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Söder liefert sich hitziges Duell mit Maischberger: „Stimmt das, was Sie da gerade sagen?“

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Von: Fabian Müller

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Markus Söder (CSU) im Gespräch mit Sandra Maischberger.
Markus Söder zu Gast in der ARD-Sendung „Maischberger“. © ARD Mediathek (Screenshot)

Markus Söder gerät in der ARD-Sendung „Maischberger“ mit der Gastgeberin aneinander. Die kontert routiniert, er scheine getroffen. Eine Analyse der Sendung.

Berlin – Entlastungspaket 3, steigende Energiepreise und das richtige Rezept in der Krise - kaum eine politische Talkshow, die derzeit nicht den Krieg in der Ukraine und den Umgang der Politik mit dessen Folgen behandelt. In der ARD-Talksendung „Maischberger“ am Mittwochabend ging es außerdem um das neue Infektionsschutzgesetz, das am Donnerstag (8. September) im Bundestag beschlossen werden soll.

Zu Gast in der Sendung waren der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, die Zeit-Journalistin Mariam Lau, Astronaut Matthias Maurer, der Ukraine-Korrespondent der ARD, Vassili Golod, und Fernsehproduzent, Autor und Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt. Vor allem Söders Laune fiel im Verlauf der Talkshow auf, er keifte gegen Gastgeberin Sandra Maischberger, fiel ihr immer wieder ins Wort und stellte gar provokante Fragen.

Zunächst einmal erfreute sich jedoch Zeit-Journalistin Lau an der Bundestagsdebatte zwischen Friedrich Merz und Bundeskanzler Olaf Scholz über die Laufzeiten der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke. Merz habe Scholz „einen Defibrillator verpasst“, befand Lau. Beide Reden seien gut gewesen, beiden hätten recht mit ihrem Punkt. Merz damit, dass es Irrsinn sei, in der jetzigen Lage drei Atomkraftwerke abzustellen. Scholz dahingehend, dass die Union die Energiewende verpasst und jede Windkraftanlage bekämpft habe. „Vom Atomausstieg bis hin zur Abhängigkeit von Russland: Die Union ist maßgeblich daran beteiligt, dass wir jetzt da stehen, wo wir stehen“, schließt Lau.

Journalistin Mariam Lau: Baerbock und Habeck duellieren um nächste Kanzlerkandidatur

Der ARD-Reporter Vassili Golod spricht sich deutlich gegen die Atomenergie aus. Gleichzeitig sei die Situation so besonders, dass man darauf reagieren müsse. „Es gibt einen breiten Konsens für die Verlängerung der Laufzeiten um zwei Jahre.“ Lau mutmaßt, dass es bei den Grünen bereits um einen internen Machtkampf zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck wegen der kommenden Kanzlerkandidatur gehen könnte. Habeck sei der beliebteste Politiker des Landes, das wisse auch seine Partei. Und Habeck weiß, dass der Atomausstieg die Heilige Kuh der Grünen ist, allerdings eine, die zuletzt arg ins Wanken geriet.

Lau wiederum bezeichnet das Abschalten der Kraftwerke zum Ende des Jahres mit Reservebetrieb bis April 2023 als „wie ein bisschen schwanger“. Habeck könne aufgrund seiner Partei gar nicht anders, auch wenn er dies persönlich möglicherweise anders beurteilt. Grünen-Urgestein Jürgen Trittin hatte sogar einen Sonderparteitag ins Spiel gebracht, um die Haltung der Partei in der AKW-Frage zu klären.

ARD-Talksendung „Maischberger“ - diese Gäste diskutierten mit:

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder nimmt den gesonderten Platz bei Maischberger ein und tritt mit ihr in den Dialog. In einigen Tagen startet das Oktoberfest in München – ohne Maskenpflicht. Maischberger spricht Söder darauf an, dass er in seinem Bundesland immer sehr vorsichtig vorgegangen sei. „Erst Team Vorsicht, jetzt Team Gaudi?“, fragt die Moderatorin. „Nein, Team Angemessen“, widerspricht Söder. „Man kann selbst entscheiden, ob man hingehen möchte, ich habe da keine Bedenken.“

Von der Gefahr eines Superspreader-Events lässt sich der bayerische Ministerpräsident nicht beeindrucken. Söder verweist immer wieder auf den Bund, der die gesetzliche Grundlage geschaffen hat. Außerdem auf Justizminister Marco Buschmann und Gesundheitsminister Karl Lauterbach, die sich in der Öffentlichkeit konträr äußerten. „Am Ende kommt immer das raus, was Buschmann sagt und Lauterbach warnt dauernd“, bewertet Söder. Gleichzeitig räumt er ein: „Die Lage wäre eine andere, wenn wir eine neue Mutation hätten. Wir sind jetzt in der Phase der Eigenverantwortung.“

Söders keift gegen Günther: „Könnte daran liegen, dass an der Küste verlässlicher Wind weht“

Bei der Atomfrage kritisiert Söder den Wirtschaftsminister: „Die Entscheidung von Habeck ist falsch und nicht nachvollziehbar.“ Das Wirtschaftsministerium unter Minister Robert Habeck hatte sich dafür entschieden, zwei der drei verbliebenen Atomkraftwerke als Reserve bis April am Netz zu lassen, die Opposition fordert, alle drei Meiler weiterlaufen zu lassen. Söder spricht sich ebenfalls unmissverständlich für den Atomausstieg aus, allerdings nach Ende der Krise: „Es geht nicht um einen ewigen Zeitraum, sondern um einen Übergang, um die Stromversorgung für 10 Millionen Haushalte zu gewährleisten.“

Söder wird im Anschluss auf ein Zitat Daniel Günthers, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, angesprochen. Der hatte seinen bayerischen Amtskollegen kritisiert, weil der Freistaat den Ausbau erneuerbarer Energien verpasst habe. Spätestens hier beginnt die Phase, in der Söders Laune spürbar kippt. „Nach Niedersachsen machen wir am meisten“, betont Söder, der dann kontert: „Zugegeben, in Schleswig-Holstein stehen mehr Windräder. Das könnte daran liegen, dass an der Küste verlässlicher Wind weht, während wir in Bayern mehr Sonne haben.“

Söder legt sich mit Maischberger an: „Das scheint Sie zu treffen“

Söder verweist immer wieder darauf, dass nicht nur Bayern in einigen Punkten Nachholbedarf habe, woraufhin Maischberger Söder mit einem Vergleich einfangen will: Das sei in etwa so, wie „wenn mein Sohn nach Hause kommt und sagt: ‚Ich habe eine Fünf, die anderen aber auch.‘“ Das Publikum klatscht, Söder schaut angefressen und sagt grimmig: „Toller Vergleich.“ Maischberger möchte noch einmal nachfragen, aber die beiden lassen sich in der Folge kaum mehr zu Wort kommen. Söder fragt Maischberger gar, ob sie denn überhaupt wisse, wer die Stromnetze in Deutschland bauen würde. Maischberger weiß es: „der Bund“, sagt sie.

Kurz darauf spricht Maischberger Söder auf einen Vorwurf der eigenen Partei, also aus der CSU, an. Ilse Aigner, „zu der Zeit Umweltministerin“, habe den damals bezüglich der Stromtrassen formuliert. Söder unterbricht forsch: „Stimmt das, was Sie da gerade sagen?“ Maischberger fällt ihr Fehler sofort auf: „Energieministerin“, berichtigt sie, Söder deutet mit dem Finger auf sie und sagt: „Schonmal falsch, ok.“ Er wolle nur helfen, dass der Faktencheck hinterher nicht durcheinanderkommt. Einzig Maischberger bleibt souverän: „Ich bin für jede Hilfe dankbar, Herr Söder“, sagt sie lächelnd und schiebt nach: „Das scheint Sie zu treffen.“

„Maischberger“ in der ARD: Astronaut Matthias Maurer berichtet von Kriegseindrücken von der ISS

Der zweite gesonderte Studiogast am Mittwochabend war Astronaut Matthias Maurer, mit dem die Diskussion freilich weniger hitzig verlief. Von November 2021 bis Mai 2022 war Maurer auf der internationalen Raumstation ISS stationiert. „Als Astronaut denkt man, man ist den Problemen der Welt entflogen“, erzählt Maurer. Doch er wurde eines Besseren belehrt. Nach Kriegsausbruch in der Ukraine wären im Land kaum mehr Lichter zu sehen gewesen, berichtet er. „Die Ukraine war total schwarz, nur Kiew war beleuchtet. Wenn man genau hinguckt, sieht man auch so kleine Lichtblitze, man denkt, vielleicht ein Feuerwerk, aber ich wusste natürlich, dass dort unten Raketen einschlagen“, sagt Maurer.

Im Übrigen waren auch russische Kosmonauten mit an Bord der ISS. „Wir sind eine Familie“, beteuert Maurer. „Wir sind alle gegen Krieg. Aber ich habe auch verstanden, dass meine russischen Kollegen andere Informationsquellen erhalten als wir. Da gab es schon Differenzen, das haben wir aber nicht bis aufs Letzte ausgereizt. Wir mussten funktionieren.“

Fazit des „Maischberger“-Talks

Um Markus Söder ist es in der Krise überraschend still geworden. Bei Maischberger hatte er Zeit und Raum, sich zu aktuellen Themen zu äußern. Solange es keine neue Corona-Mutante gibt, ist das Virus für den bayerischen Ministerpräsidenten kein entscheidender Faktor mehr. Söder beteuert, dass Bayern in der Energiewende nicht so schlecht aufgestellt sei, wie behauptet wird. Er schießt gegen Daniel Günther und schließlich auch noch gegen Gastgeberin Sandra Maischberger, die dessen Angriffe aber souverän kontert. Eine wortwörtlich neue Sicht auf die Dinge liefert zum Abschluss der Sendung Astronaut Matthias Maurer. (Christoph Heuser/Fabian Müller)

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