In Düsseldorf vor Gericht

Nach Tränen-Geständnis: Urteil zu Christoph Metzelder gefallen - Staatsanwaltschaft legt Berufung ein


Der einstige Nationalspieler Christoph Metzelder muss in Düsseldorf auf die Anklagebank. Am ersten Verhandlungstag wurde nach seinem Teil-Geständnis bereits ein Urteil gefällt.

Update vom 30. April, 19.52 Uhr: Nach dem Urteil gegen den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder hat die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel eingelegt. Man habe insbesondere aus formaljuristischen Gründen Berufung gegen das Urteil eingelegt, da über die Einziehung des Mobiltelefons mit den inkriminierten Dateien nicht entschieden worden sei, sagte am Freitag eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur.

Update vom 29. April, 15.58 Uhr: Das Amtsgericht Düsseldorf hat den ehemaligen Nationalspieler Christoph Metzelder für die Weitergabe von kinder- und jugendpornografischen Dateien nach nur einem Verhandlungstag zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Der 40-Jährige hatte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Teilen eingeräumt. Metzelder hatte während des Prozesses den Besitz und die Weitergabe von insgesamt 18 Dateien gestanden. Auf seinem 2019 beschlagnahmten Handy waren 297 Dateien gefunden worden.

In der Urteilsbegründung sprach Richterin Astrid Stammerjohann von relativ wenigen Straftaten. „Das besondere öffentliche Interesse ist die Kehrseite ihrer Berühmtheit“, sagte sie. Metzelder dürfte für absehbare Zeit weder seiner beruflichen Tätigkeit nachgehen können, noch am öffentlichen Leben teilnehmen. Positiv sei ihm beim Strafmaß angerechnet worden, dass er frühzeitig eine Therapie absolviert habe. Außerdem sei er nicht vorbestraft und es sei zu erwarten, dass er künftig keine Straftaten mehr begeht. „Für mich hat er echte Reue gezeigt“, sagte die Richterin weiter.

Metzelders Anwalt Ulrich Sommer ließ anschließend auf dem Gerichtsflur offen, ob sein Mandant das Urteil annehmen wird. Der Prozess habe Fragen zur Rolle der Medien und zu einer möglichen Anstiftung nicht beantwortet. Die Rolle als Angeklagter sei für seinen Mandanten sehr belastend gewesen, deshalb habe er es vorgezogen, in dieser Instanz einen vorläufigen Schlussstrich zu ziehen. „Ob das wirklich ein Schlussstrich ist, werden wir noch erörtern“, sagte Sommer.

Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil annehmen wird, blieb offen. Die Staatsanwältin wollte sich zu der Frage zunächst nicht äußern. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin hatte die Anklage in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von 14 Monaten auf Bewährung gefordert.

Christoph Metzelder mit Tränen-Geständnis: „Hinterlasse eine Wunde, die niemals verheilen wird“

Update vom 29. April, 13.13 Uhr: Christoph Metzelder hat vor dem Düsseldorfer Amtsgericht am Donnerstag den Besitz und die Weitergabe kinderpornografischer Dateien gestanden. „Ich habe auf frei zugänglichen Internetseiten inkriminierte Bilder besorgt, Screenshots gemacht. Ich habe in Chats Extremfantasien ausgetauscht“, sagte der 40-Jährige in seiner Einlassung im Saal E.116.

Die Faszination habe „in der Grenzüberschreitung gelegen“, nicht in den Darstellungen schwersten sexuellen Missbrauchs selbst. „Es hat keine Übergriffe gegenüber Kindern und Jugendlichen gegeben, es waren auch keine geplant. Trotz krassester Äußerungen in den Chats“, versicherte Metzelder: „Das hat ausschließlich in einer digitalen Parallelwelt stattgefunden.“

Mit gebrochener, am Ende tränenerstickter Stimme, sprach Metzelder erstmals über seine Schuld. Er habe die Dateien verschickt, „obwohl ich weiß, welches unsägliche Leid gegenüber Kindern hinter jeder Datei steckt. Trotz meines Engagements für Kinder. Ich akzeptiere die Strafe und bitte die Anwesenden stellvertretend für alle Opfer sexueller Gewalt um Entschuldigung. Ich hinterlasse eine Wunde, die niemals verheilen wird. Damit werde ich für den Rest meines Lebens leben müssen.“

Die Vorsitzende Richterin Astrid Stammerjohann schloss die Öffentlichkeit anschließend für die Sichtung der Beweise aus. Zuvor hatte sie ein Strafmaß von zehn bis zwölf Monaten auf Bewährung in Aussicht gestellt.

Christoph Metzelder: Prozess hat begonnen - Ex-Nationalspieler bricht sein Schweigen

Update vom 29. April, 11.41 Uhr: Der Prozess gegen Christoph Metzelder hat begonnen. Der einstige Bundesliga-Star betrat den Saal am Düsseldorfer Amtsgericht in grauem Jackett und mit schwarzer FFP2-Maske. Er äußerte sich nach AFP-Angaben zu seinem Lebenslauf, seiner sportlichen Karriere und seinem sozialen Engagement, auf das er „sehr stolz“ sei. Zu den Vorwürfen schwieg er hingegen. „Der 3. September 2019 war eine Zäsur, beruflich, gesellschaftlich, privat“, sagte der 40-Jährige.

Er lebe „seitdem zurückgezogen, alle beruflichen und gesellschaftlichen Engagements ruhen oder sind bereits beendet“. Das Bundesverdienstkreuz und den nordrhein-westfälischen Landesverdienstorden wolle er „aus Respekt vor jetzigen und künftigen Preisträgern“ zurückgeben. Metzelders Anwalt Ulrich Sommer kritisierte in seinem Statement, dass es zur öffentlichen Hauptverhandlung kam.

Christoph Metzelder vor Gericht: Schwere Vorwürfe gegen Ex-Nationalspieler

Erstmeldung vom 29. April, 09.03 Uhr: Düsseldorf - Fußball-Vizeweltmeister Christoph Metzelder (40) muss sich an diesem Donnerstag in Düsseldorf vor Gericht verantworten. Er ist angeklagt, weil er Kinder- und Jugendpornografie besessen und insgesamt 29 Dateien an drei Frauen weitergeleitet haben soll. Das Amtsgericht hat betont, dass der 40-Jährige bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens als unschuldig gilt. Er selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.

Die Vorwürfe gegen Metzelder waren im September 2019 bekannt geworden. Vor wenigen Tagen hatte sein Verteidiger Ulrich Sommer öffentlich Stellung genommen: „Er weiß, was er gemacht hat. Er weiß auch, dass man das als Fehler bezeichnen kann“, sagte Sommer in einem TV-Interview.

Christoph Metzelder: Ehemaliger Fußball-Star auf der Anklagebank

„Irgendwann gibt es diesen Kick auch mit Dingen, die man tunlichst nicht angefasst haben sollte“, so Sommer, der auch bestätigte, dass Metzelder inzwischen in Therapie sei. Dabei gehe es „um Sexualität und Umgang mit Frauen“. Die Staatsanwaltschaft wird in dem Prozess vermutlich ohne die Hauptbelastungszeugin auskommen müssen. Gegen die Hamburgerin, die eine Affäre mit Metzelder gehabt haben soll, war ein Strafbefehl in Höhe von 1000 Euro erlassen worden, gegen den sie Einspruch eingelegt hat.

Der Hamburger Anwalt der Frau hatte den Vorwurf zurückgewiesen, seine Mandantin sei eine Provokateurin, die den ehemaligen Bundesliga*-Star in eine Falle gelockt habe: „Das Verhalten meiner Mandantin hat mit Provokation nichts zu tun. Metzelder hat das Gespräch auf sexuelle Fantasien mit Minderjährigen gelenkt. Sie hat das Notwendige getan, um Straftaten gegen Kinder zu verhüten. Das verlangt viel Mut“, sagte er auf dpa-Anfrage.

Vorwürfe gegen Christoph Metzelder: 297 strafbare Dateien auf dem Handy des Ex-Nationalspielers?

Da das Verfahren gegen sie in Hamburg noch nicht abgeschlossen ist, darf sie die Aussage verweigern. Unklar ist auch, ob Metzelders Handy als Beweismittel verwertet werden kann. 297 strafbare Dateien sollen auf dem Mobiltelefon entdeckt worden sein.

Anfang September 2019 hatten Ermittler Ex-Nationalspieler Metzelder beim Fußballlehrer-Lehrgang des DFB* in Hennef abgepasst. Sein Zimmer dort und die Düsseldorfer Wohnung Metzelders wurden durchsucht. Das Düsseldorfer Amtsgericht hat für den Fall bis zum 10. Mai drei Verhandlungstage angesetzt. Richterin in dem Prozess wird Astrid Stammerjohann sein. (akl/dpa/afp/sid) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © INA FASSBENDER/AFP

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