Amt empfiehlt Hürden zur Erdgasförderung

Umweltbundesamt will Fracking verhindern

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Bundesweit wird gegen Fracking demonstriert.

Berlin - Das Umweltbundesamt dringt auf ein rasche gesetzliche Regelung des Frackings. Das Amt empfiehlt Hürden, die eine Erdgasförderung mit dieser Methode weitgehend unmöglich machen.

Die Risikotechnologie brauche „enge Leitplanken zum Schutz von Umwelt und Gesundheit“, sagte die Präsidentin des Amtes, Maria Krautzberger, bei der Vorstellung eines Gutachtens in Berlin. Solange sich die Risiken nicht sicher abschätzen ließen, sollte es in Deutschland kein Fracking zur Förderung von Schiefer- und Kohleflözgas geben. Das Amt empfiehlt Hürden, die eine Erdgasförderung mit dieser Methode weitgehend unmöglich machen.

Beim Fracking wird Gestein mit hohem Druck aufgebrochen, um das darin eingeschlossene Gas freizusetzen. Dazu wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepresst. In den USA und Kanada hat diese Fördertechnik zu einem Gas-Boom geführt. Dort wird das sogenannte unkonventionelle Fracking angewandt – mit Querbohrungen in das verhältnismäßig dicht unter der Erdoberfläche liegende Ton- und Schiefergestein. Wegen der Gefahren für das Grundwasser ist diese Methode heftig umstritten. Beim konventionellen Fracking, wie es etwa in Niedersachsen seit Jahrzehnten üblich ist, wird in Tiefen von mehreren Tausend Metern vorgedrungen, wo die Risiken geringer sind.

Krautzberger verwies darauf, dass es bislang keine gesetzlichen Vorgaben für die Risikotechnologie Fracking gebe. Dies sei „ein unhaltbarer Zustand“. Bisher sei Fracking sogar erlaubt. Das von Politik und Wirtschaft vereinbarte Moratorium stehe juristisch „auf wackligen Füßen“. Die von der Bundesregierung vorgelegten Eckpunkte müssten jetzt schnell in ein Gesetz münden, mahnte deshalb die Präsidentin des Umweltbundesamtes. Die Eckpunkte sehen ein Fracking-Moratorium bis 2022 für Schiefer- und Kohleflözgas bis 3000 Meter Tiefe vor. Wissenschaftliche Erprobungen sind allerdings vorgesehen. In Wasserschutz- und Heilquellengebieten sowie im Einzug von Talsperren und Seen soll Fracking generell tabu sein.

Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes gehen zum Teil darüber hinaus. Es plädiert dafür, die Förderung von Schiefergas über eine Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes zu verbieten. „Grundsätzlich halten wir die Gefahren dieser Technik für zu groß“, sagte Krautzberger. Für sämtliche Fracking-Vorhaben zur Gas- und Erdölförderung solle eine umfangreiche Risikobewertung vorgesehen werden. Bislang ungelöst ist nach den Studien des Umweltbundesamtes die Aufbereitung des mit giftigen Substanzen versetzten Rückflusswassers. Noch habe kein Unternehmen ein tragfähiges Entsorgungskonzept vorlegen können, erläuterte Krautzberger. Eingesetzte Chemikalien müssten in einem rechtlich verbindlichen Kataster erfasst werden, der Zustand des Grundwassers stets engmaschig überprüft werden.Geht es nach dem Umweltbundesamt, dann sollen die hohen Umweltstandards für alle Formen des Frackings gelten.

Arnold Petersen

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