Gefängnisse

Valls will Einzelhaft für Islamisten

+

Paris - Nach den Attentaten in Paris hat Frankreichs Premierminister Manuel Valls gefordert, dass in Gefängnissen sitzende Islamisten in Einzelhaft genommen werden. Unterdessen wurde bekannt, dass die Freundin des Attentäters Amedy Coulibaly, Hayat Boumeddiene, bereits am Donnerstag in Syrien eingereist ist.

"Wir trennen diese Gefangenen vom Rest" der anderen Häftlinge ab, sagte Valls am Montag den Sendern BFMTV und RMC. Diese Maßnahme müsse "allgemein angewandt" werden. Gleichzeitig müsse sie aber mit "Umsicht" umgesetzt werden.

Von den drei Attentätern der islamistischen Anschlagsserie der vergangenen Woche in Frankreich waren zwei vor einigen Jahren im Gefängnis. Immer wieder kommt es zu einer Radikalisierung junger Straffälliger, die im Gefängnis durch Islamisten beeinflusst werden.

Komplize wird weiter gesucht

Außerdem sucht die Polizei nach wie vor einen Komplizen der Terroristen: Woche nach Unterstützern der islamistischen Terroristen. Es gebe "ohne Zweifel einen Komplizen", sagte Valls. "Die Jagd geht weiter"; mehr wolle er dazu nicht sagen. Präsident François Hollande beriet sich am Montagmorgen mit dem für innere Sicherheit zuständigen Teil des Kabinetts. Valls kündigte neue Schritte im Kampf gegen den Terrorismus an. Zunächst sollten Möglichkeiten für Abhörmaßnahmen verbessert werden. Jüdische Einrichtungen werden besonders geschützt. Ab Dienstagabend werden außerdem 10.000 Soldaten im Anti-Terror-Einsatz zur Sicherung des Landes eingesetzt.

Bei dem Anschlag von zwei Islamisten auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" am Mittwoch in Paris waren zwölf Menschen getötet worden, ein Gesinnungsgenosse der beiden erschoss zudem eine Polizistin und vier Geiseln in einem jüdischen Supermarkt. Die drei Attentäter wurden am Freitag bei zwei Polizei-Einsätzen erschossen.

Boumeddiene in Syrien abgetaucht

Unterdessen wurde bekannt, dass die französische Terrorverdächtige Hayat Boumeddiene nach Angaben der türkischen Regierung vergangene Woche nach Syrien gereist ist. Boumeddiene sei am 2. Januar in der Türkei angekommen und am 8. Januar nach Syrien gelangt, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag der Nachrichtenagentur Anadolu.

In den Tagen zwischen ihrer Ankunft und ihrer Weiterreise habe Boumeddiene in einem Hotel in der Türkei gewohnt, sagte der Minister weiter. Laut türkischen Presseberichten hat der Geheimdienst MIT anhand von Handy-Signalen festgestellt, dass Boumeddiene in der Nähe der türkischen Stadt Akcakale die Grenze nach Syrien passierte. Die Gegend auf der syrischen Seite der Grenze wird von der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert.

Die 26-jährige Hayat Boumeddiene, Lebensgefährtin des Pariser Attentäters Amedy Coulibaly, ist die meistgesuchte Frau Frankreichs. Sie wird als Komplizin Coulibalys gesucht, der in einem jüdischen Supermarkt in Paris am Freitag mehrere Geiseln getötet und am Donnerstag am südlichen Stadtrand ein Polizistin erschossen haben soll.

dpa/afp

53604095370819

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare