Afghanistan

Oberbefehlshaber der US-Truppen fordert Strategiewechsel

- Der Oberbefehlshaber der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, hat einen Strategiewechsel für den Einsatz am Hindukusch gefordert. Nötig seien auch mehr Entschlossenheit und eine bessere Koordination, erklärte McChrystal.

„Die Lage in Afghanistan ist ernst, doch ein Erfolg ist zu schaffen“, erklärte McChrystal. Die Einschätzungen des Oberbefehlshabers, der seinen Posten Mitte Juni antrat, zur derzeitigen Lage in dem Land am Hindukusch waren mit Spannung erwartet worden. McChrystal legte den Bericht dem US-Regionalkommandeur für Afghanistan und den Irak, General David Petraeus, zur Stellungnahme vor. Später soll er an das Pentagon und die NATO-Führung weitergeleitet werden.

Ein Sprecher der NATO-Truppe ISAF widersprach Medienberichten, denenzufolge in dem Bericht zusätzliche Soldaten für Afghanistan angemahnt werden. Es gilt aber dennoch als wahrscheinlich, dass die USA bald auf eine Truppenverstärkung dringen werden. Führende US-Militärs hatten dem US-Sondergesandten für die Region, Richard Holbrooke, vor kurzem gesagt, die Zahl der Soldaten in Afghanistan sei nicht ausreichend. US-Präsident Barack Obama hat bereits die Entsendung zusätzlicher 21.000 US-Soldaten nach Afghanistan angeordnet, derzeit sind in dem Land etwa 62.000 US-Soldaten im Einsatz.

Am Montag wurden bei zwei Bombenanschlägen im Süden Afghanistans zwei US-Soldaten der ISAF getötet. Die Anschläge auf die Fahrzeuge der Soldaten hätten sich an zwei unterschiedlichen Orten ereignet, teilte die NATO mit ohne Einzelheiten zu nennen. 2009 ist für die ausländischen Truppen das blutigste Jahr seit dem Sturz der Taliban vor acht Jahren. In den ersten acht Monaten wurden nach Angaben der unabhängigen Internetseite icasualties.org mehr als 300 ausländische Soldaten in Afghanistan getötet, im ganzen Jahr 2008 waren es 294 Soldaten.

Nach den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan liegt weiter Amtsinhaber Karsai in Führung. Nach den am Montag von der afghanischen Wahlkommission veröffentlichten Teilergebnissen erreichte er 45,9 Prozent der ausgezählten Stimmen. Sein schärfster Konkurrent, der ehemalige Außenminister Abdullah Abdullah, erreichte demnach 33,3 Prozent. Allerdings sind die Zahlen wenig aussagekräftig, denn sie basieren auf der Auszählung der Stimmen in knapp 48 Prozent der Wahllokale. Der Vorsprung Karsais ging im Vergleich zu den am Samstag veröffentlichten Teilergebnissen leicht zurück.

Zwischen Donnerstag und kommenden Montag sollten die vorläufigen Endergebnisse aus sämtlichen Wahllokalen verkündet werden. Wegen der zahlreichen Beschwerden über mutmaßlichen Wahlbetrug könnten sich die Resultate jedoch noch ändern, erklärte die Wahlkommission. Das amtliche Endergebnis wird zwischen dem 17. und 21. September erwartet.

Der Beschwerdekommission lagen nach Angaben vom Montag 2564 Eingaben wegen mutmaßlichen Betrugs seit Beginn des Wahlkampfs in Afghanistan Mitte Juni vor, 2097 davon bezögen sich auf die Zeit seit dem Wahltag. „Wir haben 691 dieser Beschwerden oberste Priorität gegeben“, sagte der Sprecher des Gremiums. Vor der Überprüfung dieser besonders schwerwiegenden Vorwürfe kann das Wahlergebnis von der Beschwerdekommission nicht bestätigt werden.

afp

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