Dubioses Angebot

Adressen im Tausch für Livefußball

- Der Bezahlfernsehsender Sky (ehemals Premiere) bietet Amateurvereinen ein Abonnement für die Vereinslokale, das nur für die Sonntagsspiele der 1. und 2. Bundesliga gilt. Pikant ist, dass der DFB die Rahmenbedingungen mit Sky ausgehandelt hat und als Vertragspartner der teilnehmenden Vereine auftritt.

Das Angebot kam vor wenigen Wochen per E-Mail vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und ging bundesweit an alle knapp 27 000 Fußballvereine. Der Bezahlfernsehsender Sky (ehemals Premiere) bietet den Amateurvereinen in diesem Schreiben ein Abonnement für die Vereinslokale, das nur für die Sonntagsspiele der 1. und 2. Bundesliga gilt. 49 Euro kostet das Paket monatlich. Pikant an diesem Angebot ist, dass der DFB die Rahmenbedingungen mit Sky ausgehandelt hat und als Vertragspartner der teilnehmenden Vereine auftritt. Bemerkenswert ist an dieser Konstellation auch, dass ausgerechnet das für die neuen Bundesliga-Anstoßzeiten verantwortliche Unternehmen Sky und der Dachverband der Amateurvereine zusammenarbeiten und sich der DFB dabei zum Vertriebskanal macht.

„Das Lockangebot von DFB und Sky ist ein Affront gegen die Vereine“, sagt der Klubvorsitzende von Eintracht Hannover, Rolf Jägersberg. „Da wird versucht, die Zuschauer von den Amateurplätzen wegzulocken. Aber Sportvereine sind doch weder Gaststättenbetreiber noch Sammelstätten für Bundesligaübertragungen.“ Ohnehin ist fraglich, ob es sich hier überhaupt um ein gutes Angebot für die Vereine handelt. 588 Euro kostet das Paket pro Jahr, das macht für einen Kreisligisten bei 15 Heimspielen knapp 40 Euro pro Partie. „Da komme ich doch gar nicht auf meine Kosten“, sagt der Vereinswirt der Sportfreunde Anderten, Klaus Volland. „Außerdem sind wir mit den Vertragsbedingungen nicht einverstanden.“ Die nämlich haben es in sich.

Im offiziellen Merkzettel des DFB steht, dass sich die teilnehmenden Vereine verpflichten, ihre Mitgliederadressen Sky bereitzustellen. Außerdem müssen die Vereine zweimal pro Jahr eine Briefwerbung für Sky durchführen. „Diese Bedingungen sind eine nicht unerhebliche Gegenleistung der Vereine“, sagt Reiner Kramer, der Pressesprecher des Niedersächsischen Fußball-Verbands (NFV). Auch Datenschützer sind alarmiert und protestieren seit Wochen gegen die Vertragsbedingungen.

Offenbar mit Erfolg, denn der DFB hat nun seinerseits reagiert. „Die Vereine können das Angebot annehmen, ohne ihre Mitgliederdaten herzugeben oder eine Briefwerbung durchzuführen“, erklärt der Direktor für Spielbetrieb des DFB, Helmut Sandrock. „Das war eine unglückliche Formulierung, über die Folgen haben wir nicht nachgedacht.“ Inzwischen habe man die Vertragsbedingungen mit der Datenschutzbehörde abgesprochen, hieß es beim DFB weiter. Informiert wurden darüber allerdings nur die Vereine, die bereits zu den alten Bedingungen Interesse am Angebot gezeigt hatten.

Ein überarbeitetes Rundschreiben an alle Vereine ging nicht raus. Bundesweit nehmen bislang 140 Vereine an der Aktion teil, davon elf in Niedersachsen. Wie viele Vereine bereits ihre Mitgliederdaten an Sky weitergegeben haben, ist unbekannt. „Insgesamt lässt sich festhalten, dass es ein sehr geringes Interesse an diesem Angebot gibt“, sagt NFV-Pressesprecher Kramer. „Auch wir sind der Meinung, dass das Angebot nicht so prall ist.“ Auf die Amateurvereine aber wirkt das Sky/DFB-Angebot wie ein erstes Eingeständnis seitens des DFB, dass die Sonntagspartien um 15.30 Uhr zu Zuschauerrückgängen auf den Sportplätzen führten. „Im Umkreis der Bundesligavereine gibt es da Probleme“, sagt DFB-Direktor Sandrock.

von Patrick Hoffmann

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