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Ukraine-Krieg: 23 Zivilisten sterben bei russischem Angriff in Saporischschja

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Von: Tobias Utz, Karolin Schäfer, Moritz Serif, Constantin Hoppe, Tim Vincent Dicke, Vincent Büssow, Lucas Maier, Jan-Frederik Wendt, Christian Stör, Sarah Neumeyer

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Nach russischen Angaben hat die Ukraine einen Angriff auf mehrere besetzte Städte gestartet. Der News-Ticker. 

Dieser Ticker zum Ukraine-Krieg ist beendet. Alle aktuellen Informationen zu den Entwicklungen im Ukraine-Konflikt finden Sie in unserem neuen News-Ticker.

+++ 10.35 Uhr: Den russischen Invasionstruppen fehlt es nach Einschätzung britischer Militärexperten an Verbandsmaterial und anderen medizinischen Produkten auf dem Schlachtfeld. Das geht aus dem täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums zum Ukraine-Krieg hervor. Demnach wurden neu mobilisierte Reservisten angewiesen, ihren eigenen Verbandkasten mitzubringen. „Der Mangel an Vertrauen auf eine ausreichende medizinische Versorgung bei den russischen Truppen trägt beinahe mit Sicherheit zu einer sinkenden Moral und an einem fehlenden Willen bei, an offensiven Einsätzen teilzunehmen“, hieß es in der Mitteilung weiter.

+++ 09.15 Uhr: Bei einem russischen Raketenangriff in der Region Saporischschja im Süden der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben mindestens 23 Menschen getötet worden. 28 weitere wurden verletzt. Die Rakete sei in der Nähe von Menschen eingeschlagen, die „Schlange standen, um in derzeit besetztes Gebiet zu gelangen“, schrieb der ukrainische Regionalgouverneur Oleksander Staruch im Online-Dienst Telegram. Die Opfer waren nach Angaben des Gouverneurs unterwegs, um „Bekannte und Verwandte zu treffen“ oder „Hilfe zu erhalten“.

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Ein Bagger räumt Trümmer vor einem Gebäude in Saporischschja in der Südostukraine. Die Schäden entstanden durch mutmaßlich russische Raketenangriffe. (Bild vom 22. September) © -/Ukrinform/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

+++ 08.30 Uhr: Nach Berichten russischer Kriegsbeobachter ist es der Ukraine gelungen, die strategisch wichtige Kleinstadt Lyman vollständig einzukesseln. „Gegen Mitternacht ist es der ukrainischen Truppen gelungen, Lyman faktisch einzukesseln“, teilte der nationalistische Militärblog „Rybar“ am Freitagmorgen mit. Mehrere Ortschaften um sie Stadt herum seien in ukrainische Hände gefallen, in weiteren gebe es Straßenkämpfe. Zudem liege die Straße zwischen Lyman und dem südlich davon gelegenen Torske – der einzigen verbliebenen Verbindungsroute des russischen Militär nach Lyman – unter ständigem Beschuss ukrainischer Artillerie.

Lyman, das „Nordtor des Donbass“

Entscheidende Schlacht steht an: Was für beide Seiten auf dem Spiel steht

Zudem berichtet der Blogger von einem ukrainischen Angriff auf die Stadt Jamil, südöstlich von Lyman. „Wenn nicht innerhalb von 24 Stunden entschiedene Maßnahmen vonseiten der russischen Militärführung getroffen werden, erwartet Lyman das Schicksal von Balaklija“, schrieb „Rybar“.

News zum Ukraine-Krieg: Belarus baut Militärstützpunkte aus

Update vom Freitag, 30. September, 06.52 Uhr: Wie der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte auf seinem Telegram-Kanal mitteilte, werden Militärstützpunkte in Belarus auf die Aufnahme russischer Soldaten vorbereitet. Mehrere Militär-Flugplätze in Nähe zur ukrainischen Grenze würden demnach ausgebaut, um mehr Personal aufzunehmen. Zudem seien Flugabwehr-Systeme und Radaranlagen in die Stützpunkte verlegt worden.

Währenddessen erfolgten in der Nacht nach ukrainischen Quellen russische Raketenangriffe auf die Städte Dnipro und Mykolajiw. Bei diesen seien Wohngebiete getroffen worden. Es soll mehrere Tote und Verletzte gegeben haben.

News zum Ukraine-Krieg: Putin spricht von „Fehlern“ bei Teilmobilisierung – Zustimmungswerte sinken

+++ 21.45 Uhr: Im Ukraine-Krieg will Russland nun durch eine großangelegte Teilmobilisierung seine Truppen aufzustocken. Das russische Verteidigungsministerium lässt 300.000 Reservisten einziehen, die nach zahlreichen Niederlagen der Armee die besetzten Gebiete der Ukraine halten sollen. Dies führte zu einer Vielzahl von flüchtenden Menschen. Bisher sollen um die 200.000 Bürgerinnen und Bürger unter anderem nach Europa und Kasachstan gereist sein. Jetzt spricht Wladimir Putin im Rahmen der Teilmobilmachung erstmals von Fehlern.

„Es müssen alle Fehler korrigiert werden“, sagte Putin am Donnerstag bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates. Seit Tagen beklagen Reservisten, dass sie etwa trotz tödlicher chronischer Erkrankungen, hohen Alters oder anderer Ausschlusskriterien zum Kriegsdienst eingezogen würden. Es gebe viele Fragen, Fehler dürften nicht zugelassen werden, sagte Putin. Wer irrtümlich an die Front geschickt worden sei, müsse nach Hause zurückkehren.  „Es ist notwendig, jeden einzelnen Fall anzuschauen“, so der Kreml-Chef.

News im Ukraine-Krieg: Wende für Putin? Zustimmungswerte sinken erstmals seit Kriegsbeginn

+++ 18.40 Uhr: Wie steht es im Ukraine-Krieg um die Beliebtheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin, vor allem angesichts der Teilmobilmachung? Das russische, unabhängige Meinungsforschungsinstitut Levada-Center hat nun neue Daten veröffentlicht.

Aus dessen Bericht geht hervor, dass viele Russinnen und Russen weniger zufrieden damit sind, in welche Richtung sich ihr Land bewegt. Auch die Zufriedenheit mit Putins Arbeit ging um sechs Prozentpunkte zurück, erstmals seit März und dem Kriegsbeginn sank sie. Inzwischen lehnen insgesamt 34 Prozent die Aktivitäten des Kremls ab. Beobachterinnen und Beobachter gehen der New York Times zufolge davon aus, dass die Umfragen die öffentliche Meinung in Russland oftmals nicht widerspiegeln. Viele würden sozial erwünschte Antworten geben.

News zum Ukraine-Krieg: Wovor Putin „Angst hat“

+++ 16.30 Uhr: Die ukrainische Menschenrechtsaktivistin Olexandra Matwijtschuk geht davon aus, dass der russische Präsident Wladimir Putin eines Tages wegen Kriegsverbrechen vor Gericht stehen wird. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass er das wird“, sagte sie in einem Online-Gespräch mit der Presse, nachdem ihr und anderen Preisträgern der Alternative Nobelpreis (Right Livelihood Award) zugesprochen worden war. Matwijtschuk sagte zugeschaltet aus Kiew, in den vergangenen sieben Monaten habe man 19.000 Vorfälle von Kriegsverbrechen dokumentiert, darunter Folter und Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser. „Putin hat keine Angst vor der Idee der Nato, Putin hat Angst vor der Idee der Freiheit“, sagte sie. 

News zum Ukraine-Krieg: Putin will Annexion offiziell machen

+++ 15.00 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin will nach den völkerrechtswidrigen Scheinreferenden die Annexion mehrerer ukrainischer Gebiete bereits an diesem Freitag offiziell machen (s. Update v. 12.15 Uhr). „Im Großen Kremlpalast findet um 15.00 Uhr (14.00 Uhr MESZ) eine Zeremonie zur Unterzeichnung von Abkommen über den Beitritt neuer Gebiete in die Russische Föderation statt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Agentur Interfax.

Putins Entscheidung, die von Russland besetzten Regionen der Ukraine offiziell einzugliedern, markiert die größte gewaltsame Annexion in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Gesamtfläche, die de facto Teil Russlands werden soll, beträgt mehr als 90.000 Quadratkilometer oder etwa 15 Prozent der Gesamtfläche der Ukraine – das entspricht der Größe von Ungarn oder Portugal. 2014 hatte Moskau sich bereits die Schwarzmeer-Halbinsel Krim einverleibt. Zusammen mit der Krim stehen knapp 20 Prozent des ukrainischen Territoriums unter russischer Kontrolle.

News zum Ukraine-Krieg: Finnland macht Grenze zu Russland dicht

+++ 13.30 Uhr: Finnland will um 23.00 Uhr MESZ die Grenze zu Russland für die meisten russischen Staatsbürger schließen. Es seien nur noch Einreisen aus familiären Gründen möglich oder für russische Bürger, die in Finnland arbeiten oder studieren, sagte der finnische Außenminister Pekka Haavisto. In den vergangenen Wochen waren viele russische Wehrpflichtige vor der Teilmobilmachung in ihrem Heimatland auch über die finnische Grenze geflohen.

Die Einreise von Russland nach Kasachstan soll ebenfalls erschwert werden. Angesichts der Massenflucht von russischen Kriegsdienstverweigerern in das Nachbarland wollen russische Behörden wehrpflichtige Männer jetzt an der Grenze herausfiltern. Ein vorübergehendes Mobilisierungszentrum werde am Grenzübergang Karausek im russischen Gebiet Astrachan eröffnet, teilte die Gebietsverwaltung nach Angaben der Staatsagentur Tass mit. An der Grenze habe sich eine kilometerlange Schlange aus Männern im wehrpflichtigen Alter gebildet, hieß es weiter.

News zum Ukraine-Krieg: Russland will besetzte Gebiete morgen annektieren

+++ 12.45 Uhr: Wladimir Putin schadet mit der verkündeten Teilmobilmachung offenbar langfristig der russischen Wirtschaft. Das geht aus einer Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums hervor. Diese bezieht sich auf Geheimdienstangaben. Demnach verlassen insbesondere hochgebildete Menschen das Land als Reaktion auf die militärische Mobilisierung. „Es wird erwartet, dass die Verfügbarkeit von Arbeitskräften mit der Massenabwanderung von gebildeten Menschen schrumpfen wird“, heißt es in einem Lagebericht. „Die Beschleunigung der Abwanderung von Fachkräften wird wahrscheinlich immer bedeutender werden“, so das Ministerium.

+++ 12.15 Uhr: Nach den Scheinreferenden in den Gebieten Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja hat der Kreml nach Angaben der Nachrichtenagentur AP erklärt, die vier Gebiete am morgigen Freitag (30. September) in die Russische Föderation aufnehmen zu wollen. Unterdessen meldet die Nachrichtenagentur RIA Novosti in Russland, dass „Abgeordnete der Staatsduma eine Einladung in den Kreml zu einer Veranstaltung am 30. September mit der Teilnahme des russischen Präsidenten Wladimir Putin erhalten haben“.

News zum Ukraine-Krieg: Russische Truppen wohl eingekesselt

Erstmeldung vom Donnerstag, 29. September: Russischen Truppen droht die Einkesselung rund um die Stadt Lyman im Gebiet Donezk. Der ukrainischen Armee gelangen laut übereinstimmenden Beobachterangaben entscheidende Fortschritte in der Region. Bereits seit mehreren Tagen werden die Versorgungs- und Verbindungswege in die Stadt durch die ukrainischen Streitkräfte kontrolliert. Zuletzt wurden mehrere Dörfer im Umland erobert. Die Stadt Lyman weist zwar lediglich 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf, ist allerdings von enormer strategischer Bedeutung. Es handelt sich um einen entscheidenden Abschnitt auf Verbindungswegen in das Gebiet Luhansk, wo ebenfalls russische Truppen stationiert sind.

(vbu/jfw/tvd/cs/lm/sne/tu/kas/con mit dpa/AFP)

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