Anschlag in Pakistan

Taliban töten mehr als 120 Kinder

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Peshawar - Alptraumszenen in Pakistan: Taliban-Extremisten stürmen eine Schule und nehmen Hunderte Kinder als Geiseln. Anschließend töten sie mehr als 120 Kinder.

Die radikalislamischen Taliban haben in einer pakistanischen Schule eines der schlimmsten Massaker der vergangenen Jahre angerichtet. Mindestens 130 Menschen wurden dabei am Dienstag getötet, die meisten von ihnen Kinder. Die Extremisten drangen in die Einrichtung in Peshawar ein und schossen um sich. Etwa acht Stunden später stürmten die Sicherheitskräfte das Gebäude und töteten die Angreifer.

Malala spricht von sinnlosem Terrorakt

Die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai sprach von einem "sinnlosen und kaltblütigen Terrorakt". Sie war als Verfechterin des Rechts von Mädchen auf Bildung im Jahr 2012 selbst Ziel eines Taliban-Anschlags, den sie knapp überlebte.

Ministerpräsident Nawaz Sharif sprach von einer "nationalen Tragödie". Ein Taliban-Sprecher sagte, die von der Armee betriebene Schule mit ihren 500 Kindern sei gezielt überfallen worden. Die Aktion sei Rache für das Vorgehen der Armee, die eine Offensive gegen die Islamisten führt. "Wir haben die Armee-Schule für den Angriff ausgewählt, denn die Regierung geht gegen unsere Familien und Frauen vor. Sie sollen unseren Schmerz spüren."

Die pakistanischen Taliban kämpfen gegen die Regierung und für einen muslimischen Gottesstaat. Sie haben in den nördlichen Regionen des Landes ihr Rückzugsgebiet. Die Armee ist trotz der seit Monaten anhaltenden Offensive nicht in der Lage, die Taliban entscheidend zu schwächen. Die USA greifen mit Drohnen, immer wieder Verstecke der Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan an. Diese haben etwa Militäreinrichtungen und Flughäfen angegriffen.

Über der Schule kreisten Hubschrauber. Krankenwagen rasten zum Tatort und brachten Verletzte in Kliniken. Ein Krankenhaussprecher sagte, viele Menschen seien in einem kritischen Zustand. Nach Angaben der Behörden waren mehr als 100 der Toten Kinder. Mindestens 122 Menschen wurden verletzt. In den Krankenhäusern hieß es, die Patienten seien zwischen 10 und 20 Jahre alt. Ob die Opfer durch die Kugeln der Angreifer, durch Bomben oder durch Soldaten starben, war unklar. Die Attentäter waren nach Angaben der Taliban mit Sprengstoffwesten ausgestattet.

Alle neun Terroristen sind tot

Nachdem die Soldaten die Schule stürmten, brachen Gefechte aus. Explosionen waren zu hören. Alle neun Taliban-Angreifer seien tot, teilte die Armee nach dem Einsatz mit.

Ministerpräsident Sharif machte sich auf den Weg nach Peshawar. "Dies sind meine Kinder", sagte er. "Es ist mein Verlust, es ist ein Verlust für die Nation." Malala erklärte von Großbritannien aus, der Angriff breche ihr das Herz. "Ich verurteile diese grauenhaften und feigen Taten", sagte die 17-Jährige.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, die Ermordung von Kindern übertreffe "in ihrer grausamen Feigheit alles, was das seit Jahren von Terror und Gewalt heimgesuchte Pakistan bisher kannte". Die US-Regierung sprach von einem entsetzlichen Angriff.

Erinnerungen an Beslan

Der Angriff erinnert an die Ereignisse von 2004 im russischen Beslan. Damals nahmen tschetschenische Extremisten Hunderte Geiseln in einer Schule. 330 Menschen wurden getötet, die Hälfte von ihnen Kinder.

Vor der Schule in Peshawar spielten sich dramatische Szenen ab. Verzweifelte Eltern versuchten, die Absperrung der Armee zu durchbrechen und zu ihren Kindern zu gelangen, als der Militäreinsatz noch im Gange war.

Überlebende schilderten, was sich in der Schule abspielte. "Unsere Lehrer schlossen die Tür ab, und wir haben uns auf die Erde gelegt", berichtete ein Schüler dem Fernsehen. "Aber sie (die Extremisten) haben die Tür aufgebrochen. Erst schossen sie in die Luft, dann begannen sie, Schüler zu töten. Plötzlich verließen sie den Raum." Sie hätten lange Bärte und traditionelle Kleidung getragen und Arabisch gesprochen.

Reuters

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