Nacktscanner-Diskussion

Polizei spricht von "Luftnummer" - Experte warnt vor Gesundheitsrisiko

- Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat der Politik vorgeworfen, mit der Debatte über den Einsatz von Nacktscannern von Mängeln bei der Luftsicherheit ablenken zu wollen. Ein Strahlenschutzexperte der Bundesregierung wanrt vor Gesundheitsrisiken, die die Röntgenstrahlung erzeugen.

In der Debatte um den Einsatz von Körperscannern an Flughäfen hat der Strahlenschutzexperte der Bundesregierung vor Gesundheitsrisiken gewarnt, die Polizeigewerkschaft beklagt grundsätzliche Mängel bei Luftsicherheit. „Die Diskussion um Nacktscanner ist eine politische Luftnummer, um von den Versäumnissen der vergangenen Jahre abzulenken“, sagte der GdP-Vorsitzende für die Bundespolizei, Josef Scheuring, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Mittwoch.

Auch mit Scannern der neuesten Generation ließe sich die Gefahr von Anschlägen nicht entscheidend reduzieren, sagte Scheuring. Die „lückenhaften Grundstrukturen der Luftsicherheit in Deutschland“ seien seit den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht besser geworden. Die Bundesregierung dürfe den Fluggästen nicht länger etwas vormachen. „Wenn Hartz-IV-Empfänger, Leiharbeiter und Billiglöhner im Auftrag privater Sicherheitsfirmen für die Sicherheit an Flughäfen sorgen sollen, kann das nur schief gehen.“ Es komme entscheidend auf gut geschultes und motiviertes Personal an. „Deshalb muss der Staat diese Aufgabe dringend an sich ziehen“, sagte Scheuring.

Die Diskussion um den Einsatz von Körperscannern war nach dem gescheiterten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug neu entbrannt. Vertreter der Koalition zeigen sich offen für die Verwendung weiterentwickelter Geräte, mit denen die Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben sollen. Diese werden aber noch erprobt und sind bislang nicht einsatzbereit.

In der Debatte um den Einsatz von Körperscannern an Flughäfen hat der Strahlenschutzexperte der Bundesregierung vor Gesundheitsrisiken gewarnt. Die Röntgenstrahlung habe das Gefährdungspotenzial, langfristig Krebs und Leukämie zu erzeugen, sagte der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, Professor Rolf Michel, dem Radiosender HR-Info. Bei einer einzelnen Durchleuchtung seien Menschen zwar nur einer sehr geringen Menge von Röntgenstrahlen ausgesetzt, das Risiko steige aber mit jeder Kontrolle. „Für Vielflieger und Menschen, die häufiger gescannt würden, wäre das Risiko doch nicht vernachlässigbar“, sagte Michel.

Die Strahlenschutzkommission und das Bundesumweltministerium hielten den Einsatz von Röntgenscannern deswegen für „nicht gerechtfertigt“, sagte Michel. Auch Durchleuchtungsgeräten, die mit der so genannten Terahertz-Strahlung arbeiten, stellt Michel keine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. „Da haben wir bisher nur marginale Hinweise, dass sie gefährlich werden könnten. Das Problem ist allerdings für uns, dass noch nicht genug Informationen zu dem Thema vorliegen. Es wird allerdings intensiv geforscht, ob biologische Wirkungen zu befürchten sind“, sagte der Experte.

AFP

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