Geisterspiel in Moskau

Bayern spielen heute vor leeren Rängen

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Nichts los in Moskau: ZSKA spielt gegen Bayern München ohne Zuschauer.

Moskau - Wegen wiederholter rassistischer Vorfälle der Fans von ZSKA ist der Verein mit einem Zuschauerausschluss belegt worden. Somit spielt Bayern München heute in Moskau das achte sogenannte Geisterspiel in der Champions League.

Zumindest den Feueralarm im Hotel nahm Pep Guardiola scheinbar gelassen hin. In eine Decke gehüllt und mit einem Smartphone in der Hand fotografierte der Trainer des FC Bayern amüsiert den außerplanmäßigen Ausflug ins Moskauer Nachtleben, zunächst auf der Straße, später in einer nahen Bar. Rund 90 Minuten vergingen in der Nacht auf Montag, ehe die Mannschaft ins Ritz Carlton zurückkehren durfte. Argwöhnische Beobachter vermuteten gar einen gezielten Fehlalarm, der überdies zeitlich ungünstig platziert war. Nicht allein wegen der gestörten Vorbereitung auf das zweite Gruppenspiel in der Champions League an diesem Dienstag bei ZSKA (18 Uhr, nicht im frei empfangbaren TV), sondern auch, weil sogar Moskaus Nachtleben an einem Sonntagabend eher unspektakulär daherkommt.

Die ungewollte Exkursion kurz vor der Geisterstunde fügte sich ins Bild, das auch die Begegnung in der Khimki Arena in Moskaus Norden begleiten wird. Wegen wiederholter rassistischer Vorfälle seiner Fans ist ZSKA von der Uefa mit einem Zuschauerausschluss belegt worden. Somit wird Moskau – Bayern heute das achte sogenannte Geisterspiel in der Champions League, das erste allerdings überhaupt für die Münchner und Guardiola, der heute dennoch den 100. Sieg seiner Mannschaft in der Königsklasse anstrebt. „Wir haben eine große Chance“, so der Trainer, „wir können einen kleinen, aber guten Schritt nach vorne machen“.

Auch andere Bayern haben eine Meinung zum Geisterspiel: „Das ist sicherlich eine komische Konstellation, aber es ändert ja nichts an der Tatsache, dass wir da gewinnen wollen, ich würde fast sagen: gewinnen müssen“, gab Sportvorstand Matthias Sammer die Marschroute vor. Und Thomas Müller hat von der Atmosphäre im nahezu leeren Stadion so seine eigenen Vorstellungen. „Es ist natürlich eine komische Situation, wobei: Die Journalisten sind ja zugelassen, dann erwarten wir von denen schon die ein oder anderen Gesänge“, witzelte er.

Während sein Kollege Arjen Robben die FCB-Fans bedauerte, „die leider heute nicht im Stadion dabei sein können“, sagte der frühere deutsche Nationalspieler Kevin Kurányi, der bei ZSKA-Lokalrivale Dynamo Moskau unter Vertrag ist: „Das ist ein klares Zeichen, auch wenn es damit auch Fans erwischt die mit Rassismus nichts am Hut haben.“ Erst am vergangenen Wochenende seien in der Partie gegen Torpedo Moskau die dunkelhäutigen Spieler seines Teams von gegnerischen Anhängern provoziert worden. „Das ist zum Verzweifeln, diese dummen Leute kriegst du nicht los“, sagte Kurányi.

So gut gelaunt und sportlich optimistisch die Münchner die außergewöhnlichen Begleitumstände auch hinzunehmen scheinen, so deutlich wurde ebenso, dass es intern durchaus weniger vergnügt zugeht. Wieder einmal hatte Guardiola ja nach dem souveränen 2:0 beim 1. FC Köln erkennen lassen, dass ihn mit Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt vor allem unterschiedliche Auffassungen verbinden. Weil Innenverteidiger Jérôme Boateng in Köln zum zweiten Mal hintereinander vorzeitig den Dienst quittieren musste, klagte Guardiola: „Er muss immer vorzeitig raus. Wir können nicht in jedem Spiel einen Abwehrspieler wechseln. Abwehrspieler spielen normalerweise von der ersten bis zur letzten Minute.“ Und weiter: „Wir müssen noch mal mit den Ärzten sprechen.“ In Klammern ließ sich hinzudenken: ein ernstes Wörtchen.

Seit Monaten schwelt dieser Disput zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt, und dem Trainer missfällt auch, dass der Verein den langjährigen Arzt zuletzt noch einmal gestärkt hat. Als Guardiola Thiago Alcántara nach dessen Innenbandanriss im Knie im April zur Behandlung nach Barcelona entsandte, dieser nach einer umstrittenen Kortisontherapie erneut einen Innenbandanriss erlitt, operiert werden musste und bis auf weiteres ausfällt, soll es zum offenen Streit zwischen Arzt und Trainer gekommen sein. Müller-Wohlfahrt soll vorab vor den Kortison-Risiken gewarnt haben. Der Klub entzog Guardiola daraufhin jegliche Befugnisse für medizinische Entscheidungen, heißt es. Was der Spanier sicher nicht hinnehmen will.

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