Mehr Geld im Kampf gegen IS

USA weitet neuen Irak-Einsatz schrittweise aus

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Washington - Den Vereinigten Staaten kommt der jüngste Irak-Einsatz teuer zu stehen. Laut eines Pentagon-Berichts verschlingt der Kampf gegen die Milizen des Islamischen Staates (IS) täglich mehr als acht Millionen Euro. Kosten, die sich angesichts der neuen Strategie in den nächsten Wochen und Monaten abermals erhöhen dürften.

Präsident Barack Obama hatte in dieser Woche angekündigt, die Truppenstärke von bisher etwa 3000 Soldaten in den kommenden Wochen um weitere 450 Elitekämpfer zu erhöhen. Das Weiße Haus hält die Aufstockung für zwingend, um die IS-Milizen im Raum Anwar westlich von Bagdad wieder zurückzudrängen.

Generalstabschef Martin Dempsey geht sogar noch einen Schritt weiter: Im Gespräch mit Washingtoner Journalisten sprach sich der ranghöchste US-Offizier dafür aus, eine Vielzahl kleinerer Truppenstützpunkte in unmittelbarer Frontnähe aufzubauen, um die irakischen Regierungstruppen besser zu beraten. Auch weitere Truppenverlegungen wollte Dempsey nicht ausschließen.

Die Debatten um ein stärkeres Eingreifen stoßen im US-Kongress allerdings auf ein gespaltenes Echo. Während viele Republikaner ein massives Auftreten in dem Zweistromland für erforderlich halten, mehreren sich die kritischen Stimmen aus Obamas eigener Partei. So warnt der demokratische Abgeordnete Charles Rangel: "Schritt für Schritt rutschen wir tiefer in den Schlamassel. So hat das damals in Vietnam auch angefangen." Auf die Versicherung des Weißen Hauses, dass sich die neuen 450 Soldaten nicht an Kampfeinsätzen beteiligen sollen, gibt der 85-jährige Politiker aus New York nicht viel: "Wer solche Dinge behauptet, lebt nicht in der Wirklichkeit."

Tatsächlich drückt sich auch Obamas Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes überaus vorsichtig aus: "Die neuen Kräfte sind nicht als Kampfeinheit gedacht. Sie sollen die irakischen Soldaten aber auf dem Boden unterstützen, die unmittelbar an der Front stehen." Es ist offensichtlich: Eine genaue Grenzziehung zwischen Kampfeinsatz und Beratertätigkeit erscheint auch der US-Regierung schwierig.

Für eine klare Linie wirbt dagegen John Boehner. Der Sprecher des Repräsentantenhauses stimmt der Truppenaufstockung zu, hält die gesamte Strategie der Regierung aber für verzagt: "Allein mit der Ausbildung von irakischen Kräften ist es nicht getan. Auf dem Boden muss mehr geschehen." Insgesamt müssten die USA und ihre Verbündeten eine stärkere Verantwortung in der Auseinandersetzung mit den extremistischen Milizen übernehmen.

Obama, der am Freitag im Gespräch mit einzelnen Abgeordneten und Senatoren im Kongress für seine Strategie warb, setzt sich weiterhin für ein eher vorsichtiges Vorgehen in der Krisenregion ein. In einem ersten Schritt sollen neben den irakischen Regierungstruppen vor allem sunnitische Stammesangehörige auf eine gemeinsame Linie eingeschworen werden.

Vorrangiges Ziel sei zunächst die Wiedergewinnung der westirakischen Stadt Ramadi, die Mitte Mai - für viele Beobachter überraschend - in die Hände der IS fiel. In einer ersten Reaktion hatte Pentagonchef Ashton Carter den Irakern "mangelnden Kampfwillen" vorgeworfen. Kurz darauf sagte der Verteidigungsminister den irakischen Partner aber zu, bei neuen Kampagnen stärker beratend zur Seite zu stehen.

Künftige Operationen sollen zudem besser vorbereitet werden. Eine Rückeroberung von Mossul wird nach inoffiziellen Angaben daher zurzeit nicht vorbereitet. Wie es heißt, soll die zweitgrößte irakische Stadt erst im kommenden Jahr von den IS-Milizen befreit werden.

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