2:1 gegen Algerien

Deutschland zittert sich ins Viertelfinale

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Ende gut, alles gut: Schürrle und Müller sind erleichtert über das Weiterkommen.

Porto Alegre - Happy End nach einem erstaunlich schweren Spiel: Deutschland ist im Viertelfinale der Fußball-WM. Gegen Algerien erreichte das Team in der Verlängerung ein 2:1. Ein Zittersieg für das Team von Joachim Löw.

Die Verlängerung war zwei Minuten alt, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war beim WM-Achtelfinalspiel gegen Algerien bis dahin dramatisch nahe am Abgrund balanciert, da wurde in Brasilien doch noch alles gut. Thomas Müller hatte sich am linken Flügel durchgesetzt und nach innen gepasst. Das sind normalerweise die Bälle, aus denen er selbst etwas macht, diesmal aber tat das André Schürrle und wurde zum Helden von Porto Alegre. Weil Mesut Özil ebenfalls noch traf, war Algeriens Treffer von Abdelmoumene Djabou nur noch ein kleines Ärgernis. Nach 120 Minuten stand ein glücklicher, letztlich aber doch verdienter deutscher 2:1-Sieg fest. Kommenden Freitag geht es im Viertelfinale in Rio gegen Frankreich. Puh, war das knapp.

Hat man die deutsche Mannschaft einmal derart orientierungslos in einem wichtigen Turnierspiel gegen einen Außenseiter gesehen wie eine Halbzeit lang in Porto Alegre? Dass Algerien ein unangenehmer Gegner werden würde, war klar. Wie unangenehm, schien die normalerweise bis über die Schuhgrößen der gegnerischen Spieler informierten Deutschen völlig zu überraschen.

Ausgerechnet im Achtelfinale leistete sich die Mannschaft ihre mit Abstand schwächste Turnierleistung. Viel zu behäbig tastete sie sich ins Spiel, obwohl nach der ersten großen Torchance für die Nordafrikaner in der 9. Minute – Torwart Manuel Neuer klärte wie ein Feldspieler gegen Islam Slimani in letzter Not – Alarmbereitschaft hätte herrschen müssen. Und spätestens als Algeriens Faouzi Ghoulam in der 18. Minute den Ball nur ganz knapp verzog, hatten alle im Stadion erwartet, dass sich der große Favorit endlich berappelt. Doch es hakte überall im deutschen Spiel. Jerome Boateng verteidigte innen unkonzentriert wie in einem Testspiel, Shkodran Mustafi (er kam für den grippekranken Mats Hummels ins Team) war rechts hinten völlig überfordert.

Auch das Mittelfeld war eine einzige Baustelle. Philipp Lahm ließ jegliche strategischen Fähigkeiten vermissen, Bastian Schweinsteiger hatte erst sehr spät gelungenere Aktionen. Einzig Toni Kroos kam nach einer schwachen halben Stunde besser zur Geltung mit zwei Torschüssen, nach einem davon hatte Mario Götze im Nachschuss die einzige wirklich gute deutsche Torchance (40. Minute).

Auch nach der Pause lief vieles nicht wunschgemäß, aber nun schien die Mannschaft wenigstens wacher, mit mehr Tempo und viel mehr Herz. Bundestrainer Joachim Löw hatte Andre Schürrle für Götze gebracht, das tat dem vorher völlig erlahmten Angriffsspiel gut.

Kommentar

Ein Kommentar zum Spielvon HAZ-Sportchef Heiko Rehberg.

Und endlich setzten die Deutschen die Algerier auch mal unter Druck. Mustafi hätte bereits in der 48. Minute mit einem Kopfball das 1:0 erzielen können, es wäre die Szene gewesen, die vieles leichter gemacht hätte. Doch Mustafi, der später verletzt ausgewechselt werden musste, traf nicht, Lahms 17-Meter-Schuss hielt Torwart Rais Mbolhi (55.).

Löw stellte noch mal um, brachte mit Sami Khedira einen Experten für Ruhe und Ordnung, Lahm rückte nach rechts. Es wurde nun ein Spiel, in dem es knisterte, weil auch die Algerier nach einer verhaltenen Phase wieder konterten, zum Glück stand im deutschen Tor ein überragender Manuel Neuer.

Nach 75 Minuten gab es deutsche Chancen im Minutentakt. Ein Kopfball von Schweinsteiger ging knapp vorbei, Mbolhi rettete famos bei einem Kopfball von Thomas Müller, Benedikt Höwedes‘ Kopfball wurde vor der Linie geklärt.Doch ausgerechnet jetzt, als die Deutschen Möglichkeiten hatten, gingen sie damit verschwenderisch um, auch in der Verlängerung, die Spannung pur bot und die zwei glücklichen Augenblicke von Schürrle und Özil, die die sportliche Katastrophe Achtelfinalaus verhinderten.

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