Nun doch: Zwanziger will Löw

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Kurz vor dem wichtigen WM-Test gegen Argentinien wirbt DFB-Präsident Theo Zwanziger (l) wieder intensiv um Joachim Löw.

München - Kurz vor dem wichtigen WM-Test gegen Argentinien wirbt DFB-Präsident Theo Zwanziger wieder intensiv um Joachim Löw. Die Zukunft von Oliver Bierhoff ist dagegen völlig offen.

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Löw lässt Zukunft als Bundestrainer offen

Noch vor dem Treffen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag im edlen “The Charles Hotel“ in der Münchner Innenstadt unterstrich Löw, dass der Schwebezustand um seine persönliche Zukunft weder ihn selbst noch sein Personal um Kapitän Michael Ballack beeinflussen sollen. “Ich werde den Spielern erklären, dass die Situation für niemanden ein Alibi sein kann“, sagte der Bundestrainer der “Süddeutschen Zeitung“. Die emotionalen Debatten um seine geplatzte Vertragsverlängerung und die zwischenzeitliche Eiszeit mit der DFB-Spitze würden für ihn “ab sofort keine Rolle mehr“ spielen, versicherte der 50-Jährige, der schon zuvor eine extreme Fokussierung auf Südafrika verkündete: “Im Moment fühle ich mich voller Energie und Vorfreude auf das Turnier im Sommer.“ Löw weiß allerdings genau, dass die Stimmung rund um die deutsche Vorzeige-Mannschaft wesentlich mit vom Verlauf und dem Ausgang des Klassikers an diesem Mittwoch in der Münchner Allianz Arena (20.45 Uhr/ZDF) abhängen wird.

Gleich 26 Spieler hatte der Bundestrainer für das erste Länderspiel des WM-Jahres eingeladen, das zugleich seine letzte Test-Möglichkeit vor der Nominierung des Südafrika-Kaders Anfang Mai ist. Der Hamburger Marcell Jansen musste wegen einer Erkrankung am Wochenende absagen. “Die Argentinier sind ein attraktiver und spielstarker Gegner, der uns sicherlich alles abverlangen wird“, sagte Löw. Er hat als Warnung die verunglückte WM-Generalsprobe 2006 gegen Italien mit im Kopf. Damals hatte das blamable 1:4 von Florenz schwere Turbulenzen ausgelöst und sogar die Position des damaligen Löw-Chefs Jürgen Klinsmann als Bundestrainer in Gefahr gebracht.

Ähnliche Endlos-Diskussionen wie vor vier Jahren will DFB- Präsident Theo Zwanziger nach der Krise rund um die geplatzten Vertragsverlängerungen von Löw und den besonders hart kritisierten Teammanager Oliver Bierhoff verhindern. So teilte er am Sonntag über die “Welt“ und die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ mit, dass er Löw selbst bei einem “unwahrscheinlichen Fall“, dass die Nationalmannschaft in Südafrika schon in der Vorrunde an Australien, Serbien und Ghana scheitern würde, halten wolle. “Ich wünsche mir diesen Bundestrainer weiterhin. Aber auch Jogi Löw muss das Recht haben, sich nach sechs Jahren beim DFB zu entscheiden“, sagte der Präsident.

Mit seiner neuen Annäherung will Zwanziger dreieinhalb Monate vor WM-Start die Atmosphäre entspannen und die vielen Anhänger beruhigen. “Das System Jogi Löw jetzt zu belasten, kann ich den Fußballfans in Deutschland nicht zumuten“, betonte der DFB-Chef und sagte nochmals deutlich zur Person Löw: “Bis zur WM wäre jeder ersetzbar, nur er nicht.“ Die Spieler interessieren die Debatten um Trainer und Manager nur am Rande; für sie geht es schon gegen die von Diego Maradona gecoachten Argentinier um viel Wichtigeres: die WM-Fahrkarten. Kapitän Ballack, der nach der 2:4-Niederlage seines FC Chelsea am Samstag gegen Manchester City und seiner Gelb-Roten Karte dabei mit einiger Wut im Bauch zum DFB-Team kommt, hatte bereits deutlich gefordert, “gegen Argentinien ein gutes Spiel abzuliefern, damit die Diskussionen nicht endlos werden“. Baustellen hat Löw trotz des mit noch 25 Akteuren überraschend großen Kaders genug.

Von der Besetzung des zweiten Innenverteidigers neben Per Mertesacker über den zweiten Außenverteidiger neben dem gesetzten Philipp Lahm bis hin zu den Stürmern, von denen wahrscheinlich nur einer zentral zum Einsatz kommt. Während Stammkräfte wie Lukas Podolski (1. FC Köln) oder Miroslav Klose (Bayern München) in ihren Vereinen schwächeln, drängt sich der eigentlich für die WM schon abgeschriebene Stuttgarter Cacau urplötzlich neu auf. “Wenn ich die Chance bekomme, würde ich mich freuen, vor allem gegen so eine große Mannschaft“, sagte der 28 Jahre alte Cacau zu einem erhofften Einsatz gegen die Gauchos. Eher wird Löw aber wohl den Neulingen Toni Kroos und Thomas Müller eine Chance eröffnen, sich für die Weltmeisterschaft zu empfehlen.

dpa

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