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Russland soll Atomkraftwerk in Saporischschja als Stützpunkt nutzen

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Von: Tanja Koch

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Ein bewaffneter russischer Soldat auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja. Die internationale Atomenergiebehörde zeigt sich aufgrund der Zustände dort, „extrem besorgt“ um das ukrainische Personal (Archivbild). © IMAGO/Konstantin Mihalchevskiy/SNA

500 Soldaten sollen das Atomkraftwerk in Saporischschja belagern. Eine Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde sei deshalb derzeit unmöglich.

Kiew – Die ukrainische Atomenergiebehörde beschuldigt Russland, Europas größtes Kernkraftwerk in Saporischschja als Waffenlager zu nutzen und von dort die umliegenden Regionen Nikopol und Dnipro zu beschießen. Das erklärte am Freitag (15. Juli) der Präsident der ukrainischen Atomenergiebehörde Energoatom, Petro Kotin, im Online-Dienst Telegram. Die Situation im Kraftwerk Saporischschja sei „extrem angespannt“, die Lage verschärfe sich Tag für Tag.

„Die Besatzer bringen ihre Ausrüstung dorthin, darunter auch Raketensysteme, und haben von dort aus bereits die andere Seite des Flusses Dnipro und das Gebiet von Nikopol beschossen“, zitiert die Moscow Times Kotin nach einem Interview im ukrainischen Fernsehen. Am Samstag (16. Juli) schlugen demnach russische Raketen in Wohnhäuser in der Stadt Nikopol ein und töteten zwei Menschen, wie der Gouverneur der Region Dnipro, Valentyn Reznichenko, laut Moscow Times mitteilte.

Seit Anfang März befindet sich das Atomkraftwerk unter der Kontrolle russischer Soldaten

Derzeit sollen 500 russische Soldaten die Anlage kontrollieren, betrieben wird sie aber weiterhin von ukrainischem Personal. Das AKW Saporischschja ist das größte Kernkraftwerk Europas. Es wird seit Anfang März von russischen Truppen besetzt, die es wenige Tage nach Beginn des Ukraine-Kriegs unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Das Kraftwerk trug 2021 rund ein Fünftel zur Stromproduktion der Ukraine bei.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) konnte das Atomkraftwerk seit Beginn der russischen Invasion nicht mehr besichtigen. Schon Anfang Juli hatte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi gewarnt, dass die russische Besetzung des AKWs zur Gefahr werden könnte. Das ukrainische Management und die lokalen AKW-Mitarbeiter seien extremem Stress und schwierigen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. „Jeden Tag, an dem das so weitergeht, steigt das Risiko für einen Unfall oder eine Verletzung der Sicherheit“, hatte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi bei einem Vortrag an der australischen Nationaluniversität in Canberra erklärt.

AKW in Saporischschja: Ukraine lehnt Besuch von IAEA-Vertretern während russischer Besatzung ab

Die Datenverbindung zwischen der IAEA in Wien und Saporischschja, die zur Überwachung des Nuklearmaterials dient, ist während der Besetzung immer wieder unterbrochen worden. Grossi forderte daher erneut Zugang für ein IAEA-Team zu dem Kraftwerk.

Die ukrainische Regierung lehnt einen Besuch von IAEA-Vertretern ab, solange das AKW von russischen Truppen besetzt ist. Möglich sei ein solcher Besuch erst, wenn die Ukraine wieder die Kontrolle über die Anlage habe, erklärte Energoatom vergangene Woche. Die ukrainische Atombehörde argumentiert, ein Besuch von IAEA-Experten könne die Präsenz Russlands legitimieren. (tk mit afp/dpa)

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