Nach Skandal in den USA

Missbrauchsbeauftragter erhebt Vorwürfe gegen deutsche Bistümer

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Papst Franziskus segnet im Vatikan ein Kruzifix: Die katholische Kirche steht nach Berichten über tausende Fälle von Kindesmissbrauch durch US-Priester am Pranger. Foto: Andrew Medichini/AP

In den USA werden im Staat Pennsylvania über 300 Priester des Kindesmissbrauchs bezichtigt. Der Vatikan spricht von "Scham". Auch die katholische Kirche in Deutschland sieht sich nun mit Vorwürfen konfrontiert.

Harrisburg/Rom/Berlin - Nach dem Bekanntwerden hunderter neuer Fälle sexueller Übergriffe durch Priester in den USA hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung auch der katholischen Kirche in Deutschland Versäumnisse vorgeworfen. Nicht alle katholischen Bistümer hätten bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen mit der Deutschen Bischofskonferenz kooperiert, sagte Johannes-Wilhelm Rörig den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Freitag. Derweil zeigte sich Papst Franziskus beschämt über das Ausmaß des Kindesmissbrauchs im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Für eine Studie zu Missbrauch der Deutschen Bischofskonferenz hätten leider nicht alle Bistümer ihre Archive geöffnet, beklagte Rörig. "Aufarbeitung wird wohl noch zu oft als Gefahr für die eigene Institution gesehen", fügte er hinzu. Diese Haltung mache deutlich, wie sehr Institutionen- und Täterschutz noch immer vor Opferschutz stehe. Es dürfe aber "nicht mehr nur um den Schutz und das Ansehen der Kirche gehen".

Um Missbrauchsfälle in Deutschland aufzuarbeiten, hatte die Deutsche Bischofskonferenz 2014 ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen Ende September im Rahmen der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda vorgestellt werden.

"Es sind nicht nur Einzelfälle oder Einzeltäter - es sind immer auch strukturelle Probleme, die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ermöglichen", warnte Rörig. "Diesen Strukturproblemen muss sich die katholische Kirche auch in Deutschland stellen."

Missbrauchsbeauftragter sieht "weiteres grausiges Beispiel"

Rörig nannte die Missbrauchsfälle in Pennsylvania "ein weiteres grausiges Beispiel" dafür, mit welcher Ohnmacht Kinder der immensen sexuellen Gewalt katholischer Ordensträger ausgesetzt gewesen seien. Es sei daher wichtig, dass in jedem Bistum und in jedem Orden aufgearbeitet werde - "auch proaktiv und nicht erst, wenn Betroffene sich zu Wort melden".

Der Vatikan sicherte am Donnerstagabend den Missbrauchsopfern seine Unterstützung zu. "Die Opfer sollten wissen, dass der Papst an ihrer Seite ist", erklärte der Vatikan. Es gebe nur zwei Worte angesichts der Enthüllungen: "Scham und Bedauern".

Für Papst Franziskus hätten die Opfer "Priorität", erklärte der Vatikan weiter. Die Kirche wolle ihnen zuhören. Die katholische Kirche müsse "harte Lehren" aus ihre Vergangenheit ziehen. Sowohl die Täter als auch diejenigen, die den Missbrauch zuließen, müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Papst Franziskus trifft sich regelmäßig mit Opfern sexueller Übergriffe durch Geistliche. Er hat den Missbrauchsskandal in der Vergangenheit als "große Demütigung" für die katholische Kirche bezeichnet.

In Pennsylvania: Tausende Kinder von Priestern missbraucht

Laut einem am Dienstag veröffentlichten Untersuchungsbericht haben im US-Bundesstaat Pennsylvania mehr als 300 katholische Priester über Jahrzehnte hinweg über tausend Kinder sexuell missbraucht. Der Untersuchungsbericht wurde nach zweijährigen Ermittlungen von einem Geschworenengremium (Grand Jury) des Bundesstaates vorgelegt.

Fast alle der aufgezählten Fälle seien mittlerweile verjährt, heißt es in dem Bericht. Zudem seien die meisten Verantwortlichen bereits verstorben. Lediglich gegen zwei Priester konnte Anklage erhoben werden. Einer der Priester bekannte sich bereits schuldig.

Der Bericht dürfte die umfassendste Dokumentation zu Missbrauch in der katholischen Kirche der USA sein, seit die Zeitung "Boston Globe" 2002 einen massiven Skandal über Kindesmissbrauch aufgedeckt hatte. Auch in anderen Ländern wurden in den vergangenen Jahren viele Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester bekannt.

AFP

Mitteilung der US-Bischöfe

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