Finanzminister in der Kritik

Leben wie Gott in Griechenland

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Foto: „Dem Starsystem der Medien den Sauerstoff entziehen“: Yanis Varoufakis bleibt hinter seinen Ansprüchen zurück.

Athen - Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis entschuldigt sich für Hochglanzfotos aus seinem privaten Athener Penthouse. Die Aufnahmen, die in einem französischen Hochglanzmagazin erschienen sind, nagen am Image des Wirtschaftswissenschaftlers.

Seine Hemden flattern über der Hose, zur Arbeit fährt er mit dem Motorrad, fast täglich gibt der griechische Finanzminister Interviews in internationalen Medien. Yanis Varoufakis ist unbestritten der Popstar im Euro-Rettungszirkus. Nun jedoch kämpft der Finanzminister des Krisenlandes Griechenland mit seiner persönlichen kleinen Krise. Am Sonntag musste sich der 53-Jährige für eine reichlich pompös geratene Homestory im französischen Hochglanzmagazin „Paris Match“ entschuldigen, die seit Tagen in Griechenland, aber vor allem im Rest Europas, für viel Spott sorgt. Er wünschte, die Fotos hätte es nicht gegeben, sagte er.

Die Bilder zeigen den Linken-Politiker, der zur Zeit über die nächsten Kredittranchen für das pleitebedrohte Griechenland verhandelt, geschniegelt am heimischen Klavier. Varoufakis in Dolce-Vita-Pose auf seiner Dachterrasse unterhalb der Akropolis, Varoufakis lesend im schicken Altbau am Schreibtisch – in einem von ihm selbst verfassten Buch. Alles sehr gediegen. Die Krise jedenfalls hat das Penthouse des renommierten Wirtschaftswissenschaftlers offensichtlich noch nicht erreicht. Dementsprechend gehässig sind die Reaktionen. Bei Twitter spotteten griechische Nutzer unter dem Stichwort „Sparsames Leben“, ein Nutzer schrieb, an der Fotoserie können man das gesamte Problem Griechenlands gut studieren.

Homestorys sind für Politiker gefährlich. Im besten Fall vergrößern sie die emotionale Nähe zum Publikum. Gerade in düsteren Zeiten jedoch offenbaren derartige Fotos oft Widersprüche zwischen politischem Anspruch und privatem Tun. So ließ sich der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping 2001 mit Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati-Borggreve planschend im Pool ablichten – während die Bundeswehr vor einem Einsatz in Mazedonien stand. Es folgte das Karriereende.

So weit soll es bei Varoufakis noch nicht sein. Zwar gab es Kritik auch aus den Reihen der Linken, der Minister solle mehr arbeiten und weniger Interviews geben. Aus Athen hieß es gestern aber, Gerüchte über eine Ablösung seien „Wunschträume“. Varoufakis selbst sinnierte bereits in dem Text zu den Lifestyle-Fotos über das „Starsystem“ der Medienwelt, dem er misstraue und den Sauerstoff entziehen wolle. Das ist ihm mit den Fotos nicht gelungen.

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