USA

Kalifornien verramscht sein Staatseigentum

- Kalifornien erlebt einen Staat im Ausverkauf – im wahrsten Sinn des Wortes. Gouverneur Arnold Schwarzenegger mag zwar bei der Verwaltung des Rekorddefizits von 26 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro) versagt haben. Für unkonventionelle Aktionen ist der ehemalige Hollywoodstar aber immer noch gut.

Seine neueste Erfindung: „der große kalifornische Flohmarkt“. Und so durften die Kalifornier in den vergangenen Tagen auf den Seiten des Internetauktionshaus Ebay bestaunen, was in staatlichen Depots und den Abstellkammern der Behörden bisher friedlich vorsichhingammelte – und nun verscherbelt werden soll. In der Hauptstadt Sacramento stellten sich mehrere Tausend Interessierte vor der Eingangstür eines schwülen, unklimatisierten Warenhauses an, um einen Blick auf staatseigene Bürotische, Handys, Laptops und Waschmaschinen zu werfen – oder auf Kurioses wie Spielzeugpuppen, Zahnarztstühle, Pianos, Äxte, Surfbretter oder Golfschläger.

Neuwertige Mobiltelefone waren für fünf Dollar zu haben, Computer schon ab 75. „Es gab auch seltsame Dinge wie ein Liederbuch zur deutschen Oper ,Der Waffenschmied’, das mit einem Preis von drei Dollar doch etwas überteuert erschien“, schrieb der staunende Reporter der „New York Times“. Gouverneur Schwarzenegger hat sämtliche Behörden seines Staates dazu verdonnert, ihren Fahrzeugpark pauschal um 15 Prozent zu verringern. Und so gehörten Vehikel wie gebrauchte Streifenwagen zu den begehrtesten Auktionsobjekten.

Der frühere Hollywoodstar hatte bei einigen sogar die Sonnenschutzblenden handsigniert, um angesichts rostender Bremsen den Marktwert ein wenig zu erhöhen. Eine Lederjacke mit seinem Autogramm ist im Internet noch zu haben. Aus Sicht des Bundesstaates war alles ein großer Erfolg: 1,6 Millionen Dollar (rund 1,1 Millionen Euro) habe der Flohmarkt in die Kassen gespült, heißt es – angesichts des Milliardendefizits allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Experten wie Eric Gazin vom Auktionshaus „Auction Cause“, das Hollywoodgrößen beim Verramschen ihres Gerümpels unterstützt, zeigten sich wenig beeindruckt: „Ein Zwölfjähriger hätte bessere Fotos von den angebotenen Juwelen und Autos machen können“, sagte er der „Los Angeles Times“ über die seiner Ansicht nach dürftige Präsentation im Internet. „Staatsangestellte sind halt auf Ebay nicht geübt“, erwiderte eine Sprecherin der Regierungsbehörde. Das Internetauktionshaus selbst bewies Taktgefühl: „Wir haben Verständnis für die schwierige Lage des Bundesstaates“, sagte ein Sprecher – und kommentierte einige Pannen bei der Auktion nicht weiter.

Von Andreas Geldner

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