prozent betragen, um das Virus auszurotten. „Impflücken“ trügen maßgeblich zu den immer wieder auftretenden Masern-Ausbrüchen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei, warnt das Robert-Koch-Institut. Den Angaben zufolge ist die 95-Prozent-Quote bislang nur in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg erreicht. In Niedersachsen liegt die Impfquote bei 92,9 Prozent.

Ärzte und Krankenkassen warnen, dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit seien. In manchen Fällen könnten lebensbedrohliche oder sogar tödliche Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündungen auftreten – auch noch Jahre nach einer Masernerkrankung.

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