Sachsens SPD-Landesvorsitzender Jurk tritt zurück

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Thomas Jurk (SPD) tritt nach der Landtagswahl in Sachsen zurück.

Dresden - Der sächsische SPD-Landesvorsitzende Thomas Jurk ist zurück getreten. Die SPD erreichte bei der Landtagswahl nur knapp zehn Prozent.

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Nicht einmal um einen Punkt konnte sich die SPD in Sachsen bei der Landtagswahl verbessern: Mit 10,4 Prozent kam die Partei unter Führung von Thomas Jurk nur geringfügig über ihren historischen Tiefstand von 2004 - 9,8 Prozent - hinaus. Am Montagnachmittag erklärte Jurk daraufhin seinen sofortigen Rücktritt als SPD-Landeschef. Nach drei zeitgleichen Landtagswahlen mit teils zweistelligen Verlusten für einzelne Parteien war Jurk damit bundesweit der erste Politiker, der Konsequenzen zog. Zwar habe die in Sachsen mitregierende SPD in den vergangenen fünf Jahren “Beachtliches für den Freistaat“ geleistet, erklärte Jurk in einer Pressemitteilung.

Die Wähler hätten dies aber nicht im erwarteten Umfang honoriert, räumte der Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef ein. “Der Wahlkampf war auf mich zugeschnitten, ich übernehme daher auch die Verantwortung für das Wahlergebnis. Ich erkläre heute dem Präsidium der Sachsen SPD, dass ich mit sofortiger Wirkung als Landesvorsitzender zurücktrete“, hieß es. Kommissarisch soll nun Jurks Stellvertreter Rolf Schwanitz den Verband führen. Zur Neuwahl im Oktober empfahl Jurk allerdings SPD-Fraktionschef Martin Dulig als Kandidaten. Sollte sich CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich für ein Bündnis mit der FDP entscheiden, wäre Jurk auch noch seinen Posten als Minister und Vize-Regierungschef los.

Einer der ersten in der neu gegründeten SPD

Der heute 47-Jährige kam im Herbst 1989 in die Politik. Schon bald nach dem Mauerfall war Jurk in Sachsen einer der ersten, der in die neu gegründete SDP eintrat, wie sich die Sozialdemokraten im Osten zunächst nannten. Jurk sieht sich beeinflusst und war auch beeindruckt von Willy Brandt und Helmut Schmidt, wie er sagt. Und er ist bis heute überzeugt, dass Marktwirtschaft ohne gerechte und soziale Politik nicht funktioniert. 1990 hängte er seinen Beruf an den Nagel und wechselte ganz in die Politik, damals kam er als einfacher Abgeordneter in den Landtag.

Seine SPD schwächelte in dem ostdeutschen Bundesland von Anfang an und sackte bei jeder Landtagswahl immer weiter ab. So auch 1999, als der verheiratete Vater zweier Kinder seinen glücklosen Vorgänger ablöste und nach der Wahl die Führung der Fraktion übernahm. Den dramatischen Absturz bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren konnte der gelernte Funkmechaniker indes nicht verhindern. Die Partei brach noch weiter ein und holte gerade noch 9,8 Prozent der Stimmen - das schlechteste Ergebnis der SPD auf Landesebene in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch der für dieses Jahr so sehnsüchtig erhoffte Befreiungsschlag ist am Sonntag ausgeblieben.

AP

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