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Nord Stream 1: Wie sehr schadet der Gas-Lieferstopp Russland?

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Von: Tanja Koch

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Nord Stream 1
In der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin kommt nun gar kein Gas mehr aus Russland an. © Stefan Sauer/dpa

Fallen die Gas-Exporte weg, die Russland durch Nord Stream 1 nach Europa verkauft, sinken die Einnahmen des Landes. Wie sehr trifft dies die Wirtschaft?

Moskau – Russlands Staatskonzern Gazprom hat die bereits stark gedrosselten Gaslieferungen über Nord Stream 1 ganz eingestellt. Der Grund seien technische Probleme, die angeblich aufgrund der Sanktionen nicht zu beheben seien. „Wir wissen nicht, wie die Reparaturarbeiten durchgeführt werden sollen, weil die Sanktionen dies verhindern“, zitiert das ZDF Kremlsprecher Dimitri Peskow. Die Speicher für den kommenden Winter sind zwar gut gefüllt, darüber hinaus hat der Lieferstopp für Deutschland und Europa allerdings schwere Folgen.

Doch es stellt sich die Frage, ob Russland, wenn es kein Gas mehr exportiert, nicht auch selbst unter dem Nord-Stream-1-Stopp leidet. Tatsächlich macht das Pipeline-Gas nach Europa nur einen relativ geringen Anteil von Russlands Exporteinnahmen aus. Zahlen der russischen Zentralbank zeigen laut Reuters, dass der Anteil bei etwa einem Zehntel liegt. Mehr Einnahmen gehen auf den Export von Rohöl und Rohöl-Produkten: 2021 waren es mit 180 Milliarden etwa ein Drittel aller Exporterlöse und damit dreimal so viel wie Pipeline-Gas.

Hohe Gaspreise durch Ukraine-Krieg haben Russland in günstige Position gebracht

Auf Gas entfielen 2021 54 Milliarden Dollar. Doch die stark gestiegenen Energiepreise haben Russland in diesem Zusammenhang einen enormen Vorteil verschafft.

Erdöl der Nordseesorte Brent kostete Anfang Juni fast 70 Prozent mehr auf dem Weltmarkt als ein Jahr zuvor. Die Gaspreise am Handelspunkt TTF, der für Europa besonders relevant ist, stiegen seit 2021 um knapp 400 Prozent je Megawattstunde. Während die Absätze nach Europa sanken, stiegen jene nach China und Indien, sodass China beim Import von Öl, Erdgas und Kohle aus Russland inzwischen vor Deutschland auf Platz 1 liegt.

Russland musste während Ukraine-Krieg keine Einnahmen-Rückgänge hinnehmen

Anfang Juni stellte das „Center for Research on Energy and Clean Air“ (CREA) aus Finnland in einer Studie fest, dass Russland in den ersten 100 Tagen des Ukraine-Krieges keine Einnahmen-Rückgänge beim Export von Erdöl, Erdgas und Kohle hinnehmen musste, die Einnahmen gar um 930 Millionen Euro pro Tag stiegen gegenüber dem Vorjahr. Im ersten halben Jahr des Ukraine-Kriegs lagen die Einnahmen durch den Export fossiler Energieträger schließlich bei 158 Milliarden Euro, wie das CREA am Dienstag (6. September) erklärte.

Schon Anfang Juni hatte der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, auf diesen für Russland positiven Trend aufmerksam gemacht: „Russland hat die derzeitige Energiekrise bereits ausgenutzt, um enorme zusätzliche Geldsummen einzunehmen.“ Er warnte zudem, dass Wladimir Putin damit in einer guten Position ist, um auf die Einnahmen aus den Gas-Pipelines zu verzichten und so Druck zu machen. Dies ist nun wohl eingetreten. (tk mit dpa)

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