Dutzende Leichen

Rekordansturm von Flüchtlingen in Italien

Rom - Erneut ist es zu Flüchtlingsdramen im Mittelmeer gekommen: Wieder sind am Wochenende Dutzende Menschen bei gefährlichen Überfahrt von Nordafrika nach Italien ums Lebens gekommen. Für 30 Menschen endet die Überfahrt tödlich, sie ersticken vermutlich an Bord ihres voll besetzten Bootes.

Vor der Küste Italiens sind erneut rund 30 Bootsflüchtlinge bei der gefährlichen Überfahrt nach Europa ums Leben gekommen. Die italienische Marine entdeckte die Leichen in einem völlig überfüllten Flüchtlingsboot vor Sizilien, wie sie am Montag in Rom mitteilte. Vermutlich seien die Menschen während der Überfahrt erstickt. Am Wochenende rettete die Marine im Mittelmeer zudem innerhalb von 48 Stunden mehr als 5000 Migranten - so viele wie nie zuvor. Bundespräsident Joachim Gauck forderte in Berlin eindringlich mehr Solidarität mit den Flüchtlingen, aber auch bei der Teilung der Lasten zwischen den europäischen Ländern.

Gauck rief am Montag dazu auf, alle Hilfesuchenden menschenwürdig zu behandeln. „Die Flüchtlinge, die an Italiens oder Maltas Küsten landen, sind nicht allein die Angelegenheit Maltas oder Italiens“, sagte Gauck laut Redemanuskript bei einer Tagung der Evangelischen Akademie zum Flüchtlingsschutz.

Nach dem Rekordansturm des Wochenendes haben in diesem Jahr italienischen Angaben zufolge bereits 61.585 Bootsflüchtlinge das Land erreicht. Im gesamten Jahr 2013 waren es 43.000 Menschen.

Ungünstiges Wetter und technische Probleme verzögern Ankunft

Die nun entdeckten Leichen befanden sich unter rund 600 weiteren Menschen an Bord eines Fischkutters. Die Überlebenden wurden an Bord des Marineschiffs „Grecale“ genommen, das das Boot mit den Toten nach Angaben der Marine in den Hafen von Pozzallo in Sizilien schleppen sollte. Wegen ungünstigen Wetters und technischer Probleme musste die zunächst für Montag vorgesehene Ankunft um 24 Stunden verschoben werden, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Erst dann können die Leichen geborgen werden.

Auch 350 weitere gerettete Migranten sollten am Montagabend Pozzallo erreichen. „Ein Notstand, den wir nicht alleine bewältigen können“, klagte Luigi Ammatuna, der Bürgermeister der rund 20.000 Einwohner zählenden Stadt. „Wo sollen wir mit den 30 neuen Opfern dieser grässlichen Tragödie hin?“ Es sei unmöglich, die neu ankommenden Migranten unterzubringen, alle Aufnahmezentren der Stadt seien voll.

Bei den Rettungsaktionen am Wochenende waren mehrere Schiffe der Marine und der italienischen Küstenwache sowie drei Handelsschiffe im Einsatz. Im Mittelmeer ertrinken immer wieder Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten, die sich in meist seeuntauglichen Booten auf den Weg nach Europa machen. Unter den mehr als 60.000 Migranten, die in diesem Jahr Italien erreicht haben, waren viele Syrer, die vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land geflohen waren.

Seit Oktober vergangenen Jahres versucht Italien mit dem Überwachungsprogramm „Mare Nostrum“, im Mittelmeer Flüchtlingsboote rasch zu sichten und zu sichern. Rom fordert immer lauter mehr europäische Hilfe bei der Bewältigung dieses Rekordansturms. Die sechs Monate der italienischen EU-Ratspräsidentschaft will das Land dazu nutzen, das Thema erneut auf die Agenda zu setzen.

dpa

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