“Unerträglich“, „schändlich“

Skandal um Bayerns AfD-Fraktionschefin: Sie posiert neben Impfgegner mit „Judenstern“

Die bayerische AfD-Vorsitzende Katrin Ebner-Steiner erntete für ein Foto, auf dem sie neben einem Impfgegner mit „Judenstern“ postierte, für Kritik. (Archivbild)
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Die bayerische AfD-Vorsitzende Katrin Ebner-Steiner erntete für ein Foto, auf dem sie neben einem Impfgegner mit „Judenstern“ postierte, für Kritik. (Archivbild)

Die bayerische AfD-Chefin Katrin Ebner-Steiner ließ sich bei einer Corona-Demo mit einem Impfgegner ablichten. Dieser trug allerdings einen „Judenstern“, was für Ärger sorgte.

  • Mit einem Foto, auf dem Katrin Ebner-Steiner bei einer Corona-Demo* neben einem Mann mit „Judenstern“ posiert, löste die bayerische AfD-Chefin bei anderen Politikern Empörung aus. 
  • Ebner-Steiner hat sich mittlerweile zu dem Foto bekannt - die Nachfrage zu der nationalsozialistischen Symbolik jedoch ausweichend beantwortet.
  • Bei Twitter setzte sie außerdem einen Seitenhieb gegen die Floyd-Proteste.

München - Breit grinsend blickt sie neben einem Impfgegner in die Kamera. Am Hemd des Mannes ist ein gelber Stern angebracht, der dem nationalsozialistischen „Judenstern“ zum Verwechseln ähnlich sieht. Angesichts des Wirbels, den der Schnappschuss der bayerischen AfD-Chefin Katrin Ebner-Steiner mittlerweile ausgelöst hat, könnte der gebürtigen Deggendorferin das Lachen mittlerweile vergangen sein. 

AfD-Poltikerin post neben Impfgegner mit „Judenstern“ - CSU und Grüne reagieren

Das Foto, das eine AfD-Anhängerin auf ihrem Instagram-Kanal gepostet, aber mittlerweile wieder gelöscht hat, soll am vergangenen Samstag in Ebner-Steiners Heimat Deggendorf entstanden sein. Die AfD-Politikerin ist darauf gemeinsam mit einem Mann zu sehen, der einen deutlich sichtbaren gelben Davidstern auf seinem T-Shirt trägt. „Ich bin ein Impfgegner“, steht darauf geschrieben. CSU und Grüne im bayerischen Landtag werfen der Rechtspopulistin wegen dieses Fotos eine Verharmlosung des Holocaust vor. 

Ein ähnliches Symbol sorgte nun für einen Eklat um AfD-Politikerin Katrin Ebner-Steiner. (Archivbild)

„Impfgegnerschaft heute mit dem „Judenstern“ der Nazizeit zu symbolisieren halte ich für skandalös. Es relativiert das Grauen des Holocaust und gehört für mich verboten“, kritiserte Karl Freller, Mitglied des CSU-Fraktionsvorstands, im Gespräch mit der Tageszeitung Welt. Weiter bezeichnete er es als geschmacks- und geschichtslos, wenn sich ein Politiker daneben platziere. 

Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze sagte, sie sei vom vorliegenden Foto nicht überrascht, „denn die AfD ist für ihre Verharmlosung des Nationalsozialismus und einseitige Geschichtsauslegung bekannt“. Sie halte es für eine „unerträgliche Verharmlosung der Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes“ betonte die Grünen-Politikerin. 

Ebner-Steiner bekennt sich zu Foto - äußert sich aber nicht direkt zum „Judenstern“

Ebner-Steiner hat mittlerweile ebenfalls auf das Foto reagiert. Gegenüber der Welt bestätigte sie, dass sie das Foto im Rahmen eines „Protests mündiger Bürger gegen die Corona-Maßnahmen der Staatsregierung*“ aufgenommen habe. Jedoch wollte sie sich dem Bericht zufolge nicht direkt zum Davidstern auf dem T-Shirt des Mannes äußern. „Was dabei als Form des Protests von mündigen Bürgern als Kleidung getragen wird, habe ich im Einzelnen nicht zu bewerten“, wird sie in der Zeitung zitiert. Sie habe das Foto aber „sehr schnell wieder gelöscht“, um „trotzdem Irritationen zu vermeiden“. 

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bezeichnete Ebner-Steiners Verhalten als „schändlich“. Es sei schlimm genug, wenn sich ein verwirrter Mensch einen gelben Stern anhefte, um damit gegen lebensrettende Impfungen zu demonstrieren, sagte Knobloch der im Gespräch mit der Welt. Dass aber die Vorsitzende einer Landtagsfraktion dies unterstütze, zeige, „dass die AfD zwar demokratisch gewählt ist, aber mit dem demokratischen Konsens unseres Landes nichts am Hut hat“.

Ebner-Steiner setzt bei Twitter Seitenhieb gegen Floyd-Proteste

Ebner-Steiner hat bei Twitter übrigens auch unter Bezugnahme auf die Floyd-Proteste in zahlreichen Metropolen die Missbilligung von Corona*-Demonstrationen kritisiert. „Man darf also demonstrieren, bloß nicht für die vermeintlich „falsche Sache. So so“, postete sie und verlinkte außerdem ein Video, auf dem zahlreiche Menschen in Amsterdam offenbar nach demTod von George Floyd gegen Polizeigewalt und Rassismus demonstrieren. 

Übrigens: Die Stadt München ließ das Tragen eines „Judensterns“ bei Corona-Demos verbieten. Außerdem ist dort eine für kommenden Samstag geplante Corona-Demo auf der Theresienwiese kurzfristig abgesagt worden*. Generell sind jüngst weniger Menschen zu den Protesten erschienen, als zuvor erwartet wurde. Noch vor einigen Wochen war mitunter das Gegenteil der Fall. Daraufhin hat der Freistaat Bayern die Auflagen für Corona-Demos verschärft. Welche Regeln nun gelten, sehen Sie im nachfolgenden Video.

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cia mit dpa-Material

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