Italien

Oberster Gerichtshof spricht Amanda Knox frei

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Rom - Erleichterung bei Amanda Knox: Der oberste Gerichtshof Italiens hat Amanda Knox freigesprochen. Auch ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito wurde freigesprochen. Beide standen im Verdacht, die britische Ausstauschstudentin Meredith Kercher im November 2007 umgebracht zu haben.

Der Oberste Gerichtshof Italiens hat die ehemalige US-Studentin Amanda Knox vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Das Kassationsgericht hob am Freitagabend auch die Verurteilung ihres Ex-Freundes Raffaele Sollecito auf. Damit zogen die Richter nach mehr als sieben Jahren einen Schlussstrich unter das spektakuläre Justizdrama um die Ermordung der britischen Studentin Meredith Kercher. Knox und Sollecito äußerte sich erleichtert, die Mutter des Opfers reagierte "schockiert".

"Ich bin unglaublich erleichtert und dankbar für die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs", ließ die in den USA lebende Knox unmittelbar nach ihrem Freispruch in einer Erklärung mitteilen. Sie dankte all ihren Unterstützern. Der Anwalt der 27-Jährigen lobte die "mutige Entscheidung" der Richter. Das Urteil habe seine "kühnsten Erwartungen übertroffen", sagte Luciano Girgha. Sollecito, der bei der Verhandlung am Freitagmorgen im Gerichtssaal saß, erfuhr in seiner Heimatstadt Puglia von dem Urteil. "Endlich kann ich mein Leben weiterführen", sagte der 31-Jährige. Er könne es kaum fassen, dass der Fall nun endgültig zu den Akten gelegt werde. Die Mutter des Opfers zeigte kein Verständnis für die Entscheidung des Gerichts. "Ich bin ein wenig überrascht und sehr schockiert", sagte Arline Kercher. "Sie wurden zwei Mal verurteilt, daher ist es ein wenig seltsam, dass sich dies jetzt geändert haben soll."

Das Kassationsgericht befasste sich seit Mittwoch mit den Urteilen. Nach den Abschlussplädoyers zogen sich die Richter am Freitagnachmittag zu stundenlangen Beratungen zurück. Die Ermordung der britischen Studentin hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die 21-jährige Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung in Perugia entdeckt worden, die sie sich mit Knox teilte. Ihre Leiche wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war vergewaltigt worden.

In einem ersten Prozess sprach ein Gericht in Perugia Knox und Sollecito des Mordes schuldig, sie wurden zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht sprach die beiden jedoch 2011 nach vier Jahren Haft frei, woraufhin Knox umgehend in die USA zurückkehrte. Ein neuer Prozess in Florenz wiederum wurde 2013 vom obersten italienischen Berufungsgericht angeordnet, das Unzulänglichkeiten im Berufungsverfahren sah. Im Januar 2014 dann wurde Knox erneut des Mordes schuldig gesprochen und in Abwesenheit zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Gegen Sollecito wurde eine 25-jährige Freiheitsstrafe verhängt. Knox und Sollecito betonten stets ihre Unschuld. Sie argumentieren, der Tatort sei verunreinigt worden, jegliche dort gefundene DNA dürfe nicht im Prozess verwendet werden. Allerdings gab es in dem international beachteten Fall immer wieder Widersprüche. So gab Knox bei einer Polizeibefragung an, sie sei in der Wohnung gewesen und habe die Tat gehört, sei aber nicht daran beteiligt gewesen. Später zog sie die Aussage zurück. Wegen der Tat verbüßt der Drogendealer Rudy Guédé aus der Elfenbeinküste eine 16-jährige Haftstrafe. Seine DNA wurde am Tatort gefunden.

dpa

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