Ankunft in Braunschweig

Niedersachsen begrüßt Hunderte Ungarn-Flüchtlinge

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Flüchtlinge in Frankfurt am Main.

- Nach einer tagelangen Odyssee haben rund 900 Flüchtlinge am Sonntag Niedersachsen erreicht. Sie waren über Ungarn nach Bayern geflüchtet. Die meisten finden im Wendland eine vorläufige Bleibe – in einem Gebäude, das früher Polizisten bei Castor-Transporten beherbergte.

- Weiterreise gelungen: Am Sonnabend kamen Tausende Flüchtlinge aus Ungarn in Deutschland an. Jetzt sind 900 nach Niedersachsen weitergereist.

- Empfang mit offenen Armen: Bürger begrüßen die Flüchtlinge an Bahnhöfen mit Geschenken und Applaus.

- Länder und Kommunen arbeiten mit Hochdruck an angemessener Verteilung und Unterbringung.

München/Budapest/Luxemburg. Ein riesiger Flüchtlingszug hat sich am Wochenende in Richtung Westen bewegt. Dank einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel initiierten Ausnahmeregelung sind von Sonnabend auf Sonntag weit mehr als 10.000 Menschen aus Ungarn über Österreich nach Deutschland gekommen – bis zum späten Sonntagabend wurden insgesamt mehr als 20 000 Menschen erwartet. Sie hatten zuvor zum Teil tagelang in Ungarn festgesessen.

Züge, darunter auch viele Sonderzüge, brachten sie nach Deutschland – das wichtigste Anlaufziel war der Hauptbahnhof in München. Hunderte Bürger empfingen die Flüchtlinge dort und andernorts mit Applaus.

In Braunschweig trafen am Sonntagmorgen 877 Flüchtlinge aus Ungarn ein – Niedersachsen hatte mit dem Bund die zusätzliche Aufnahme von 700 Menschen vereinbart, am Ende hatten sich noch mehr in den Zug gedrängt. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der erst am Sonnabend eine Flüchtlingsunterkunft in Hannover-Bothfeld besucht hatte, begrüßte die Menschen auf dem Hauptbahnhof in Braunschweig. Sie hätten ihm „von furchtbaren Erlebnissen in ihrer Heimat und auf der Flucht berichtet“, sagte Weil der HAZ. „Diesen Menschen muss man helfen. In Niedersachsen arbeiten wir mit Hochdruck an weiteren Aufnahmeeinrichtungen, denn ein Ende dieser Flüchtlingsnot ist derzeit nicht in Sicht“, sagte Weil weiter. Zugleich sei eine Unterstützung der Kommunen vordringlich, was derzeit Gegenstand intensiver Verhandlungen sei.

Unterbringung in Castor-Kaserne

Willkommen in Niedersachsen: Anwohner haben Absperrungen mit Luftballons dekoriert, andere halten Schilder mit der Aufschrift „Refugees welcome“ in die Höhe – rund 500 Flüchtlinge haben am Sonntagmittag im Wendland in einem Gebäude Aufnahme gefunden, das früher für die Unterbringung von Polizisten bei Castor-Transporten genutzt wurde. Die ehemalige Kaserne wurde in Rekordzeit hergerichtet – nach der Benachrichtigung am Sonnabendmorgen benötigten die vielen ehrenamtlichen Helfer dafür nur 18 Stunden. „Das ist einfach großartig, was die Hilfs- und Rettungsorganisationen hier auf die Beine gestellt haben“ , sagte der Sprecher der Zentralen Polizeidirektion Hannover (ZPD), Karsten Wolff.

In Hannover wurden 60 der neu angekommenen Flüchtlinge in der Sporthalle der ZPD untergebracht. Etwa 135 Menschen finden in der Landesaufnahmestelle in Braunschweig Platz, rund 110 sollen nach Hameln. Unter den Flüchtlingen waren auch rund 70 unbegleitete Minderjährige, die jetzt vom Jugendamt in Braunschweig betreut werden.

Niedersachsen hatte in den vergangenen Tagen rund 2000 zusätzliche Plätze für Flüchtlinge geschaffen, um die Erstaufnahmeeinrichtungen zu entlasten. Die CDU kritisierte auf ihrem Parteitag in Osnabrück, die Unterbringungsbedingungen in den niedersächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen seien „katastrophal“ und nicht menschenwürdig.

Applaus für die Ankommenden

Bereit am Sonnabend waren tausende Flüchtlinge am Münchener Hauptbahnhof angekommen. Dortwurden sieohne lange Wartezeiten in Empfang genommen. Helfer versorgen sie mit allem Notwendigen.Viele der Einsatzkräfte klatschen, als die Züge einfahren.

Ähnlich zeigte sich die Situation in Hamburg. Etwa 175 geflüchtete Menschen kamen am späten Samstagabend mit einem Zug am Bahnhof in Hamburg-Harburg an. Sie wurden in die dortige Erstaufnahmeeinrichtung gebracht. Etwa 500 bis 700 Ehrenamtliche nahmen die Menschen am Bahnhof in Empfang. Sie brachten zahlreiche Spenden mit - Wasserflaschen, Obst und Kleidung - und klatschten, als die Neuankömmlinge aus dem Zug stiegen. Unter den Flüchtlingen waren zahlreiche Familien mit kleinen Kindern. Am Sonntagmorgen traf zudem ein ICE aus Süddeutschland mit etwa 120 weiteren Flüchtlingen in Hamburg ein. In Hamburg-Harburg seien nur 15 von ihnen ausgestiegen, berichtete der Behördensprecher. Die anderen fuhren bis zum Hamburger Hauptbahnhof, um von dort aus weiterzukommen: "Sie möchten nach Dänemark und Schweden."

Verteilung stellt Bund vor große Aufgabe

Die Regierung wollte nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) ein Programm auf den Weg bringen, das allen Flüchtlingen in Deutschland vor Einbruch des Winters ein festes Dach über dem Kopf garantieren soll. Die Gesamtkosten für die Betreuung der Flüchtlinge sollen sich auf rund 10 Milliarden Euro in diesem Jahr belaufen.

Wie geht es für die Flüchtlinge jetzt weiter? Mehr zur Verteilung und Unterbringung der Flüchtlinge lesen Sie hier.

dpa/ran

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