Umfrage unter Deutschen

Papst Franziskus ist beliebter als Benedikt

+
Demutsgeste: Franziskus wäscht die Füße von Inhaftierten.Foto: afp

Rom - 75 Prozent der Deutschen sind laut einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends mit der Amtsführung von Papst Franziskus zufrieden. Das sind deutlich mehr als bei seinem Vorgänger, dem deutschen Papst Benedikt XVI.

Rom. Es waren Bilder so ganz nach dem Geschmack der Deutschen. Sie zeigen all die Eigenschaften und Werte besonders deutlich, die sie am Oberhaupt der katholischen Kirche schätzen: Bescheidenheit, Demut, die Nähe zu den Armen und Ausgestoßenen. Bei der traditionellen Abendmahlmesse in einem römischen Gefängnis hat Papst Franziskus am Gründonnerstag zwölf Häftlingen die Füße gewaschen. In der bewegenden Zeremonie, mit der an die Demutsgeste Jesu beim letzten Abendmahl erinnert wird, küsste der Papst kniend und ohne Kopfbedeckung auch die Füße der Menschen.

Die sechs Männer und sechs Frauen stammten aus Italien, dem Kongo, ­Nigeria, Ecuador und Brasilien. Auch dem Kind einer der Frauen wusch der Pontifex spontan die Füße. „Wenn Jesus uns die Füße wäscht, dann wäscht er unseren gesamten Leib, alles von uns“, sagte er in einer kurzen Ansprache. Nach seiner Ankunft in Roms größtem Gefängnis Rebibbia begrüßte der Papst Hunderte Häftlinge persönlich, schüttelte Hände und umarmte die Menschen. Immer wieder gab es Applaus für den 78-Jährigen, der sich bei den Menschen für den herzlichen Empfang bedankte.

Der Beifall für solche Aktionen ist Franziskus auch hierzulande sicher. Rund zwei Jahre nach seinem Amtsantritt erfreut sich der aus Argentinien stammende Papst gerade in Deutschland bemerkenswert großer Beliebtheit. Stolze 75 Prozent der Deutschen sind laut einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends mit seiner Amtsführung zufrieden. Das sind deutlich mehr als bei seinem Vorgänger, dem deutschen Papst Benedikt XVI., der zuletzt nur auf einen Wert von 52 Prozent kam.

Dabei hatte Franziskus zuletzt auch mit missverständlichen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht. Seine Toleranz gegenüber einem „würdevollen“ Schlag gegen das eigene Kind oder auch sein sehr direktes Plädoyer für Zurückhaltung bei der Fortpflanzung (nicht „wie die Kaninchen sein“) haben hier manchen irritiert. Die Begeisterung für Franziskus hat das aber offenbar nicht geschmälert, eher im Gegenteil: Bei den Katholiken sind sogar 88 Prozent mit ihm zufrieden. Nur 6 Prozent hadern damit, wie ihr Oberhaupt sein Amt ausfüllt.

Die Fußwaschung bei den Inhaftierten ist wohl einer der Gründe, warum die Deutschen Franziskus mehr Zuneigung entgegenbringen als Päpsten vor ihm. Vor zwei Jahren hatte Franziskus nach seiner Wahl mit dem Brauch seiner Vorgänger gebrochen, Priestern die Füße zu waschen. An der Messe nahmen etwa 300 Häftlinge teil. Der Chor der Gefängnisinsassen sang die traditionelle Messfeier. Franziskus war nach Papst Johannes Paul II., der 1983 in ­Rebibbia seinen Attentäter Ali Agca traf, und Papst Benedikt XVI. 2011 der dritte Pontifex, der das Gefängnis besuchte.

Am Karfreitag erinnerte Franziskus an die Leiden Christi, Höhepunkt war am Abend der Kreuzweg am Kolosseum mit Tausenden Pilgern. Bereits am Donnerstag hatte Franziskus in seiner Predigt aber wieder einen jener Sätze gesagt, für die man ihn in Deutschland liebt: „Wenn Jesus mitten unter uns die Herde weidet, dann können wir keine jammernden Hirten mit saurem Gesicht sein und auch nicht - was noch schlimmer ist - gelangweilte Hirten.“ Die Frage ist allerdings, ob er damit auch in der Priesterschaft auf großes Gehör stößt. Denn bei aller Begeisterung: Nur 28 Prozent der Deutschen sind der Auffassung, dass Franziskus die Kirche in den nächsten Jahren stark verändern wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare