Borussia Dortmund

BVB-Nationalspieler Nico Schulz schwärmt im Exklusiv-Interview von Ex-Coach Nagelsmann

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Nico Schulz will beim BVB nach seiner Verletzung wieder durchstarten.

Nico Schulz hat im Exklusiv-Interview verraten, was er von BVB-Trainer Lucien Favre hält – und warum der Nationalspieler von Julian Nagelsmann schwärmt.

Dortmund – Nico Schulz, Linksverteidiger des BVB, musste vier Wochen musste wegen eines Bänderteilrisses an der linken Fußwurzel pausieren. Inzwischen ist er wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Im kommenden Bundesliga-Heimspiel gegen seinen früheren Klub Borussia Mönchengladbach (Samstag, 18.30 Uhr) möchte er wieder zum Kader gehören, obwohl er, wie er im Gespräch mit Marvin K. Hoffmann und Peter Schwennecker erzählte, keine gute Erinnerungen an seine Zeit am Niederrhein hat.

Sie hatten mit 15 Jahren die Chance, in die Jugendakademie des FC Liverpool zu wechseln. Grübeln Sie heute noch manchmal über diese Möglichkeit, Herr Schulz? Sie könnten heute unter Jürgen Klopp beim Spitzenreiter der Premiere League spielen.

Daran verschwende ich keinen Gedanken. Schließlich ging es damals darum, in die Jugendakademie des FC Liverpool zu gehen und mich hochzuarbeiten, und nicht darum, in der ersten Mannschaft zu spielen.

Was waren damals Ihre Gründe, in Berlin bei der Hertha zu bleiben?

Ich war damals mit 15 Jahren einfach noch nicht so weit, um allein nach England zu gehen. Da bin ich lieber in meinem gewohnten Umfeld in Berlin geblieben und den Heimat-Weg gegangen.

Wenn Sie bisher ihren Weg im Profifußball verfolgen – würden Sie alle Entscheidungen mit dem Wissen von heute noch einmal so treffen?

Mit dem Wissen von heute wäre ich nicht nach Mönchengladbach gegangen, sondern wäre direkt nach Hoffenheim gewechselt. Aber im Rückblick lässt sich das immer leicht sagen...

Was ist in Gladbach schief gelaufen?

Ich habe mir dort sofort einen Kreuzbandriss zugezogen. Ich wäre allerdings auch nicht nach Gladbach gewechselt, wenn ich gewusst hätte, dass der Trainer (Anmerk. der Redaktion: Lucien Favre) nur noch ein paar Wochen bleiben und der Nachfolger (Anmerk. der Redaktion: Andre Schubert) mir keine Chance geben würde. Es ist nichts gegen den Club. Es ist für mich damals einfach nicht gut gelaufen.

Den großen Durchbruch haben Sie bei der TSG Hoffenheim geschafft. Welchen Anteil daran besaß Trainer Julian Nagelsmann?

Einen ganz großen Anteil. Julian Nagelsmann hat mich damals geholt. Ich hatte zuvor in zwei Jahren in Gladbach nur zehn Spiele gemacht. Er hat mir nach dem Kreuzbandriss das Vertrauen geschenkt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar und werde ihm auch immer dankbar sein, weil er in dieser schwierigen Phase an mich gedacht und auch an mich geglaubt hat.

Was sind die Qualitäten von Nagelsmann? Was macht ihn als Trainer besonders?

Er hat eine sehr konkrete Spielidee, die er auch unter der Woche im Trainer immer wieder einbringt. Und die auch gut auf den jeweiligen Gegner eingestellt ist. Darüber hinaus trifft er intuitiv die richtigen Entscheidungen. Der Erfolg gibt ihm auf jeden Fall recht.

War es für Sie auch ein Grund, Hoffenheim zu verlassen, weil Nagelsmann nach Leipzig gewechselt ist? Oder spielte das in Ihren Überlegungen, nach Dortmund zu gegen, überhaupt keine Rolle?

Natürlich war das auch ein Faktor, aber nicht nur. Mit 26 Jahren bin ich jetzt in einem Alter, in dem ich vielleicht nicht mehr so viele Chance habe, bei einem Topklub wie Borussia Dortmund zu unterschreiben. So viel Zeit hat man als Fußballer nicht. Ich musste diese Chance einfach nutzen, zum BVB zu kommen.

Hoffenheim ist ein Klub, der sich in den vergangenen Jahren ständig entwickelt und in der Bundesliga etabliert hat. Sind die Unterschiede zwischen der TSG 1899 und dem BVB noch groß?

In Hoffenheim ist alles ein bisschen beschaulicher, man kann dort in Ruhe arbeiten. Man sagt das so, es stimmt aber auch wirklich. Hier in Dortmund waren wir mit den Neuzugängen - gemessen an der Außendarstellung und den Erwartungen - vor der Saison gefühlt schon Meister. Und jetzt auf einmal ist alles angeblich nicht mehr so toll, wie alle gedacht haben. Das geht bei einem Verein wie Borussia Dortmund sehr schnell. Bei der TSG haben wir uns als Team natürlich hohe Ziele gesetzt, dort gibt es aber von außen keine allzu hohen Erwartungen. Alles was positiv läuft, wird als Mega-Erfolg gewertet, alles andere ist mehr oder weniger normal.

Kann Druck nicht auch positiv sein, wird man als Spieler davon nicht auch gepusht?

Viele Spieler sind in den vergangenen Jahren in Hoffenheim zu Nationalspielern gereift und anschließend zu einem großen Verein gewechselt, weil sie sich in Ruhe entwickeln konnten. In Hoffenheim spielst du maximal vor 25 000 bis 30 000 Zuschauern. In Dortmund ist alles anders. Die ganze Stadt ist fußballverrückt. Und als Fußballer willst du natürlich lieber vor 80 000 spielen, und das am liebsten jede Woche. Dortmund ist eben ein großer Verein. Ich bin froh, hier zu sein.

Die Nationalelf hat am vergangenen Mittwoch in Dortmund vor Ihrem Heimpublikum gegen Argentinien gespielt. Waren Sie im Stadion und hatten Sie Kontakt zu den DFB-Teamkameraden?

Ich war nicht im Signal Iduna Park, weil es mir sehr weht tut, nicht dabei zu sein. Ich tue mich ohnehin sehr schwer, wenn ich verletzt bin, ins Stadion zu gehen.

Gilt das auch für die Spiele des BVB?

Ich war meistens im Stadion, aber nicht immer. Es hört sich zwar blöd an, doch wenn man sich nicht so gut fühlt und ständig gefragt wird, wie es mit der Verletzung aussieht und wann man wieder dabei ist, dann macht das keinen Spaß.

Sie haben ihren aktuellen Trainer Lucien Favre schon einige Wochen während Ihrer Zeit in Mönchengladbach erlebt. Hat er sich seitdem verändert?

Nein, ich habe hier immer noch den gleichen Trainer wie damals in Gladbach vorgefunden.

BVB-Reporter Peter Schwenneker (l.) und Marvin K. Hoffmann (r.) im Gespräch mit Nationalspieler Nico Schulz.

Man sagt Lucien Favre nach, dass er sehr viel mit den Spielern kommuniziert. Was zeichnet ihn als Mensch aus?

Er ist sehr höflich, sehr sachlich. Einfach ein herzensguter Mensch. Das merkt man sofort, wenn man ihn trifft und hallo sagt. Wenn er fragt, wie es dir geht, dann interessiert ihn das auch wirklich. Fußballerisch gibt er deutliche Anweisungen, hat einen klaren Stil, den er spielen lassen will. Das hat man in der vergangenen Saison gesehen. Bei jeder Station, wo er bisher war, hat er Erfolg gehabt. Er ist ein sehr, sehr guter Trainer.

Vor Jahren haben Sie mal geäußert, dass Ihr Traumverein Inter Mailand sei. Jetzt können Sie mit dem BVB selbst in San Siro auflaufen. Woher kommt diese Liebe?

Mein Vater ist Italiener. Und er ist mit Inter Mailand aufgewachsen, die ganze Familie, sein ganzer Freundeskreis. Mein erstes Fußballtrikot war daher eins von Inter, damals mit dem Namen Ronaldo. Mein Vater war ein großer Inter-Fan, und für mich als Jugendlicher war klar, dass ich da mal spielen möchte.

Waren sie schon einmal als Fan im Guiseppe-Meazza-Stadion?

Nein, ich war da noch nie, habe auch noch nie in Mailand gespielt. Daher wird es jetzt Zeit.

Als Jugendlicher war Paolo Maldini Ihr großes Vorbild. Weshalb?

Er war Italiener und Verteidiger. Und mir hat besonders imponiert, dass er nur bei einem Verein war, AC Mailand, 16 Jahre lang die Treue gehalten hat.

Könnten Sie sich persönlich diese Treue auch beim BVB vorstellen oder möchten Sie irgendwann noch einmal ins Ausland wechseln?

Ich kann mir immer vorstellen, lange bei einem Verein zu bleiben. 16 Jahre werde ich aber nicht mehr schaffen, mit 40 werde ich wohl zu alt sein. Ich bin für fünf Jahre hergekommen und möchte auch so lange bleiben. Danach müssen beide Seiten sehen wie es läuft und wie es weiter geht.

In der Champions League hat der BVB Topleistungen abgerufen, da stimmten auch die Ergebnisse. In der Bundesliga lief es zunächst nicht mehr so gut. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Das ist schwer zu sagen, ist von Spiel zu Spiel anders, liegt oft nur an Kleinigkeiten. Leider waren wir im Verteidigen von Standards zuletzt nicht die beste Mannschaft. Wir wissen, an welchen Schrauben wir drehen müssen, damit es auch wieder besser läuft. Und das werden wir auch versuchen zu tun.

Am kommenden Samstag trifft der BVB mit Mönchengladbach auf den Bundesliga-Spitzenreiter. Sind Sie nach Ihrer Fußverletzung schon wieder schmerzfrei und bis zum Wochenende wieder fit?

Ganz schmerzfrei bin ich natürlich noch nicht. Ich steigere die Belastung von Tag zu Tag und arbeite darauf hin, dass ich bis zum Spieltag möglichst eine Option für den Trainer sein kann.

Stichwort Option für den Trainer. Warum passen Sie mit Ihrer Spielweise so gut in das Favre-System, wie definieren Sie Ihre Rolle?

In erster Linie muss ich als linker Verteidiger meine defensiven Aufgaben erfüllen. Darüber hinaus will ich, wie es mir bei der TSG Hoffenheim gelungen ist, auch vorn Akzente setzen, damit meinen Gegenspieler binden. Deswegen wurde ich geholt. Und ich hoffe, dass ich der Mannschaft, wenn ich wieder gesund bin, schnellstmöglich helfen kann.

Wo sehen Sie selbst Ihre Stärken?

Das sollen andere beurteilen,ich schwärme nicht gerne von mir selbst. Doch meine Schnelligkeit und Dynamik sind offensichtlich. Und ich glaube, dass ich auch meine defensiven Aufgaben ganz gut erledige.

In Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro haben Sie starke Konkurrenz auf Ihrer Position.

Die Konkurrenz in der Mannschaft ist immer groß. Achraf und Raphael können auch auf anderen Positionen spielen. Ich glaube, wenn ich gesund und fit bin und meine Leistung bringe, werde ich auch spielen.

Zuletzt wurde viel von Mentalität geschrieben und gesagt, die Mannschaft wäre nicht heiß genug. Wie läuft ein Spieltag ab, wie werden Sie vorbereitet?

Was hat das mit heiß machen zu tun? Die gleichen Jungs sind im letzten Jahr fast Deutscher Meister geworden. Wenn man am Schluss ein dummes Standardtor kassiert, hat das nichts damit zu tun, dass man vor dem Spiel nicht motiviert war.

Nico Schulz ist nicht der einzige deutsche Nationalspieler in den Diensten von Borussia Dortmund. so will sich Julian Brandt etwa Selbstvertrauen im DFB-Team holen, wie wa.de* berichtet. BVB-Coach Lucien Favre hat nämlich noch nicht die richtige Position für ihn gefunden und ist auch aus diesem Grund in die Kritik geraten, heißt es. Zuletzt forderten einige Fans daher sogar eine Rückkehr von Jürgen Klopp, wie wa.de* ebenfalls berichtet.

*wa.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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