USA

Der Senkrechtstarter: Pete Buttigieg etabliert sich als Trump-Alternative

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Pete Buttigieg mischt die Demokraten auf.

Die führenden demokratischen Bewerber um das US-Präsidentenamt sind jenseits der 70. Doch jetzt mischt ein 37-Jähriger die Demokraten auf.

Seine Kandidatur wurde nur müde belächelt. Ihn kannte ja keiner. Man wusste im Grunde nur, dass er Bürgermeister von South Bend ist, einer Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern, die mitten im republikanisch geprägten Bundesstaat Indiana liegt. Sonst aber war er ein Niemand, dessen Bewerbung um das US-Präsidentenamt im Januar 2019 nur als Fußnote betrachtet wurde. Nein, ein 37-Jähriger, der noch keine Meriten erworben hatte, kam für das höchste Amt im Lande ganz sicher nicht infrage – dachte man zumindest.

Und nun? Sieht die Sache völlig anders aus. Pete Buttigieg, der sich 2013 von seinem Amt beurlauben ließ und für sieben Monate als Geheimdienstoffizier nach Afghanistan ging, ist kurz vor der fünften TV-Debatte am 20. November zum Senkrechtstarter der Demokraten geworden. Gewiss, die landesweiten Umfragen sehen nach wie vor die altbekannten Favoriten an der Spitze, Joe Biden, Bernie Sanders und Elizabeth Warren. 

Doch das hat zum großen Teil damit zu tun, dass sich viele potenzielle Wählerinnen und Wähler noch gar nicht mit den einzelnen Kandidaten beschäftigt haben. Und noch immer ist Buttigieg in den meisten Staaten weitgehend unbekannt, kaum jemand weiß ja überhaupt, wie eigentlich sein Nachname korrekt ausgesprochen wird. Da muss Buttigieg selbst auf Twitter Nachhilfe geben: „Boot-edge-edge“ lautet die englische Lautsprache. Das alles ist kompliziert genug, weshalb ihn seine Fans gerne einfach als „Mayor Pete“ (Bürgermeister Pete) bezeichnen.

Erfolgswelle nach der ersten Vorwahl? Pete Buttigieg liegt in Iowa deutlich vorne

Doch wichtig ist derzeit für Buttigieg vor allem, dass sein Name in Iowa und New Hampshire in aller Munde ist. Warum? Weil dort die parteiinternen Vorwahlen beginnen. Und siehe da: In Iowa, wo am 3. Februar 2020 gewählt wird, scheint sich ein Politik-Märchen anzubahnen. Lag Buttigieg schon in den Wochen zuvor gut im Rennen, so sieht ihn eine CNN-Umfrage vom 16. November mit 25 % der Stimmen deutlich vor Elizabeth Warren (16 %), Bernie Sanders (15 %) und Joe Biden (15 %). Und auch in New Hampshire (Wahl am 11. Februar) ist Buttigieg eindeutig auf dem aufsteigenden Ast. Der Gedanke, dass Buttigieg danach wie auf einer Welle von Erfolg zu Erfolg getragen werden könnte, ist nicht von der Hand zu weisen.

Der Aufstieg des früheren McKinsey-Beraters erinnert natürlich an einen anderen jungen Hoffnungsträger. Nach der Amtszeit von George W. Bush sah es zunächst danach aus, als sollten die Demokraten Hillary Clinton als Kandidatin ins Rennen ums Weiße Haus schicken. Doch dann kam ein relativ unbekannter Senator aus Illinois und löste bei der Basis wahre Begeisterungsstürme aus. Mit seinem Charisma wusste Barack Obama die Demokraten genauso zu begeistern wie Hillarys Ehemann Bill Clinton in den 90ern.

Pete Buttigieg kommt vor allem in Iowa gut an.

Hier wird offenbar ein Trend deutlich. Denn ein Blick auf die Wahlen des 20. Jahrhunderts zeigt, dass die Demokraten vor allem mit jungen Kandidaten zu punkten vermögen: Woodrow Wilson (zum Zeitpunkt der Amtseinführung 56 Jahre alt), Franklin D. Roosevelt (51), John F. Kennedy (43), Lyndon B. Johnson (55), Jimmy Carter (52), Bill Clinton (46), Barack Obama (47). Ob es also klug wäre, Bernie Sanders (der Anfang 2021 79 Jahre alt wäre), Joe Biden* (78) oder Elizabeth Warren* (71) zu nominieren, ist zu bezweifeln. Anders als bei den Republikanern scheinen bei den Demokraten offenbar eher jüngere Kandidaten in der Lage, die Basis zu begeistern.

Pete Buttigieg nimmt Joe Biden Stimmen ab

Jungsein alleine reicht natürlich nicht, um die US-Präsidentschaft zu gewinnen. Doch es hilft Buttigieg, sich als frische, unverbrauchte Alternative zu den genannten Favoriten zu positionieren. Und auch wenn die Demokraten in diesen Trump-Zeiten deutlich nach links gerückt sind, so könnte bei der Vorwahl entscheidend sein, die Stimmen der politischen Mitte zu gewinnen. Hatte hier bisher Joe Biden seine Stärke, so scheint es dem Pragmatiker Buttigieg immer mehr zu gelingen, dem früheren Vizepräsidenten Paroli zu bieten. 

Buttigieg will die Krankenversicherung und das Wahlsystem reformieren, Einkommensunterschiede bekämpfen, Umweltschutz und Gewerkschaften stärken, sowie Waffenkontrollen ausweiten. Er trete an, um „eine andere Geschichte zu erzählen, als ,Macht Amerika wieder großartig’“, sagte Buttigieg mit Bezug auf Trumps Wahlkampf-Slogan beim offiziellen Start seiner Wahlkampagne in South Bend. 

Er bewerbe sich, weil die Entscheidungen der nächsten drei oder vier Jahre „bestimmen werden, wie die nächsten 30 oder 40 verlaufen“. Und wenn er im Jahr 2055 „das gegenwärtige Alter des gegenwärtigen Präsidenten erreiche, möchte ich auf diese Jahre zurückblicken und sagen, dass meine Generation für Klimalösungen, Rassengleichheit und ein Ende der endlosen Kriege gesorgt hat“. 

Pete Buttigieg wäre der erste offen homosexuelle US-Präsident

Auch auf die Ehe für alle kommt Buttigieg im Wahlkampf immer wieder zu sprechen: „Lasst es Euch von Chasten und mir sagen, du bist nicht frei, solange dir der Beamte im Standesamt sagt, wen du heiraten darfst, nur wegen seiner eigenen Vorstellungen, seiner politischen Überzeugung.“

Schon 2014 hat die „Washington Post“ den ersten offen homosexuellen Kandidaten der Demokraten in einem Präsidentschaftswahlkampf als „interessantesten Bürgermeister, von dem Sie noch nie gehört haben“, bezeichnet. Inzwischen hören immer mehr Menschen von dem 37-Jährigen, der am 16. Juni 2018 seinen Lebenspartner Chasten Glezman ehelichte – und belächelt wird er längst nicht mehr.

Pete Buttigieg - Shooting-Star der Demokraten will Präsident werden

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