Empörung im Plenum

„Mir auf den Arsch geguckt“: Nach Macho-Spruch im Landtag folgt Gegenschlag von Politikerin

SPD-Politikerin Nadine Julitz vor dem Schweriner Landtag.
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SPD-Politikerin Nadine Julitz vor dem Schweriner Landtag.

Im Schweriner Landtag entbrannte nach einem Sexismus-Spruch im Plenum eine Sexismus-Debatte. SPD-Politikerin Nadine Julitz erteilte der AfD  eine „Lehrstunde“.

  • Bei einer Landtagssitzung in Mecklenburg-Vorpommern kommentiert ein AfD-Mann das Kleid der SPD-Abgeordneten Nadine Julitz, als diese zum Rednerpult geht. 
  • Die Antwort der SPD-Frau passt den AfD-Kollegen offenbar nicht. 
  • In Schwerin ist eine Sexismusdebatte entbrannt.

Schwerin - Im Landtag in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Sexismus-Debatte entbrannt. Im Zentrum steht die Frage, wann ein Kompliment kein Kompliment mehr ist, sondern Sexismus.  

„Na, das Kleid ist aber ganz schön knapp“, kommentierte ein AfD-Abgeordneter auf einer Landtagssitzung im Mai, als die SPD-Abgeordnete Nadine Julitz zum Rednerpult ging. Julitz wiederholte den Satz am Pult - Wochen später schwelt deshalb ein Konflikt auf, im Schweriner Landtag: Ein weiterer AfD-Mann hält Julitz‘ Reaktion für unangemessen. Aufgrund von Gender und Feminismus seien nicht einmal mehr Komplimente möglich, so Thomas de Jesus Fernandes. Das berichtet das SPD-Magazin vorwärts. Was folgt, ist eine Rede, die die SPD-Politikerin selbst auf Twitter als „Lehrstunde für die AfD“ bezeichnet. 

Mecklenburg-Vorpommern: Nadine Julitz (SPD) stellt sich nach AfD-Kommentaren einer Sexismus-Debatte

Sie werde den Kollegen Schneider und de Jesus Fernandes den „Unterschied zwischen einem Kompliment und Sexismus erklären“, beginnt Julitz ihre Ansprache. In dem Moment, in dem der Satz über das knappe Kleid gefallen sei, „haben alle, die es verstanden haben, mir auf den Arsch geguckt“, greift Julitz in ihrer Rede zu drastischen Worten. Das sei kein Kompliment mehr, das sei Sexismus. Julitz erntet spontanen Applaus - die Rede, die sie in den Sozialen Netzwerken teilt, geht viral.

In mehr als zweihundert Zuschriften reagieren etwa Twitter-Nutzer. Ein Großteil der Kommentare sind Komplimente - aber nicht nur. „Wo soll da auch das Kompliment stecken?? Gut, dass Sie es nochmal angesprochen haben“, schreibt etwa eine Nutzerin, andere schreiben „Stark!“, „Genau richtig gehandelt“. „Danke, auch im Namen meiner Tochter“, schreibt ein Nutzer. 

Doch es gibt auch Kritik. Ob der Landtag sich auch noch mit Inhalten befasse und nicht nur mit persönlichen Befindlichkeiten, fragt etwa ein Nutzer. Ein andere möchte gerne das Kleid sehen, von dem die Rede ist. Wieder ein anderer schreibt, Die AfD-Männer machten die Frau klein, und merkten es nicht. Sie sei so aufgeregt gewesen. 

Und aufgeregt war Julitz wohl: „Die Reaktion war vollkommen spontan und auch mit einer Portion Wut im Bauch.“ Sie bekomme viel Zuspruch, sagt Julitz in einem Interview zu dem Vorfall im vorwärts. Dennoch sei es ihr fast schon unangenehm, dass sich die Debatte jetzt an ihrer Erfahrung entfache. Sie werde für ihren „Mut gelobt, was ich fast schon etwas beschämend finde. Es geht ja eigentlich nicht um meinen Hintern. Ich bin nur ein Stellvertreterbeispiel dafür, was leider in Deutschland tägliche Realität ist.“

Schwerin: Sexismus-Debatte im Landtag - „Das war eine Unverschämtheit“

Unterstützung erhält Julitz auch von anderen Politikerinnen. So erklärt die Vorsitzende der Linksfraktion, Simone Oldenburg, gegenüber dem Nordkurier, dass Sexismus nicht geduldet werden dürfe. „Sexismus hat im Parlament, am Arbeitsplatz, im Alltag und nirgendwo etwas verloren.“ Und allein die Betroffenen entschieden darüber, „ob sie eine Bemerkung als Kompliment auffassen oder ob es ein vergiftetes Kompliment oder gar eine sexuelle Belästigung für sie ist.“ Auch Christel Weißig, fraktionslose Abgeordnete, erinnert sich an den Kommentar des AfD-Mannes: „Das war eine Unverschämtheit.“

Sexismus-Eklat im Schweriner Landtag: Nadine Julitz (SPD) legt sich mit der AfD an

Die AfD stehe nicht für ein progressives Frauenbild, ärgert sich Julitz. „Die AfD verstärkt und befördert das bestehende Frauen- und Familienbild von manchen auf jeden Fall, gerade indem sie suggeriert, mit Kritik wie ich sie geäußert habe, würde man Männern etwas unterstellen, obwohl sie doch eigentlich nur nett sein wollen.“

De Jesus Fernandes habe nach der Landtagssitzung ein Facebook-Profilbild von Julitz mit einem sabbernden Smiley kommentiert und den Worten: „Das ist aber ein schönes Outfit“. Den Beitrag habe der AfD-Mann inzwischen aber wieder gelöscht. 

Auch in Bayern lodert aktuell eine Sexismus-Debatte. Grund ist ein Bierzelt-Hit in dem offenbar Vergewaltigung verharmlost wird*. 

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