Parteiinterner Machtkampf

Lucke verliert Rückhalt in der AfD

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AfD-Chef Bernd Lucke muss um sein Amt fürchten.

Berlin - Gegenwind aus den Landesverbänden: AfD-Chef Bernd Lucke muss um sein Amt fürchten. Jetzt hat Parteivize Olaf Henkel das Handtuch geworfen.

Der parteiinterne Machtkampf in der Alternative für Deutschland (AfD) spitzt sich immer mehr zu. Am Donnerstag ist der frühere Industriemanager Hans-Olaf Henkel aus Hamburg, der zu den Unterstützern des umstrittenen Parteichefs Bernd Lucke gehört, von seinem Amt als Vize-Vorsitzender der AfD zurückgetreten. Damit schwindet der Rückhalt für Lucke vor dem wichtigen Parteitag in Kassel Mitte Juni, bei dem er als erster Vorsitzender bestätigt werden will. Inzwischen gibt es Bestrebungen aus dem Lucke-Lager, diesen Parteitag zu verschieben. Das wollen Luckes Gegner offenbar verhindern.

Lucke, der wie Henkel Europaabgeordneter der AfD ist, will die Partei als Hort der Euro-Gegner profilieren, ansonsten aber ein wirtschaftsliberales Image prägen. Er befürwortet beispielsweise das Freihandelsabkommen mit den USA. Dagegen steht der „rechte Flügel“, in dem die Sieger der ostdeutschen Landtagswahlen vom vergangenen Jahr den Ton angeben - Frauke Petry aus Sachsen, Alexander Gauland aus Brandenburg und Björn Höcke aus Thüringen. Sie sind offen für eine Annäherung an konservative Politik-Kritiker, wie sie in der Pegida-Bewegung agieren. Lucke-Anhänger finden sich in den Landesverbänden Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Schleswig-Holstein, die meisten anderen Landesverbände haben sich von ihm abgewandt, so auch das mitgliederstarke Nordrhein-Westfalen um seinen Vorsitzenden Marcus Pretzell.

Vorstand in Hessen gestürzt

Weil Pretzell persönlich Ärger mit dem Finanzamt bekam und diese Vorgänge öffentlich wurden, gab das dem Lucke-Lager Anlass für heftige Kritik an ihm. Dies wiederum empfinden viele Lucke-Gegner als unangemessen und beklagen eine Verrohung der Sitten im innerparteilichen Umgang.

Inzwischen überschlagen sich in der Partei die Ereignisse. In Hessen wurde der Vorstand gestürzt, in NRW ist der für diesen Sonnabend geplante Parteitag abgesagt worden. Damit können auch keine Delegierten für einen Bundesparteitag benannt werden, was eine Terminverschiebung nahelegt. Die Niedersachsen, bisher Lucke-Freunde, gehen nun auch auf Distanz zum Vorsitzenden.

Wie die AfD Anfang Februar entschieden hat, sollen beim nächsten Bundesparteitag zwei Vorsitzende gewählt werden, eine Nummer eins und eine Nummer zwei. Die Nummer eins soll dann im Dezember zum alleinigen Vorsitzenden aufrücken. Im Februar galt als ausgemacht, dass Lucke der alleinige Kandidat für Nummer eins sein wird. Inzwischen wird spekuliert, dass einer aus dem Kreis der Lucke-Kritiker ihn herausfordert, womöglich die populäre Frauke Petry aus Sachsen oder der Brandenburger Alexander Gauland - beide sind Leitfiguren der Konservativen.

Zwischen Lucke und Gauland wird der Ton immer schärfer. Gauland beklagte sich, Lucke „spalte“ die Partei. Daraufhin hielt Lucke ihm entgegen, er selber betreibe einen solchen Bruch. Gauland wolle die AfD „entbürgerlichen“ und stoße moderaten Mitgliedern der Partei damit vor den Kopf.

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