Debatten am Wochenende

Parteien streiten über Verhältnis zum Islam

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Foto: „Der Islam ist den meisten, ich würde sagen, fast allen Deutschen fremd - diese Fremdheit kann man nicht wegreden“, sagte Bernd Lucke bei einem Landesparteitag der AfD im nordrhein-westfälischen Kamen.

Berlin - Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Die Union findet in dieser Frage keine einheitliche Linie. Und das Thema Burka-Verbot bleibt ebenfalls umstritten. Aufmerksamkeit erregte AfD-Chef Lucke, der behauptete, der Islam sei den meisten Deutschen fremd.

Die Parteien streiten über den Umgang mit dem Islam und dessen Stellung in Deutschland. Bundestagspräsident Norbert Lammert heizte die Debatte am Wochenende mit der Forderung neu an, Imame sollten hierzulande in Moscheen Deutsch sprechen. „Dass jemand, der in Deutschland tätig ist, auch Deutsch spricht, halte ich für eine schiere Selbstverständlichkeit, sagte der CDU-Politiker der „Welt“ (Samstag) „Das sollte auch für Imame gelten.“

Von Grünen-Chef Cem Özdemir kam umgehend Widerspruch. In welcher Sprache gepredigt werde, solle „den Religionsgemeinschaften überlassen bleiben“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Entscheidend sei nicht die Sprache der Predigt, sondern deren Inhalt. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt bezeichnete es als „wünschenswert“, dass in der Moschee Deutsch gesprochen werde. Von Verboten halte sie allerdings nichts. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn unterstützten hingegen Lammerts Position.

Den Satz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach der Islam zu Deutschland gehört, machte sich Lammert nicht zu eigen. „Der Islam gehört inzwischen zu den Religionen, die in Deutschland erhebliche Verbreitung finden“, sagte er. „Und ich würde mir wünschen, man könnte von dieser großen Weltreligion sagen, dass sie ein ähnlich aufgeklärtes Verhältnis zwischen Politik und Glauben, Staat und Religion gefunden hat wie Christentum und Judentum. Diese beiden Religionsgemeinschaften sind für Geschichte und Kultur unseres Landes zweifellos prägend.“

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag), zum Islam gehörten auch extremistische Strömungen, die bereit seien, gegen Nicht- und Andersgläubige Gewalt einzusetzen, eine Gleichberechtigung von Mann und Frau ablehnten sowie antisemitisch und homophob seien. „Muslime, die unsere Grundordnung eines aufgeklärten Landes teilen, die gehören zu Deutschland, aber nicht fundamentalistisch-extremistische Ausprägungen des Islam.“

Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke sagte am Sonntag bei einem Landesparteitag im nordrhein-westfälischen Kamen: „Der Islam ist den meisten, ich würde sagen, fast allen Deutschen fremd - diese Fremdheit kann man nicht wegreden.“

Klöckner bekräftigte ihre Forderung nach einem Burka-Verbot:„Vollverschleierung ist kein Ausdruck religiöser, kultureller Vielfalt.“ Die Burka stehe für ein abwertendes Frauenbild und für die Unterdrückung der Frauen. Dagegen lehnte Lammert ein Burka-Verbot ab. „Ich sehe da kein dringliches Problem. Diejenigen, die wegen der prinzipiellen Bedeutung gesetzlichen Handlungsbedarf sehen, sollten sich auch mit der praktischen Umsetzung befassen, die vermutlich mehr Probleme schaffen als lösen würde.“

dpa

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