Trauer um insgesamt 17 Opfer

Paris bereitet sich auf Solidaritätsmarsch vor

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Foto: „Paris est Charlie“ – „Paris ist Charlie“. Paris bereitet sich auf einen großen Solidaritätsmarsch vor.

Paris - Frankreich sucht mögliche Unterstützer der Terroristen, die das Land tagelang in Angst und Schrecken versetzten. Aus Protest gegen die Welle der Gewalt gehen die Menschen zu Zehntausenden auf die Straße. Paris bereitet sich auf einen großen Solidaritätsmarsch am Sonntag vor.

Nach dem dramatischen Ende der Anti-Terror-Einsätze in Frankreich suchen die Ermittler unter Hochdruck mögliche Unterstützer der islamistischen Gewalttäter. Intensiv gefahndet wurde nach der weiter flüchtigen Lebensgefährtin eines der getöteten Terroristen. Auch nach dem Tod der drei Männer galt am Sonnabend die höchste Alarmstufe. Staatspräsident François Hollande rief erneut Minister und Sicherheitsdienste zu einer Krisensitzung zusammen. Gegen die Welle der terroristischen Gewalt gingen am Samstag in zahlreichen Städten Zehntausende auf die Straße.

Solidaritätsmarsch am Sonntag

Mit einer machtvollen Demonstration gegen religiös motivierten Terrorismus wollen Politiker aus aller Welt sowie Hunderttausende Bürger in Paris ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Anschlagswelle setzen. Etwa 40 Staats- und Regierungschefs, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, wurden auf Einladung des französischen Staatspräsidenten François Hollande zu der beispiellosen Großkundgebung an diesem Sonntag erwartet.

Abwehrmaßnahmen und Warnungen gegen Anschläge blieben unverändert auf der höchsten Stufe, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve. Weitere spezielle Maßnahmen gegen den Terror seien für die kommenden Wochen geplant. Die Demonstration am Sonntag solle so geschützt werden, so dass eine Veranstaltung in Gedenken und Respekt gewährleistet sei, versicherten Cazeneuve und Premier Manuel Valls.

Mit dem Schweigemarsch soll der insgesamt 17 Opfer islamistischer Terrorakte seit Mittwoch gedacht werden. Sie starben beim Anschlag auf das Satiremagazin"Charlie Hebdo", einer Schießerei im Süden von Paris sowie zwei am Freitag mit einem Doppelschlag der Polizei beendeten Geiselnahmen.

Unterdessen drohte die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) Frankreich mit weiteren Anschlägen. Es werde neue Angriffe geben, sollte das Land nicht damit aufhören, den Islam, seine Symbole und die Muslime zu „bekämpfen“, zitiert die Dschihad-Beobachtungsplattform Site. Sie berief sich auf eine per Video verbreitete Rede von Harith bin Ghasi al-Nadhari, einem der wichtigsten Glaubenshüter der Gruppe.

Die beiden Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34), die am Mittwoch in der „Charlie-Hebdo“-Redaktion ein Blutbad mit zwölf Toten angerichtet hatten, riefen dabei „Allah ist groß“ und „Wir haben den Propheten gerächt“. Sie behaupteten, zur Terror-Organisation Al-Kaida zu gehören. Chérif Kouachi hatte sich nach Erkenntnissen der Ermittler 2011 im Jemen aufgehalten.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drohte mit einer größeren Terrorkampagne und weiteren Angriffen in Europa und den USA. „Wir haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung übernehmen“, sagte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari nach Angaben von Anwesenden beim Freitagsgebet in einer Moschee der nordirakischen Stadt Mossul. „Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein.“ Einen Zusammenhang mit IS behauptete auch Amedy Coulibaly, einer der am Freitag getöteten Terrorverdächtigen.

Die Polizei jagte derweil auch am Sonnabend die weiterhin flüchtige Freundin von Coulibaly (32). Die 26-jährige Frau wird im Zusammenhang mit der Schießerei vom Donnerstag im Süden von Paris gesucht, bei der eine Polizistin starb. Dafür wird Coulibaly verantwortlich gemacht, der später Geiseln in einem Geschäft im Osten der Hauptstadt nahm. Vier Geiseln kamen dabei ums Leben.

Spezialeinheiten hatten am Freitag in Dammartin-en-Goële etwa 40 Kilometer nordöstlich von Paris Chérif (32) und Said Kouachi (34) erschossen, die hinter dem „Charlie-Hebdo“-Anschlag stecken sollen. Fast zeitgleich beendeten sie die Geiselnahme im Pariser Osten.

Die drei Attentäter hatten sich nach einem Bericht des französischen Fernsehsenders BFMTV bei ihren Taten eng abgestimmt. In einem Gespräch sagte Coulibaly, er habe sich mit den Brüdern Kouachi abgesprochen. Die beiden sollten das Satireblatt angreifen, er selbst wollte Polizisten ins Visier nehmen. Coulibaly sagte auch, er habe Instruktionen der Terrormiliz IS bekommen. Die Fahnder wollen herausfinden, woher die Waffen der Terroristen stammten und ob die Männer Anweisungen erhielten, „aus Frankreich, dem Ausland oder dem Jemen“, so der Staatsanwalt von Paris, François Molins.

In der neu aufgeflammten deutschen Debatte über die innere Sicherheit mahnte Kanzlerin Merkel bessere internationale Zusammenarbeit der Geheimdienste an. Der Austausch von Informationen müsse auch europaweit ausgebaut werden, machte Merkel am Samstag in Hamburg deutlich. Dazu gehöre ein erweiterter Austausch der Fluggastdaten weltweit. Nach Merkels Darstellung funktioniert das Sicherheitssystem in Deutschland. Es müsse jedoch fortwährend angepasst werden.

Laut Innenminister de Maizière (CDU) hat Deutschland nach den Anschlägen die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. „Wir sind in engem Kontakt mit den Ländern und haben einen Plan für solche Fälle, den haben wir hochgefahren“, sagte er am Freitagabend, ohne Einzelheiten zu nennen. Zur Einschätzung der Lage in Deutschland sagte de Maizière dem „Spiegel“: „Unsere Gelassenheit ist die eines Landes, das insoweit noch nicht fundamental auf die Probe gestellt wurde.“

Von Gerd Roth und Christian Böhmer/dpa

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