Mauerfall

Kohl, Bush und Gorbatschow gedenken Wiedervereinigung

- Bei der Festveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung „Mauerfall und Wiedervereinigung - Der Sieg der Freiheit“ in Berlin gedachten Horst Köhler, Helmut Kohl, George Bush senior und Michail Gorbatschow dem Mauerfall von 20 Jahren.

Bundespräsident Horst Köhler mahnte eine Stärkung der Vereinten Nationen an, denn „die großen Menschheitsaufgaben warten nämlich nicht“, sagte Köhler am Sonnabend in Berlin. Es müsse mehr Ehrgeiz entwickelt werden, die Vereinten Nationen zu stärken und effizienter zu machen. „Wir können die Erderwärmung nur begrenzen und den Kampf gegen Hunger und Armut nur gewinnen, wenn uns eine Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten gelingt.“

Der Bundespräsident konstatierte erheblichen Reformbedarf. Viele internationale Organisationen, so Köhler, steckten noch in den Strukturen der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg fest, „statt endlich dem Aufstieg der Nationen in Asien und Lateinamerika und der Bedeutung des afrikanischen Kontinents Rechnung zu tragen“.

Die Europäische Union sieht Köhler als Vorbild für eine neue Weltfriedensordnung. Nach einer langen Geschichte von „Irrtum und Gewalt“ habe Europa zu dauerhafter Versöhnung gefunden und verbinde wirtschaftliche Stärke mit sozialem Ausgleich und einem festen Kern unantastbarer Werte. „Wir sollten im Wettbewerb der Systeme selbstbewusst - ohne aufzutrumpfen - für unser Modell eintreten“, appellierte Köhler. Die EU-Mitgliedsstaaten könnten nun eine „gemeinsame Vision vom Auftrag unseres Kontinents im 21. Jahrhundert“ entwickeln.

Zur Erinnerung an den Mauerfall vor 20 Jahren dankte Köhler „im Namen der Deutschen“ den anwesenden ehemaligen Staatschefs Helmut Kohl, George Bush und Michail Gorbatschow. Die drei Männer, die alle den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen erlebt hätten, stünden exemplarisch für den Lernweg ihrer Völker. Den Mauerfall von 1989 bezeichnete Köhler als „geschichtliche Sternstunde“. „Ich betrachte es noch immer fast als ein Wunder, dass Deutschland nur noch von Partnern und Freunden umgeben ist“, sagte der Bundespräsident.

Alt-Bundeskanzler Kohl sagte mit Blick auf die Wendezeit: „Ich bin froh und ich bin dankbar, dass die Situation so gekommen ist. Das war nicht selbstverständlich.“ Viele hätten seinerzeit nicht mehr an die deutsche Einheit geglaubt. Nun könne er auf nichts so stolz sein wie auf die Einheit.

Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Thüringens früherer Ministerpräsident Bernhard Vogel, würdigte Kohl als Mann, „der die Gunst der Stunde nutzte, die Zeichen der Zeit erkannte, mutig das Heft des Handels in die Hand nahm und so zum Kanzler der Einheit wurde.“

Der frühere sowjetische Präsident Gorbatschow erinnerte an den langwierigen Prozess der Annäherung an Deutschland. Noch drei Monate vor dem Mauerfall habe er Kohl gegenüber die Wiedervereinigung als „Problem des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. „Wir müssen jetzt weitergehen“, mahnte er zugleich. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit seien nach der Wiedervereinigung bislang kaum genutzt.

Der frühere US-Präsident Bush senior hob hervor, dass die deutsche Wiedervereinigung zugleich das Ende des Kalten Krieges markiert habe. „Am Ende konnten die Hoffnungen der Menschen nicht weiter unterdrückt werden.“ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wohnte dem Festakt bei.

ddp

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