Bürgerschaftswahl in Hamburg

Suding rockt Hamburg und die FDP

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Fühlt sich wie eine Siegerin: Katja Suding.

Hamburg - Nach 16 Monaten Schmerz endlich wieder was zu feiern: Die FDP tritt erstmals im neuen Magenta-Look und mit geschärftem Profil an, da nimmt Katja Suding in Hamburg locker die 5-Prozent-Hürde. Ein Aufbruchsignal auch für den Bund?

„Katja, Katja“, rufen die ersten, dabei ist die Siegerin gar nicht da, sondern flimmert nur mit ihrem strahlenden Lächeln über die Fernsehschirme. Das Thomas-Dehler-Haus ist proppenvoll, der Jubel ein paar Sekunden nach 18.00 Uhr riesig. Die gelben Balken steigen bei ARD und ZDFziemlich hoch, die Hochrechnungen sagen dann 7,5 Prozent voraus - die FDP ist nach 16 Monaten Häme und Verachtung auf einen Schlag im Glücksrausch. Katja Suding, die 39-jährige PR-Expertin, krönt damit eine sensationelle Aufholjagd. Monatelang dümpelte die FDP an der Elbe in Umfragen bei zwei Prozent, jetzt kann Suding wohl ihr starkes Ergebnis von 2011 (6,7 Prozent) sogar noch toppen.

Bundeschef Christian Lindner und seine Führungscrew genießen die guten Zahlen oben im Präsidiumszimmer. Dann kommen sie die Treppe herunter. 200 Anhänger jubeln, Lindner - im dunklen Anzug mit gestreifter Krawatte - winkt lachend von der kleinen Bühne. Hinter ihm leuchtet es Gelb, Blau und - Magenta. Das ist der neue FDP-Look. Seinen ersten Satz hat sich Lindner gut überlegt: „Die Freude und die Erleichterung ist groß, aber wir bleiben auf dem Teppich.“ Zu oft überdrehte die FDP nach großen Erfolgen. Zuletzt 2009, als Guido Westerwelle den Triumph der Bundestagswahl verzockte, was amEnde zum historischen Scheitern 2013 führte.

Auf den Hamburg-Wahlkampf ist Lindner unglaublich stolz. Suding schaffte es aus eigener Kraft, musste nicht um CDU-Leihstimmen betteln, sondern nutzte den Absturz der Hamburger Schwarzen und Sorgen des Bürgertums vor Rot-Grün für sich. Dazu kam die sozialliberale Machtoption. Suding war sich auch für Hochglanz-Fotos, Magenta-Pudelmütze und Megafon nicht zu schade - plumper Spaßwahlkampf mit einer attraktiven Kandidatin? Nein, meint Lindner. Die FDP habe neben die Person Suding auch gute Inhalte gestellt.

Was auffällt amSonntag bei den Liberalen, ist ein neues Wir-Gefühl. Jahrelang prägten Intrigen das Außenbild. Freiwillige aus ganz Deutschland unterstützten Suding. „Ich bin stolz auf dieses neue Teamwork in der FDP“, sagt Lindner.

Monatelang tingelte er durchs Land, hörte der Basis zu, gab eigene Fehler aus schwarz-gelben Zeiten zu. Er schärfte das Parteiprofil, beriet sich mit Werbeprofis. Die neue FDP ist nicht viel anders als die alte, wirkt aber cooler und freundlicher. „Wir wissen, wir sind noch nicht am Ziel, aber der heutige Tag hat gezeigt, wir sind auf dem richtigen Weg“, glaubt Lindner. Wenn es an der Elbe mit Grünen und SPD-Bürgermeister Olaf Scholz wider Erwarten beim Koalieren nicht klappt, steht die FDPbereit. Sind die Liberalen wieder ein Machtfaktor in der Republik? Langsam. Hamburg war eine Regionalwahl. Aber vielleicht doch so etwas wie die Wiederauferstehung der FDP, Teil 1.

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