Staatsbesuch in Partnerregion Tjumen

Ministerpräsident fliegt ins "russische Dubai"

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Foto: Für Stephan Weil ist es bereits die zweite Russlandreise in der laufenden Legislaturperiode: Im November 2013 besuchte er Moskau und St. Petersburg.

Hannover/Tjumen - Niedersachsens sibirische Partnerregion Tjumen gilt wegen ihre Öl- und Gasvorkommen als "russische Dubai". Ministerpräsident Stephan Weil will dort alte Kontakte auffrischen. Wegen der ungelösten Ukraine-Krise und der gegen Russland verhängten Sanktionen eine heikle Mission.

Ungeachtet der weiterhin ungelösten Krise in der Ukraine reist Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD)am Montag nach Russland. Ziel der viertägigen Reise sind Moskau und die die für ihre Erdöl- und Gasvorräte bekannte Partnerregion Tjumen in Westsibirien. "Gerade unter schwierigen politischenBedingungen ist es notwendig, die Kontakte zu vertiefen", erklärte Weil. Er wolle auch die in Deutschland bestehenden Sorgen wegen des Konflikts in der Ostukraine und den Belastungen der deutsch-russischen Beziehungen ansprechen. Zugleich wolle er aber auch aufmerksam der Haltung seiner russischen Gastgeber zuhören.

Weil ist nicht der erste Landeschef, der seit Beginn der Krise nach Russland reist. Ende Juni etwa war bereits Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Erwin Sellering (SPD) in St. Petersburg. Auch deutsche Spitzenpolitiker waren mehrfach in der Region. Nach Angaben der Staatskanzlei in Hannover stehen wirtschaftliche und politische Gespräche im Fokus der Reise. Am Montagabend steht nach der Ankunft in Moskau zunächst ein informelles Gespräch mit Vertretern des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens auf dem Programm, darunter dem Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow.

Gespräch mit Vertretern der niedersächsischen Wirtschaft geplant

Russland gilt wegen seines Modernisierungsbedarfs als strategisch wichtiger Markt für Niedersachsens Exportwirtschaft. Doch die vor einem Jahr gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen belasten das Geschäft und sorgen für Verunsicherung. Die Exporte knickten seit Jahresbeginn nach Angaben der Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags (NIHK) um rund ein Drittel ein. Dazu kommen die gesunkenen Ölpreise und die Schwäche der russischen Wirtschaft, die zu Nachfrageausfällen führen. Viele der vor Ort tätigen niedersächsischen Unternehmen fahren daher zwar das operative Geschäft herunter, ziehen sich aber nicht aus Russland zurück.

Weils Reise geht auf eine Einladung von Gouverneur Wladimir Jakuschew vom November 2013 zurück. Zuletzt war Christian Wulff im Jahr 2006 als niedersächsischer Ministerpräsident zu Gast in Tjumen, das mit Niedersachsen seit 1992 partnerschaftliche Beziehungen pflegt. Die relativ wohlhabende Provinz gilt als eine Art "russisches Dubai": 64 Prozent der Erdöl- und 91 Prozent der Erdgasvorkommen Russlands liegen nach offiziellen Angaben in einem Gebiet mit der vierfachen Fläche Deutschlands; sie machen im Gebiet Tjumen 84 Prozent der gesamten Industrieproduktion aus.

Für Weil ist es bereits die zweite Russlandreise in der laufenden Legislaturperiode: Im November 2013 besuchte er Moskau und St. Petersburg. In Tjumen will der SPD-Politiker am Mittwoch die Agrarfachschule Jalutorowsk besuchen und das dortige Ausbildungszentrum offiziell seiner Bestimmung übergeben, bevor er am Nachmittag an der Staatlichen Universität von Tjumen den deutschen Lesesaal eröffnet. Dabei sind auch Gespräche mit Studenten geplant.

Russland war bisher nach den USA und China die Nummer drei der außereuropäischen Handelspartner Niedersachsens. Beide Länder verbindet eine lange Beziehung. Rund 300 klein- und mittelständische Unternehmen aus Niedersachsen sind bereits vor Ort aktiv. Auch für Europas größten Autobauer VW ist Russland von großer Bedeutung: Gut 5000 Mitarbeiter sind im Werk in Kaluga beschäftigt.

dpa

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